Wohnungsbau

Umstrittenes Baugebiet Waldhof-West: Erster Schritt für „verträgliche Wohnbebauung“

Gegen die Bebauung der Ackerfläche in Waldhof-West hat sich eine Bürgerinitiative gegründet.
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Gegen die Bebauung der Ackerfläche in Waldhof-West hat sich eine Bürgerinitiative gegründet.

Offenbach soll wachsen. Im Baugebiet Waldhof-West sind mehrere hundert Wohnungen vorgesehen. Nun ermöglichte das Stadtparlament dem umstrittenen Projekt einen wichtigen Schritt.

Offenbach – Für das künftige Baugebiet Waldhof-West ist ein erster Schritt unternommen worden: Die Stadtverordneten haben in ihrer jüngsten Sitzung den Startschuss für das Aufstellungsverfahren eines Bebauungsplans gegeben. Grundlage für alle Planungen ist der Siegerentwurf des im vergangenen Jahr abgehaltenen Ideenwettbewerbs.

Dass die künftige Bebauung keineswegs von vornherein feststand, betont Sabine Leithäuser von den Grünen: „Soweit ist es gekommen: Die Grünen befürworten den Weiterbau eines Wohngebietes, gegen das wir lange gekämpft haben.“ Den Sinneswandel erklärt sie mit den Ergebnissen des Ideenwettbewerbs. Diese hätten gezeigt, dass die Stadt ökologische Belange an erste Stelle setze, Ökologie und Stadtbau seien miteinander vereinbar. Der Devise „erst die Natur, auf der Restfläche die Bebauung“ könne ihre Fraktion nur zustimmen.

Offenbach: „Verträgliche Wohnbebauung" in Waldhof-West

Ähnlich der Tenor aus den übrigen Koalitionsfraktionen: Viel Lob für das von Paul-Gerhard Weiß geführte Planungsdezernat und die Ergebnisse des Wettbewerbs, die nun zur Grundlage für alle weiteren Planungen werden. Das bedeutet, dass ein Großteil des fraglichen Areals nicht bebaut werden darf, lediglich die Ackerfläche am Rand der Siedlung ist für eine „verträgliche Wohnbebauung“ vorgesehen.

Auch die oppositionelle SPD unterstützt die Schaffung weiterer Wohnungen und rief ebenso wie Koalitionsvertreter die Mitglieder der Bürgerinitiative dazu auf, ihre ablehnende Haltung aufzugeben. Dass von der BI der Eindruck erweckt werde, mit diesem Beschluss sei schon die genaue Bebauung vorgeschrieben, dafür habe er kein Verständnis, sagt Sozialdemokrat Holger Hinkel. „Es ist ein abwägendes Verfahren und es ist richtig und wichtig, dieses anzustoßen.“

Offenbach: Bürgerinitiative bekommt Rückenwind von Linken und AfD

Der Bürgerinitiative weht somit ordentlich Gegenwind ins Gesicht: Eindringlich warben SPD und Koalition dafür, ihre ablehnende Haltung aufzugeben und sich konstruktiv am kommenden Beteiligungsverfahren einzubringen. Dabei lehnte die BI nicht immer die Bebauung komplett ab: Zunächst kamen von dort eher Bedenken an der Dichte der Bebauung und der Anzahl der Wohnungen. Erst in den vergangenen zwei Jahren schlug das in eine Ablehnung um, damals wurden statt sozialstruktureller auch erstmals ökologische Bedenken angeführt.

Rückenwind, wohl mit Blick auf die Kommunalwahl im März 2021, erhält die BI lediglich vom linken wie rechten Rand: Links-Fraktion und AfD lehnen jegliche weitere Bebauung in Waldhof ab. Besonders kurios erscheint die Ablehnung der Linken für die Wohnbebauung. Noch im vergangenen Jahr hatte die Fraktion eine Wohnbebauung nahe der A 661 am Kaiserlei befürwortet; beim nun von Fachleuten als geeigneterer erachteten Areal in Waldhof dagegen votierten die Linken dagegen.

Waldhof-West

Das komplette Areal umfasst beinahe 50 Hektar, jedoch soll lediglich auf einem knapp zehn Hektar großen, im Osten des Gebiets liegenden Stück rund 600 Wohnungen gebaut werden. Die übrige Fläche soll wegen ihrer ökologischen Bedeutung unangetastet bleiben. Die Bebauung ist sowohl im Master- wie im Regionalflächennutzungsplan vorgesehen, gegen das Bauprojekt wurde die Bürgerinitiative „NATÜR(lich) Waldhof“ gegründet. Mitglieder der Bürgerinitiative hatten in ihrer Zeit als Stadtverordnete dem Baugebiet noch zugestimmt. 

Offenbach: Planungen für Waldhof-West als Blaupause

Der Aufstellungsbeschluss ist zugleich auch die Blaupause für das Vorgehen bei weiteren Baugebieten. Unter dem Stichwort „kooperative Wohnlandbebauung“ werden Investoren künftig stärker als bisher an den Folgekosten der Wohnbebauung beteiligt. „Es wird festgeschrieben, dass Projekte wie Kitas, Schulen oder Grünflächen aus dem Bauprojekt heraus finanziert werden “, sagt Weiß. Bodenspekulation werde so entgegen gewirkt, als Mittel zur Durchsetzung der Bebauung kann auch die städtebauliche Entwicklungsmaßnahme angeordnet werden. Letzteres ist wichtig, da der Stadt nur ein kleiner Teil der fraglichen Grundstücke gehören.

Erwartungsgemäß kommt viel Lob für das Konzept von den Koalitionären, aber auch die SPD kann der Vorlage einiges abgewinnen: Denn dass durch die Neuausrichtung der Baulandgewinnung Zeit gespart und Grundstückseigentümer beteiligt werden, sei nur folgerichtig, sagt Hinkel. „Wir brauchen kein zweites Bieber-Nord, bei dem zwischen dem ersten Beschluss und der Grundsteinlegung zwei Jahrzehnte vergangen sind.“ (Von Frank Sommer)

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