8700 Mahlzeiten ausgegeben

Hilfen in Offenbach: „Essen und Wärme“ vor bislang größter Herausforderung

Essen und Wärme Essensausgabe Warteschlange
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Da die Essens-Ausgabe im Hof der jeweiligen Gemeinde stattfand, setzte die winterliche Kühle auf die Dauer auch den Helfern ziemlich zu.

Seit 28 Jahren unterstützen Gemeinden in Offenbach Bedürftige. Dieses Jahr war für die Helfer besonders anstrengend.

Offenbach - Die Ausbreitung des Corona-Virus hat das Leben verändert. Seitdem beobachten etwa bundesweit die Tafeln eine neue Armut in Deutschland und sind selbst auch vor große Herausforderungen gestellt. Viele Tafeln organisieren ihren Betrieb um – auch die ökumenische Initiative „Essen und Wärme“ um Pfarrer Günter Krämer musste sich im 28. Jahr neu erfinden.

Zur Erinnerung: Am 20. Dezember 1993 wird erstmals zu „Essen und Wärme“ geladen. Sieben Mitarbeiter betreuen an diesem Montag einen Gast. Der Zuspruch ist heute um ein vielfaches gestiegen, Tafel-Angebote sind nicht mehr wegzudenken, auch wenn Günter Krämer in seinem Resümee sagt: „Es war die Aktion mit größten Herausforderungen.“

Offenbacher Gemeinden verteilen Essen an Bedürftige

Am 28. Februar endete die 28. Aktion „Essen und Wärme für Bedürftige“ (so die offizielle Bezeichnung) in der Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit. Auf Grund der Einschränkungen in Zeiten der Covid-19-Pandemie konnten diesmal lediglich zehn Offenbacher Gemeinden als Gastgeber fungieren. Denn das Essen wurde erstmals in der „To-Go-Methode“ mitgegeben.

Gegen den Kostenbeitrag von ein Euro (10 Essensmarken für acht Euro) erhielten die Gäste eine Papiertüte mit portioniertem warmem Essen inklusive Dessert und ein kleines Lunchpaket mit belegtem Brot und Obst. An 126 Tagen teilten die Helfer mehr als 8700 Essen aus. „Pro Tag kamen 62 Gäste, wobei der Besuch auch auf Grund der kalten Wochen im Januar und Februar sehr unterschiedlich war“, berichtet der Pfarrer. Ein Blick in die Statistik: An einem Tag kamen nur 33 Gäste, an Heiligabend schauten 135 Personen vorbei, am finalen Tag wurden 72 Essen verkauft.

Corona erschwert Hilfsaktion in Offenbach

Was die Sache komplizierte: Sowohl die ehrenamtlichen Mitarbeiter als auch die Gäste gehören zur Corona-Risikogruppe. Trotzdem erklärten sich „mehr als 70 unserer Mitarbeitenden auch in diesem Winter für den Dienst bereit.“ Die Einhaltung der verschiedenen Hygiene-Vorschriften war ein weiteres Thema: „Anfangs wurden den Helfern selbst genähte Masken und Face-Shields gesponsert, später auch medizinische Masken. Und ab Januar hatten wir Älteren ja Anspruch auf FFP2-Masken...“, so der Pfarrer. Für die Gäste, ohnehin knapp bei Kasse, wurden eine Zeit lang Mund-Nase-Masken gekauft.

Ohne weitere Unterstützung funktioniert das System ohnehin nicht: „Der Hesse-Wirtschaft ist zu danken, dass sie die häufigen Veränderungen bei der Zahl der bestellten Essen akzeptierte. An zwei Samstagen stiftete der Sikh Verband 180 vegetarische Mahlzeiten.“ Und wie in den vergangenen Jahren stellten die Bäckereien Beck und Ferdinands Backgenuss Backwaren vom Vortag zur Verfügung. In seinem Dank vergisst Krämer nicht die sieben Mitglieder des ehrenamtlichen Fahrdienstes und die Frauen und Männern, die in den Gemeinden dafür sorgten, dass zu „Essen und Wärme für Bedürftige“ geladen werden konnte.

„Essen und Wärme“ finanziert sich über Spenden – und könnte noch lange nötig bleiben

Durch Spenden und freie Kollekten von Gemeinden konnten die Gesamtkosten in Höhe von rund 55 000 Euro finanziert werden. Das freut den Initiator, etwas sorgenvoller blickt er in die Zukunft bei der Frage, ob Einrichtungen wie „Essen und Wärme“ irgendwann mal überflüssig werden in einer der reichsten Industrie-Nationen der Welt? „Leider muss man derzeit davon ausgehen, dass eine solche Einrichtung notwendig bleiben wird.“

Erfreulich sei jedoch, dass es seit diesem Winter nicht nur eine gute Zusammenarbeit mit der Allgemeinen Lebensberatung und der Straßenambulanz der Caritas gibt. „Darüber hinaus hat sich ein Netzwerk entwickelt, in dem auch die Offenbacher Tafel, der Malteser Hilfsdienst und der Sozialdienst des Diakonischen Werkes mitarbeiten.“ Ein Ergebnis dieser Kooperation: Seit Mitte Februar gibt es eine Winternotübernachtung für Obdachlose in der Teestube des Diakonischen Werkes. (Von Martin Kuhn)

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