Zuhause für Flugkünstler

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Mauersegler verbringen ihr ganzes Leben in der Luft. Einzige Ausnahme ist das Brüten.

Offenbach - Schlafen, fressen, lieben: All das tun Mauersegler der Luft. Die den Schwalben ähnlichen, mit ihnen aber nicht verwandten Vögel verbringen ihr ganzes Leben fliegend. Bis auf eine Ausnahme – die Aufzucht ihrer Jungen. Von Veronika Schade 

Dafür suchen sie sich Höhlen, Spalten und Nischen, gern an Gebäuden, die sie jedes Jahr aufs Neue nutzen. Doch im Zuge von Sanierungen an Fassaden und Dächern und durch moderne Bauweisen werden die Nistmöglichkeiten für den unter Artenschutz stehenden Vogel immer rarer. Mit Nistkästen in luftiger Höhe, am besten unterm Dach, entsteht ohne viel Aufwand ein neues Zuhause für die flinken Flugkünstler. Einige Privatleute und die Offenbacher Feuerwehr haben es schon vorgemacht, nun leistet auch die Energieversorgung Offenbach (EVO) ihren Beitrag. Auf dem Betriebsgelände zwischen Andréstraße und Goethering ließ sie 25 hölzerne Brutstätten installieren.

Mehr Natur aufs eher triste Firmengelände zu bringen und dieses ökologisch aufzuwerten ist Ziel des EVO-Projekts „Naturnahe Gestaltung der EVO-Standorte“. So wurde dort beispielsweise eine „Bienenweide“ angelegt. „Unsere Mitarbeiter kümmern sich derzeit um fünf Bienenvölker“, berichtet Projektmitglied Margot Schneider. Seit 1992 brütet ein Falkenpaar am Schornstein des Heizkraftwerks, beobachtet von den Fachleuten des NABU. Mit deren Unterstützung sollen sich dort nun auch die Mauersegler heimisch fühlen. Ingolf Grabow, Fachmann beim NABU und der Frankfurter Mauersegler-Initiative, montiert 18 Nisthilfen unter dem Dach eines denkmalgeschützten Büro- und Werkstattgebäudes sowie sieben weitere Kästen an einem Verwaltungsgebäude. Nur 500 Euro kostet die EVO das Projekt, 20 Euro pro Nistkasten. „Die Kästen halten so lange, wie das Dach besteht“, ist sich Grabow sicher. Sie müssten weder gereinigt noch in Schuss gehalten werden, da sie wetterfest angebracht seien und die kleinen Vögel sehr auf Sauberkeit in ihren Behausungen achteten.

„Ein Mauersegler verfüttert am Tag bis zu 20.000 Fliegen, Mücken und Motten an seinen Nachwuchs“, nennt der Experte einen weiteren Vorteil für die Ansiedlung. Die nesttreuen Vögel kehren zum Brüten stets an den Ort zurück, an dem sie geschlüpft sind. Von Ende April bis August weilen sie in unseren Gefilden, das restliche Jahr in Afrika. Der Bestand wird in Hessen auf etwa 10.000 Brutpaare geschätzt. Ob und wie schnell die Tiere die Nistmöglichkeiten auf dem EVO-Gelände annehmen, wird sich zeigen. Möglicherweise nisten sich zunächst Spatzen und Meisen ein, auch diese sind willkommen. „Sie machen die Mauersegler damit auf die Nistplätze aufmerksam, oft ziehen sie danach ein“, weiß Grabow. Er vermutet, dass sich bei der EVO vor allem junge Mauersegler niederlassen. „Alte Brutpaare haben ja schon ihre festen Plätze, sofern diese nicht durch Bausanierungen entfernt wurden.“ Was übrigens nach Artenschutzgesetz streng verboten ist: Vorhandene Nester dürfen nicht beseitigt werden, auch nicht außerhalb der Brutzeit. Wer entsprechende Baumaßnahmen plant, muss Ersatznistplätze schaffen. Unterstützung und Rat gibt es beim NABU und Umweltamt.

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Aktion „Tierischer Sommer“: Bilder unserer Leser (Teil 2)

Die EVO will zubetonierte Flächen entsiegeln, um ihr Gelände naturnäher zu gestalten. Auch an anderen Standorten tut sich was. So wurden an den Umspannwerken Dietzenbach und Langen Insektenhotels aufgestellt und Wildblumenwiesen gesät. Geplant sind Nisthilfen für Meisen, Hausrotschwänze und Grauschnäpper und der Bau von Trockensteinmauern.

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