Taunus- und Von-Behring-Straße

Baubeginn für zwei Fahrrad-Achsen - doch es gibt auch kritische Stimmen

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Die künftige Fahrrad-von-Behring-Straße: An die Parkplätze gehen die Verantwortlichen nicht ran...

Deutschland, einig Radlerland? Es gleicht eher einem Flickenteppich, an dem jede Gemeinde nach eigener Vorstellung werkelt: Seit zehn Jahren waren in Gießen immer wieder Fahrradstraßen angekündigt worden, nun sollen die ersten drei 2020 ausgewiesen werden.

Offenbach – Bremen hat 18 solcher Fahrradstraßen, an der 19. wird gearbeitet. In Offenbach gibt es eine Teststrecke, jetzt folgen zwei „echte“ Fahrradstraßen. Die Bürger verfolgen das Ganze mit eher gemischten Gefühlen.

Auffallend sowohl in Internet-Foren und bei Informationsveranstaltungen: Es gibt Schwarz oder Weiß – für Grautöne ist meist kein Platz, beziehungsweise noch nicht die Zeit reif. Auf unserer Seite www.op-online.de etwa. 

Da schreibt Nutzer HypoRheal zu den beiden aktuell geplanten Fahrradstraßen (Nordend, Bürgel): „Die Autos müssen weg aus der Innenstadt! Nur noch begrenzte Zufahrt für Nicht-Anlieger und auch deutlich weniger Parkraum für die Blechhaufen und dafür viel mehr Platz für die Menschen.“ Weniger zurückhaltend ist Nutzer Unternehmermeinung: „Grundsätzlich muss die Stadt nach und nach beruhigt werden. Die Schnellfahr-Arm-außen-hängen-Deppen müssen so behindert werden, dass das Rasen nicht mehr geht.“

Offenbach: Nur zwei Meinungen und keine Grautöne

Eine Hoffnung, die der Nutzer Stadtverordneter nicht teilen möchte: „Offenbach ist keine Fahrradstadt und wird es auch nie werden. Auch sind wir nicht in Indien oder China und fahren Rikscha. Der Nutzen der Fahrradstraßen ist sowieso kaum messbar. Das ist reine Symbolpolitik. Hier werden völlig sinnlos Millionen für teure Prestigeprojekte verbuddelt.“ Wie gesagt: Es ist wenig Platz für Grautöne, wie sie beispielsweise Anwohner _B43 einfließen lässt: „Verkehrssicherung hat natürlich ihren Sinn, Tempo 30 und Bremsschwellen im Wohn-/innerstädtischen Bereich sind durchaus sinnvoll, allerdings muss der Kfz-Verkehr störungsfrei und zügig durch Offenbach geführt werden.“

Geplante Fahrrad-Achse in Bürgel: Sie sei durchgehend beleuchtet und liege dort, wo die Menschen wohnen, argumentieren die Verantwortlichen.

Das liegt sicher daran, dass Fahrradfahren – anders als etwa in den Niederlanden oder in Dänemark – noch ein anderes gesellschaftliches und politisches Ansehen hat. Unsere europäischen Nachbarn haben da mehr Zeit gehabt. Vielleicht liegt es auch daran, dass es bundesweit kein Konzept für ein einheitliches Aussehen solcher Radler-Trassen gibt. Das ist auch in Offenbach der Fall, wobei die Erkenntnisse der Test-Strecke (500 Meter in der Senefelderstraße) in die Achsen einfließen, die in diesem Monat angegangen werden.

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Die „Achse 1“ (Nordend, Taunusstraße) soll bis Jahresende fertig sein. Mit der Umgestaltung der „Achse 5“ (Bürgel, Von-Behring-Straße) zur Fahrradstraße möchte man zeitgleich oder leicht zeitversetzt beginnen. „Beide Maßnahmen bleiben aber witterungsabhängig, da die Markierungsarbeiten bei zu niedrigen Temperaturen nicht ausgeführt werden können“, sagt Projektmanager Ulrich Lemke.

Offenbach: Planungen für Bürgel stoßen auf Kritik

Die Planungen für Bürgel stoßen bei einigen Stadtteil-Bewohnern weiter auf Kritik. „Das Projektteam hat sich bewusst für diese Wegeführung entschieden, da sie die kürzeste Verbindung vom Mainradweg nach Rumpenheim darstellt“, so Stadtbaurat Paul-Gerhard Weiß. Sie sei zwei Kilometer kürzer als der Mainradweg, 1,4 Kilometer kürzer als die Strecke über den Deich und 500 Meter kürzer als der Mainzer Ring. „Damit unsere neuen Fahrradachsen wirklich angenommen werden und gerade auch Pendler zum Umsatteln bewegen, ist eine direkte Wegeführung von zentraler Bedeutung.“

Offenbach: Gegen eine Fahrradstraße

Und Ulrich Lemke nennt weitere Argumente, die für die Von-Behring-Straße als Fahrradstraße sprechen: Sie sei bereits jetzt durchgehend beleuchtet und liege dort, wo die Menschen wohnen. „Damit ist sie eine gute Ergänzung der Radverbindung am Mainzer Ring und am Mainufer.“ Für Radler entstehe „eine gute und sichere Alternative“ zur Langstraße/Offenbacher Straße, über die sich auch die Geschäfte in Bürgel erreichen lassen.

Um die Sichtbarkeit des Radverkehrs in den geplanten Fahrradstraßen zu verbessern, werden an den Kreuzungen in Taunus- und Von-Behring-Straße zudem neue Fahrradbügel aufgestellt. Was vermutlich zu weiteren Diskussionen führt...

VON MARTIN KUHN

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