Lernen, wie Bücher riechen

Fahrbare Bibliothek weckt Interesse und Leidenschaft

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Obwohl er selbst keine Leseratte ist, schlägt sich Maik Vetter vom OFC wacker als Bücherbus-Vorleser. Seine Zuhörer von der F2-Jugend der SKG Rumpenheim sind von ihm und der Fußballgeschichte begeistert.

Offenbach - Mit der Aktion „Erst Buch – dann Tor“ will die Stadtbibliothek fußballbegeisterte Jungs zum Lesen bringen. An acht Terminen besucht darum der Bücherbus die sechs- bis neunjährigen Fußballer der SKG Rumpenheim und hat ein spannendes Programm im Gepäck. Von Lena Jochum

Fußballspielen, Tore schießen, über den Rasen flitzen – dafür brennt die F2 Jugend der SKG Rumpenheim. Zweimal wöchentlich trainieren sie Kondition und Spielzüge, kennen sich bestens aus mit dem internationalen Fußballgeschehen. Mit Lesen hingegen haben viele der sechs- bis neunjährigen Fußballer wenig am Hut. Genau das will die Stadtbibliothek mit einer neuen Aktion ändern. „Erst Buch – dann Tor“ heißt das von Fraport und Kulturstiftung der städtischen Sparkasse unterstützte Projekt zur Leseförderung, bei dem der Bücherbus die 15 jungen SKG-Spieler auf dem Fußballplatz besucht. An acht Terminen warten Bücherbus-Leiterin Dina Herde und Pinar Celic von der Kinderbibliothek nach dem Dienstags-Training mit tollen Veranstaltungen rund um das Thema Lesen.

Mit einem Bilderbuchkino, einer Fußballralley und vorgelesenen Geschichten sollen die Jungs für Bücher begeistert werden. Weil das gar nicht so einfach ist, kam es zu der Idee, die Nachwuchs-Kicker dort abzuholen, wo sie sich wohlfühlen und motiviert sind. Ein ähnliches Konzept setzt die Hessenstiftung – Familie hat Zukunft bereits seit Längerem erfolgreich um, richtet sich damit aber an ältere Jugendliche. „Wir finden es wichtig, möglichst früh zu vermitteln, dass Lesen Spaß macht“, so Herde.

Gerade bei Jüngeren geht es darum, ein Gefühl für Bücher zu entwickeln. Dass einige noch nicht richtig lesen können, spielt dabei keine Rolle. Celic: „Sie sollen lernen, wie Bücher riechen und wie es in einer Bibliothek aussieht“. Damit das Projekt ein Erfolg wird, sind Eltern und Trainer eingebunden, übernehmen ebenfalls Vorlese-Dienste. „Anfangs haben wir gemerkt, dass die Jungs wenig angetan waren von Büchern“, erinnert sich Pinar Celic. Mittlerweile habe sich das gebessert, fügt Dina Herde hinzu: „Fast alle haben einen Leseausweis und leihen regelmäßig Bücher aus.“ Am liebsten, berichten die SKG-Kicker, lesen sie Comics und Geschichten, in denen es um Fußball geht.

OP unterwegs auf der Frankfurter Buchmesse 2017

Seit dem 10. April läuft die Aktion, geht noch bis zum 12. Juni. Am vergangenen Dienstag macht das Bücherbus-Team zum vierten Mal Halt bei der SKG und hat eine besondere Überraschung für die fußballverrückten Leseratten: Kickers-Spieler Maik Vetter ist zu Gast. Der lässt sich von den F2-Jungs zuerst mit allerhand Fragen löchern. Lieblingsessen, Lieblingsmannschaft und Hobbys werden abgefragt. Vetter verrät, dass er eine Ausbildung zum Bankkaufmann macht und lieber Apfelschorle als Alkohol trinkt. Der 26-Jährige hat auch noch einen Rat unter Fußballern: Spaß haben und nicht nur ans Gewinnen denken! Bei der Frage nach den eigenen Lesegewohnheiten muss der Fußballer dann aber passen. „Leider lese ich viel zu selten und wenn, dann eher Sportmagazine“, gibt er zu. Auch auf dem Bieberer Berg hat der Bücherbus also noch zu tun. Als Vorleser macht der Mittelfeldspieler dennoch eine gute Figur. Während er die Fußballgeschichte „Das Endspiel“ liest, hängen seine Zuhörer ihm an den Lippen und beschweren sich lautstark, noch ehe Vetter das Buch zuschlägt: „Schon so schnell vorbei?“ Die Enttäuschung über die allzu kurze Erzählung ist allerdings im Nu vergessen, als der Kickers-Profi Filzstift und Autogrammkarten auspackt, um sie mit den Namen der Kinder zu versehen. Die ziehen schließlich zufrieden ab und freuen sich schon auf das nächste Mal. Das Thema: Lesen mit Apps.

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