Umfrage

Fahrrad-Teststrecke in Offenbach: Umsetzung muss verbessert werden

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Bei der Frage, wie die Kreuzungsbereiche farblich gestaltet werden sollen, fand Rot die meisten Befürworter. Dies wird nun in der Senefelder sowie den weiteren Fahrradstraßen umgesetzt.

Die Idee ist gut, doch bei der Umsetzung muss nachjustiert werden. Das ist die zentrale Botschaft einer Befragung zu der seit September 2018 bestehenden Fahrrad-Teststrecke in der Senefelderstraße.

Offenbach – Teams der Frankfurter Goethe-Uni und der Offenbacher Hochschule für Gestaltung (HfG) haben im Zuge des Projekts Bike Offenbach im Frühjahr 4000 Fragebögen zur Teststrecke verteilt, 704 kamen ausgefüllt zurück. Für die Wissenschaftler und Designer ist das Offenbacher Projekt Gegenstand einer Forschungsarbeit. Erkenntnisse aus der Umfrage fließen nun in die konkrete Projektplanung, die Forschungsergebnisse würden auch international publiziert, hieß es gestern bei deren Vorstellung.

16 Studenten haben sich über zwei Semester mit Bike Offenbach beschäftigt. Dabei wurden auch die Haltung zu und Erfahrungen mit der Fahrradstraße, sowie das Mobilitätsverhalten und die Einstellung zu den verschiedenen Verkehrsmitteln insgesamt abgefragt. Für die Umfrage erarbeitete die HfG mit dem Planungsteam mehrere Designvorschläge für die Fahrradstraßen, von den Markierungen bis hin zur grundsätzlichen Gestaltung. Zu den Entwürfen konnten die Befragten ebenfalls ihre Meinung äußern.

Fahrrad-Teststrecke in Offenbach: "Gute Rücklaufquote“ bei Umfrage 

Von den rund 4000 Fragebögen, die im Senefelderquartier und in der Innenstadt verteilt wurden, kamen 704 zurück – für Andreas Blitz, wissenschaftlicher Mitarbeiter der AG Mobilitätsforschung an der Goethe-Uni, „eine gute Rücklaufquote“. Da der Anteil der antwortenden Personen mit Migrationshintergrund aber deutlich geringer war als ihr Anteil an der Bevölkerung, könne man nicht von repräsentativen Ergebnissen sprechen.

Die Auswertung zeigt: Grundsätzlich finden mehr als 70 Prozent die Idee der Fahrradstraße gut. „Das gilt auch für fast zwei Drittel der Menschen, die häufig Auto fahren“, so Blitz; bei den Radelnden sind es 83 Prozent. Dass die Fahrradstraße als solche deutlich erkennbar ist, finden 74 Prozent. Subjektiv sicher fühlen sich dort jedoch nur 37 Prozent, und 73 Prozent haben das Gefühl, dass Autos dort oft schneller unterwegs sind als mit den erlaubten 30 Stundenkilometern. Für den lokalen Projektmanager Ulrich Lemke von der OPG führt deshalb kein Weg an Kontrollen vorbei. Das sei mit dem Ordnungsamt schon abgesprochen, sagt er. Insgesamt sind 40 Prozent der Befragten mit der Umsetzung der Fahrradstraße zufrieden, jede(r) Dritte allerdings stimmte dieser Aussage nicht zu.

Fahrrad-Teststrecke in Offenbach: Schräge Schraffur schneidet am besten ab

Für die konkrete Planung war insbesondere die Frage hinsichtlich der Markierungen wichtig, die den Sicherheitsabstand zu den parkenden Autos, die sogenannte „dooring zone“, anzeigen. Dabei zeigt sich klar, dass eine schräge Schraffur am positivsten abschnitt. Sie soll nun auch umgesetzt werden. Bei der farblichen Gestaltung der Kreuzungen galt die rote Variante klar als die am deutlichsten erkennbare. „Das entspricht unserer Entscheidung, auch die anderen Fahrradstraßen rot zu markieren“, so Lemke. Als nächste Fahrradstraßen sind die Von-Behring-Straße in Bürgel sowie die Taunusstraße vom Nordring bis zur Berliner Straße vorgesehen.

Den Förderantrag für die Radlerpisten hatte Offenbach 2017 gestellt. „Mit diesem Antrag für ein ganzes Netz von Fahrradstraßen war die Stadt bundesweit Vorreiter, was unser Interesse geweckt hat“, erklärt Dr. Annika Busch-Gertseema das Engagement der Uni. Zu Fahrradstraßen und deren Gestaltung gebe es bis dato nahezu keine Forschungen. „Für uns war die Umfrage eine gute Gelegenheit, um Gestaltung messbar zu machen“, so HfG-Professor Peter Eckart. „Schließlich soll Gestaltung den Raum nicht nur verschönern – sie muss auch funktionieren.“

VON MATTHIAS DAHMER

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Zusätzlich blaue Striche in der Fahrradstraße

Sicherheitsbedenken, unter anderem von unserer Zeitung geäußert, wurden offenbar erhört: Auf der Fahrradstraßen-Teststrecke in der Senefelderstraße (zwischen Starkenburgring und Marienstraße) wird nun nachgebessert. Zumindest ein bisschen.

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