Elektrifiziert Runden drehen

Motorsport-Messe lockt Fans aus aller Welt nach Offenbach

Besucher aus aller Welt kommen Jahr für Jahr nach Offenbach. Sogar Vertreter des größten Kartgeschäfts in Mexiko waren am Wochenende an der Kaiserstraße dabei. Fotos: Kirschner
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Besucher aus aller Welt kommen Jahr für Jahr nach Offenbach. Sogar Vertreter des größten Kartgeschäfts in Mexiko waren am Wochenende an der Kaiserstraße dabei.

Aus Kassel, Freiburg und Mexiko: Kartprofis und -fans pilgern am Wochenende nach Offenbach. Ihr Ziel ist die 28. Internationale Kart-Ausstellung. Die größte Fachmesse der Welt bietet auf mehr als 10 000 Quadratmetern Neues für den Motorsport.

  • Motorsport-Messe lockt Fans aus aller Welt nach Offenbach
  • Das Ziel: die 28. Internationale Kart-Ausstellung
  • Im Fokus: Karts mit Elektroantrieb

Offenbach – „Wo geht’s hin mit dem Kartsport?“, scheint die große Frage in den Messehallen zu sein. Organisator Botho Wagner ist sich sicher: „Es geht dieses Jahr vor allem um die Umstellung auf den Elektromotor; der Elektroantrieb ist genauso schnell wie der Verbrennungsmotor.“ Dabei gibt es aber „deutliche Probleme“ mit den Ladestationen und den Reifen. Letztere könnten bei der „sagenhaften“ Beschleunigung kaum mithalten. Und die Batterien müssen besonders leistungsstark sein, schließlich verbraucht der Rennmotor das Fünf- bis Sechsfache eines normalen Elektroautos. „Manche Ladestationen an der Strecke werden noch mit Diesel betrieben, weil die Netze nicht liefern können, was wir brauchen“, berichtet Wagner.

Internationale Kart-Ausstellung in Offenbach: Elektroantrieb im Fokus

Neben Ersatzteilen zu Messepreisen, Rennanzügen und allerlei technischem Zubehör schauen sich die zahlreichen Kartfans auf der Messe auch nach den Neuentwicklungen im Bereich der Elektrokarts um. Was diese neuen eKarts taugen, werde die Anwendung zeigen, meint Wagner. Beispielsweise bei den Rennen in der Miniklasse für Junioren absieben Jahren, die Ende des Jahres auf Elektroantrieb umgestellt werden sollen.

Zur Rolle des deutschen Kartsports sagt Wagner: „Wir sind echt ein Leuchtturm, wie treiben die Entwicklung voran“. Auch Oliver Schielein, Geschäftsführer der Deutschen Elektro-Kart Meisterschaft (DEKM), meint: „Wir leisten Pionierarbeit.“ Dass es in Deutschland immer weiter in Richtung Elektroantrieb geht, zeigt auch die DEKM: Sie ist die weltweit erste und einzige Performance-Meisterschaft mit Elektrokarts und startet 2020 in die dritte Saison. Für die neue Saison wird auf der Messe die zweite Generation des eigens entwickelten Gefährts vorgestellt – aufgrund seiner Leistungsfähigkeit nennt Wagner sie „Granate“. Mit Sodi- Chassis, Rotax-Motor und Vega-Reifen schafft das eKart 130 km/h und beschleunigt von null auf 100 km/h in 3,5 Sekunden. Allerdings müssten die Batterien noch deutlich kleiner werden, urteilt Wagner.

Internationale Kart-Ausstellung in Offenbach: Entwicklung der Elektrokarts rasant

„Die Entwicklung geht rasend schnell voran“, erklärt der DEKM-Chef Schielein. „Schon die zweite Generation des Elektrokarts ist 25 Prozent leistungsstärker als die erste. Und das nach zwei Jahren! Und spätestens 2023 werden wir sicherlich schneller sein als der Verbrenner.“ Und auch das Problem der zu großen Batterien werde sich bald lösen.

Nächstes Jahr gibt es wohl eine ganze Halle mit Simulatoren – und eine Messe-Konkurrenz. Für die AvD-Meisterschaft übt hier schon mal der elfjährige Artur Nagel.

„Auch der FIA-Weltverband sagt ganz klar: Wir müssen weltweit eine Alternative zum Verbrenner haben, um auch den Nachwuchssport aufrecht erhalten zu können“, weiß Schielein. Schließlich seien schon Kartstrecken wegen des Lärms und des CO2-Ausstoßes der Benziner geschlossen worden. „Wir sind an einer Schwelle zum Elektrorennsport“, so Botho Wagner, „dass das die Zukunft sein wird, ist ohne Frage“. Schließlich seien Alternativen wie der Wasserstoffantrieb für den Rennsport zu explosiv. Im Hallenbetrieb ist die Umstellung längst angekommen. 90 Prozent der Vergnügungsanlagen laufen mit Elektroantrieb, schätzt Wagner. International seien es aber nur zehn Prozent.

Das bietet weiter einen guten Markt für Treibstoffhersteller: Clemens und Martin Bollinger, die als Importeure des weniger giftigen Alkylatbenzins auf der Messe Geschäftskontakte knüpfen wollen, sind bezüglich der Elektrifizierung des Kartsports etwas anderer Meinung. „Wir sind überzeugt, dass der benzinbetriebene Kartsport eine Zukunft hat.“ Schließlich seien immer noch etliche Indoorkartbahnen unter seinen Kunden. Von der Messe sind die beiden begeistert: „Tolle Stimmung und Community.“

Internationale Kart-Ausstellung in Offenbach: Nicht alle Besucher zufrieden

Ganz anders ein Besucher, der von der Messe eher enttäuscht ist. „Vor ein paar Jahren ging es hier noch um den Rennsport, es gab Teams, die regelrecht um Fahrer gekämpft haben. Jetzt ist es vielmehr eine Messe für Leihkartsysteme und deren Organisation.“ Auf der Messe bilde sich ab, dass sich die Kartszene verändere – während es einen regelrechten Fahrerschwund und Nachwuchsmangel gibt, boomt der Bereich der Mietkarts.

Unbestreitbar ist der Erfolg der Messe in sieben Hallen dennoch. „Rangmäßig könnten wir in Frankfurt residieren, aber Offenbach bietet die besten Möglichkeiten für uns“, so Wagner. Und das seit 24 Jahren. Den künftigen Wandel der „IKA Kart 2000“ soll Wagners Enkel Marcel Fuchsberger gestalten, der die Geschäfte nach und nach übernehmen wird.

VON ANNA KIRSCHNER

Wenn Julian Trenkel von seinen Wochenenden erzählt, dürfte er so manchen neidischen Blick von seinen Mitschülern ernten. Seit vielen Jahren dreht er Runden im Kart, auch bei großen Turnieren.

Schon im letzten Jahr lag der Schwerpunkt der Kart-Messe in Offenbach auf dem Thema Elektromobilität.

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