Archiv 

Das Gedächtnis der Fechter: FCO-Archiv dient als Vorbild für andere Sportvereine und Grundlage für Magisterarbeit 

Otti Krug pflegt das FCO-Archiv ehrenamtlich. 
+
Otti Krug pflegt das FCO-Archiv ehrenamtlich. 

Otti Krug kümmert sich um die Archivalien des FCO. Der "alte Kram" beschäftigt nun auch die Wissenschaft. 

Offenbach – Ihr Ehemann Waldemar war Präsident des Fechtclubs Offenbach, als Otti Krug vor einigen Jahren im Clubhaus auf ein Bündel verstaubter Papiere stieß. Der „alte Kram“ beschäftigt sie seitdem beinahe jeden Tag.

Und was sie seitdem daraus macht, fand jetzt wissenschaftliche Beachtung. An der Deutschen Sporthochschule in Köln legte die Studentin Franziska Deters eine Magisterarbeit mit diesem Titel vor: „Lebensader des Vereins. Die Bedeutung von Vereinsarchiven für die Sportüberlieferung am Beispiel des Fechtclubs Offenbach von 1863. “ Wie Otti Krug ihren Fund ordnete, erschloss und mehrte, wird dabei als Vorbild herausgestellt.

Die Kölner Magisterarbeit macht deutlich, dass das FCO-Archiv nicht allein der Traditionspflege innerhalb des Clubs dient. Es wird auch von Außenstehenden genutzt. Von Journalisten etwa, von Studierenden, Museen und „Experten, die Sportüberlieferungen für Forschungsvorhaben nutzen“. Fachkundige, so heißt es, schätzen Otti Krugs Archiv als funktionelles und durchaus wissenschaftliches Instrument. Dabei reichen die Kontakte bis nach San Francisco.

Das hat mit der internationalen Fecht-Ikone Helene Mayer zu tun. Die Tochter eines jüdischen Arztes aus Offenbach hatte bei den Berliner Olympischen Spielen von 1936 die Ausnahmegenehmigung, für Deutschland fechten zu dürfen. Es irritierte, als sie dort auf dem Siegertreppchen den Arm zum Hitlergruß erhob. Gleichwohl wurde sie danach von den Nazis geächtet und emigrierte für Jahre in die USA, auch dort mit sportlichen Triumphen. Das Material über sie ist ein Kernbereich der Bestände im FCO-Archiv. Der Autorin Franziska Deters erlaubt das eine Betrachtung nationalsozialistischer Einflüsse auf die Arbeit von Vereinen. Sie stellt fest, dass das Verhalten von Vereinsfunktionären „nicht schwarz-weiß“ gesehen werden könne. Am Offenbacher Beispiel leitet sie ab:: „Aus wissenschaftlicher Sicht können hier Erkenntnisse für die vielfältigen Reaktionen im Umgang mit der Schuldfrage gewonnen werden.“

Nun ist diese Otti Krug keine gelernte Archivarin oder studierte Historikerin. Sie ist nur neugierig. Und wenn sie sich mit ihrer Sammlung befasst, weiß sie am Abend mehr als am Morgen. Handfeste Unterstützung erhielt sie dabei vom FCO-Waffenwart Karl-Heinz Ohlig Als verlässlicher Assistent bewährt sich Ehemann Waldemar, der auch fromm die Augen schließt, wenn aus der Haushaltskasse etwas entnommen wird für die Anschaffung von Archivmaterial.

Franziska Deters berichtet: „Der Archivbestand vergrößerte sich relativ schnell, nachdem bekannt geworden war, dass der FC Offenbach Unterlagen zur Vereinsgeschichte sammelte. Im Laufe der Zeit wurden dabei immer wieder vielfältige Aufbewahrungsmöglichkeiten angeschafft. Gegenwärtig stehen im Archiv drei Aktenschränke, deren Inhalte in die Kategorien „Geschichte des Fechtclubs“; „Helene Mayer“ sowie „Sport, Fechter und Trainer“ aufgeteilt sind.“ Es könnte sein, dass bald ein weiterer Schrank benötigt wird.

Mit dem Gründungsjahr 1863 ist der FCO der zweitälteste Fechtclub in Deutschland. Aber trotz des ehrwürdigen Alters funktioniert sein Gedächtnis offenbar noch immer sehr gut.

Von Lothar R. Braun 

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare