„Einzelinteressen hören, aber nicht verabsolutieren“

Offenbacher FDP-Chef Stirböck tritt für Wilhelmsplatz-Sperrung ein

Auf dem Wilhelmsplatz sitzen am Freitag zahlreiche Gäste in den Außenbereichen der Lokale. 
+
Die Zukunft des Wilhelmsplatzes zählt zu den großen politischen Zankapfeln in der Offenbacher Kommunalpolitik.

Die Tansania-Koalition hat ein Projekt in Angriff genommen, das erwartete Gegenwehr hervorruft. CDU, Grüne, FDP und Freie Wähler wollen sie seitlichen Straßen des Wilhelmsplatzes testweise zu Marktzeiten sperren. Die SPD hingegen präsentierte unter dem Einfluss von Beschicker-Protesten den Vorschlag, eine Sperrung nur außerhalb der Marktzeiten zu testen. Eine vorherige Befragung ist eingeleitet, der SPD-Oberbürgermeister hat ein professionelles Institut beauftragt.

Offenbach – Während die Gemüter bei einer Veranstaltung hochkochten, hat sich die Koalition der inhaltlichen Diskussion über das Projekt eher enthalten. Bürgermeister und Ordnungsdezernent Peter Freier (CDU) will allerdings dem Eindruck entgegenwirken, er und sein für den Verkehr zuständiger Kollege Paul-Gerhard Weiß hätten sich gedrückt: „Ich wurde vom OB zu der Veranstaltung weder eingeladen, noch gebeten teilzunehmen. Über Zeit und Ort der Veranstaltung war ich auch nicht informiert.“

Nun meldet sich Tansania-Partnerin FDP zu Wort. Der neue Vorsitzende Oliver Stirböck stellt einleitend fest: „Die Innenstädte sind im Wandel. Sie müssen neben der klassischen Einkaufsfunktion mehr Aufenthaltsqualität und Wohlfühl-Oasen bieten. Sonst wird im Zeitalter des Internet-Handels langfristig die Innenstadt veröden.“ Für die Freien Demokraten sei daher die die Sperrung der Seitenstraßen des Wilhelmsplatzes eine wichtige Maßnahme, den Kernbereich der Stadt in seiner Attraktivität zu stärken, betont der Landtagsabgeordnete.

. Der „Autokorso“ um Offenbachs schönsten Platz ist seiner Auffassung nach aus der Zeit gefallen. Nach Stirböcks Einschätzung werde auch der benachbarte Marktplatz Schritt für Schritt verkehrsberuhigt werden.

Wilhelmsplatz in Offenbach soll „Eingang zur Innenstadt" werden

Der Wandel der Umgebungsbebauung schaffe hier „große Chancen“, den Platz als „Eingang zur Innenstadt“ weniger unwirtlich zu gestalten. Der FDP-Vorsitzende wirbt dafür, bei der Diskussion um die Seitenstraßen des Wilhelmsplatzes, das Gesamtziel der Qualitätssteigerung der Offenbacher Innenstadt nicht aus den Augen zu verlieren und zu zerreden. „Einzelinteressen sollen gehört, sie dürfen aber nicht verabsolutiert werden“, meint Stirböck. Es gehe um die Zukunft der Innenstadt, nicht um kleingeistiges Gezänk und minimale parteipolitische Feldvorteile bei Interessengruppen.

Der Freidemokrat begrüßt, dass der Test der Sperrung der Seitenstraßen entgegen anderslautender Prognosen jetzt doch im Sommer stattfindet. Er tritt Befürchtungen entgegen, die Kurzparker könnten während des Tests oder grundsätzlich bei gesperrten Seitenstraßen den Wochenmarkt nicht mehr gezielt anfahren.

Stirböck: Umgestaltung vor zehn Jahren hat Wilhelmsplatz in Offenbach gut getan

Der Parkplatz im Süden sei weiter erreichbar. Um den Durchlauf von Kurzparkern mit Ziel Wochenmarkt zu verbessern, werde die zulässige Parkdauer dort verkürzt. Stirböck kann sich zudem das kostenlose Kurzparken, die sogenannte Brötchentaste, auf dem Parkplatz vorstellen. Die meisten Marktbesucher parkten schon jetzt in anderen Straßen oder in den umliegenden Parkhäusern. „Die Diskussion um einige wenige, meist von Anwohnern belegte Parkplätze, wird mir zu schrill geführt, da haben sich einige etwas verrannt“, so Stirböck.

Zu strategischen Überlegungen von OB Felix Schwenke bekräftigt er, der Markt solle ein Erzeuger-Markt bleiben: „Niemand will ihn in einen Ess- und Trinkmarkt verwandeln“. Die seinerzeit von nahezu den gleichen Betroffenen scharf kritisierte Umgestaltung des Platzes und der Seitenstraßen vor zehn Jahren habe Platz und Markt gutgetan und seine Strahlkraft nach innen und außen gestärkt. „Auch die Sperrung der Seitenstraßen wird Platz und Markt nicht schwächen, sondern stärken“, ist sich Stirböck sicher. (tk)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare