„Es hat Flatsch gemacht“

Federvieh entleert sich über Stand des Wochenmarkts

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Spurensicherung am Stand von Burghard Gündling: Kurz vor 8 Uhr gestern Morgen regnete es Fäkalien auf sein Obst und Gemüse. Nach Untersuchung der Hinterlassenschaften stand am Mittag dann fest: Sie stammen von Vögeln.

Offenbach - Nur wenige Wochenmärkte in der Region sind so beliebt wie der auf dem Offenbacher Wilhelmsplatz. Das sieht offenbar nicht jeder so: Gestern Morgen nutzte Federvieh im Überflug den Markt zu Entleerung. Von Matthias Dahmer 

Zunächst als Verursacher in Verdacht geratene Flugzeuge, können von Schuld freigesprochen werden. „Plötzlich hat es Flatsch gemacht“, beschreibt Standbetreiber Burkhard Gündling, das Geräusch, das kurz vor 8 Uhr dazu führt, dass der Marktag für ihn gelaufen ist. Auf seinen Obst und Gemüsestand hat es Fäkalien geregnet, es ist – wie sich später herausstellt – fast ein halber Liter Kot. Die Aufregung ist groß, Feuerwehr, Stadt und Landespolizei sowie die städtische Lebensmittelüberwachung sichern die Spuren, die vom Himmel kamen und die kontaminierte Ware. Schnell macht der Verdacht die Runde: Das kann nur von einem Flugzeug stammen. „Für Vogelschiss ist es ein bisschen viel“, heißt es aus Kreisen der Ermittler.

Die stinkenden Beweismittel werden vom Markt zur Feuerwehr an der Rhönstraße transportiert, wo Experten des Fachgebiets Messtechnik die Hinterlassenschaften unter die Lupe nehmen. Um 11.30 Uhr steht dann definitiv fest: Es handelt sich zwar um Fäkalien, aber nicht um menschliche. Dass der Kot aus einer Flugzeugtoilette gefallen ist, kann Jörg Stickler, Fachgebietsleiter Messtechnik bei der Offenbacher Wehr, deshalb ausschließen.

„Das war höchstwahrscheinlich Stuhlgang von einem größeren Vogel“, sagt Stickler mit Blick auf die Messergebnisse. Der Vorfall auf dem Wochenmarkt weckt Erinnerungen an frühere tierische Aufreger: Im Sommer 2012 ärgerten sich mehrere Betriebe im Offenbacher Süden, die mit Autos ihr Geld verdienen, über Dreck, der sich regelmäßig auf ihren Fahrzeugen fand. Die Suche nach den Schuldigen konzentrierte sich seinerzeit auf die Frage: Anrüchige Hinterlassenschaften aus Flugzeugtoiletten oder Bienenvölker? Sowohl Fraport als auch die Imker eines benachbarten Lehrbienenstands wiesen den Verdacht weit von sich. Fachleute der Frankfurter Goethe-Uni untersuchten die Flecken und kamen zu dem Ergebnis: Es war doch Bienenkot. Als mögliche Erklärung für das Verhalten der Insekten wurde Stress vermutet; ausgelöst eventuelle durch Fluglärm. „Wenn Bienen Stress haben, werfen sie alles ab, um möglichst leicht zu werden und schnell fliegen zu können“, wurde ein Fachmann zitiert.

Bereits im November 2011 waren Flugzeuge ebenfalls in Verdacht geraten. Bei einem grauschwarzen Belag auf Äpfeln in Rosenhöhe-Gärten könne es sich um beim Landeanflug abgelassenes Kerosin oder nicht gasförmige Emissionen von Düsenaggregaten handeln, wurde gemutmaßt. Unsere Zeitung legte die Beweisstücke dem städtischen Umweltamt vor. Ergebnis: Das optische Übel war biologischer Natur. Es handelt sich um „Rußtau“, einen Pilz, den meist Blattläuse verschulden, weil sie einen zuckrigen Belag produzieren, auf dem sich die Sporengewächse sehr wohl fühlen.

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