Partnerschaftsprojekt von Leibniz- und Fröbelschule

Feierlaune auf hohem Level bei 28. Jazz-Martinée

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Der Büsinghof war zur Jazz-Matinée am Samstagvormittag bestens gefüllt. Kein Wunder, haben sich doch die Schulen viel einfallen lassen und das spätsommerliche Wetter hätte kaum angenehmer sein können.  

Offenbach J  Ein goldener Abiturjahrgang in Feststimmung, ein 60-köpfiges sinfonische Blasorchester erstmals auf der Bühne des Inklusionsprojekts von Leibniz-Gymnasium und Fröbelschule sowie ein Bürgermeister im Abschiedsmodus – die 28. Auflage der Jazz-Matinée setzte etliche Ausrufezeichen. Von Harald H. Richter 

„Da spielen aber nicht nur Mädchen mit“, erkennt ein junger Besucher schon auf den ersten Blick und zeigt auf einen Saxofonisten. Auch am Schlagzeug gibt ein männliches Mitglied der Kapelle den Rhythmus vor. Dass sich das Sinfonische Blasorchester der katholischen Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe für Mädchen andersgeschlechtliche Artgenossen leistet, ist einfach erklärt. „Väter, Geschwister und ehemalige Lehrer verstärken unsere Reihen“, erläutert Dirigentin Brigitte Rudin, seit vielen Jahren treibende Kraft im Fachbereich Musik der Marienschule Offenbach, der Zuhörerschaft. „Aber auch Freunde unserer Orchestermitglieder sind mit großer Spielfreude dabei.“

Etwa 60 der rund 100 Angehörigen des Instrumentalensembles gestalten am Samstagvormittag die erste musikalische Stunde der Jazz-Matinée im Innenhof des neobarocken Büsingpalais. Immer noch zu viele, um komplett auf die Bühne zu passen. Deshalb spielt ein Teil in Tuchfühlung zum Auditorium „front of stage“ auf. Zu Gehör bringt das Orchester Auszüge des Schulkonzertprogramms, aber auch Lieblingsstücke. „Die sind nicht klassisch, vielmehr modern arrangiert“, sagt die Musikpädagogin.

Überhaupt wird der Ablauf von „28 Jahre Jazz & Brunch“ des Partnerprojekts des Leibniz-Gymnasiums und der Fröbelschule von mannigfaltigen musikalischen Stilen geprägt. Bei strahlender Spätsommersonne hämmern die Beats aktueller Chartbreaker aus den Boxen, als die Boygroup der Förderschule ihre von Christine Weiser und Ann Christin Scondo einstudierte Choreografie darbietet. Nahtlos knüpfen daran die Mädchen und Jungen von Let’s Go an, ein inklusives tänzerisches Projekt von Fröbel-, Leibniz- und Ernst-Reuter-Schule, das Berührungsängste überwinden helfen soll. Coffeehouse Sound, Jazz und Swing wechseln einander im Tagesverlauf ab und halten das Publikum bei Laune. Die bewegt sich bei einer Gruppe älterer Gäste ohnehin auf hohem Level.

„Ein halbes Jahrhundert ist es her, dass wir im Altbau der Leibnizschule unsere Reifeprüfung abgelegt haben“, ruft Dr. Thomas Lanio in Erinnerung. Deshalb habe man den Jahrgang für heute eingeladen, um dieses Jubiläum miteinander zu begehen, sagt der diesjährige Hauptsponsor des Events vergnügt. „Kein Rahmen könnte besser sein als dieser“, konstatiert „Mr. Jazz-Matinée“ Detlef Kohsow vom Förderverein und holt die honorigen Ex-Pennäler auf die Bühne. Dort sind mit Christoph Dombrowski und Ruth Steinheimer bereits die Leiter der zwei Projektpartnerschulen mit Offenbachs Bürgermeister Peter Schneider versammelt. Dessen letzter Arbeitstag naht, kommenden Freitag ist Schluss. Dann geht der 62-Jährige in Pension. „Umso mehr freut es mich, heute noch einmal als Bürgermeister die Matinée eröffnen zu dürfen“, fügt er hinzu. Wenige Minuten zuvor hat er bei einem Bummel übers Gelände am Tischkicker gegen ein paar Jungs gewonnen und obendrein beim rückwärts Jonglieren eines Tabletts eine gute Figur gemacht. „Der Spaßfaktor dieser Veranstaltung ist hoch, und nächstes Jahr kann ich alles als Ruheständler genießen“, sagt er ohne Wehmut.

Bilder vom Künstlermarkt in Offenbach

An rund drei Dutzend Ständen sorgen Jugendliche beider Bildungseinrichtungen dafür, dass es den Gästen von „Jazz & Brunch“ kulinarisch an nichts fehlt. Karibische Cocktails und Fruchtspieße mit Schokoüberzug hier, römische Spezialitäten, Weißwürstel und Brezn da, aber auch Kaffee, Kuchen und Krossgebratenes schmeicheln dem Gaumen. Die Ruder-AG und der Fechtclub werben für ihre Sportarten, beim Torwandschießen und an der Schaumkuss-Wurfmaschine ist Treffsicherheit gefragt. Losverkäufer schwärmen aus, um für die Teilnahme an der Tombola zu werben.

Die Werkstatt Holzbiber, jüngster „Geschäftszweig“ der Fröbelschule, stellt die Ergebnisse eines von Lehrer Daniel Weiß betreuten Lernmodells vor und weckt Käuferinteresse. Unter seiner Anleitung haben Jugendliche eine Lampenkollektion kreiert, die seit kurzem am Markt ist. „Mit zunächst sechs Schülern haben wir dieses Projekt in der Holzwerkstatt gestartet“, erläutert er. „Dahinter steht die Absicht, handwerkliche Grundfertigkeiten zu vermitteln.“ Zu den hölzernen Standfüßen steuert die schon länger bestehende Schülerfirma TonTraum passende Töpferware bei, aus der die Keramikschirme der Tischlampen gefertigt werden. „Ein Prüfzeichen bescheinigt, dass die Technik einwandfrei ist“, sagt der Werklehrer. „Alles funktioniert prima.“ Mit der Projektpartnerschaft der zwei Bildungseinrichtungen verhält es sich genauso.

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