Historische Felsenkeller am Bierbrauerweg

Brüchige Lüftungsschächte

+
Provisorische Sicherung: Einer der zu sanierenden Lüftungsschächte im weit verzweigten und für die Öffentlichkeit gesperrten Stollensystem – aufgenommen im November 2013.

Offenbach - Sie können nicht mehr genutzt werden und kosten dennoch Geld. 115.000 Euro muss die Stadt in die Sanierung der Gewölbekeller am Bierbrauerweg stecken. Von Matthias Dahmer 

Insgesamt sechs zwischen 40 und 75 Meter lange und bis zu fünf Meter breite Gänge ziehen sich durch das Gestein am Bierbrauerweg. Ihre Entstehung ist unklar, genutzt wurden sie einst unter anderem von Bierbrauern, die dort Gerstensaft und zur Kühlung benötigtes Eis bunkerten. Die für die Öffentlichkeit nicht zugänglichen Keller sackten buchstäblich ins Bewusstsein der Offenbacher, als im Sommer vergangenen Jahres das Erdreich auf dem VfB-Sportplatz auf mehreren Quadratmetern einbrach. Schuld war einer von insgesamt fünf etwa elf Meter hohen Luftschächten, die von den Felsenkellern auf den Platz münden und zum Teil von verfülltem Gestein umgeben sind.

Um das Problem in den Griff zu bekommen und weitere Absenkungen zu verhindern, lief nach ersten provisorischen Sicherungsmaßnahmen an den Luftschächten eine aufwändige Sanierung an: Flurkarten aus dem Jahre 1944 wurden mit aktuellen verglichen, ein Gutachter für Bau- und Geotechnik fertigte eine Expertise, das städtische Vermessungsamt überprüfte die Lage der nicht ungefährlichen Stollen, eine umwelttechnische Untersuchung aus dem Jahr 2005 wurde zur Berurteilung herangezogen. Am Ende kam heraus, dass sich insbesondere unter dem genutzten Sportplatz keine weiteren Hohlräume befinden und in erster Line die Kamine das Problem sind. Zu den fünf auf das VfB-Sportfeld mündenden gesellte sich ein weiterer im angrenzenden Leonhard-Eißnert-Park, dessen Abdeckung im Juni des vergangenen Jahres bei Mäharbeiten einbrach.

Große Lösung ist zu teuer

Die kurzzeitig angedachte ganz große Lösung, also die Verfüllung der Stollen, schied wegen der Kosten von etwa 600.000 Euro aus. Weshalb in der Magistratsvorlage vorgeschlagen wird, die Luftschächte mit massiven Betonfundamenten auszustatten und anschließend mit verdichtungsfähigem Material zu verfüllen. Damit die Lüftungsfunktion der Schächte für die Kellergewölbe erhalten bleibt, sollen gleichzeitig druckfeste aufsteigende Rohre eingebaut werden. Obendrauf kommt Geotextil als Trennlage, damit der Sportplatz wieder hergerichtet werden kann.

Liegenschaftsamts-Vize Werner Hinkelbein, der das Vorhaben betreut, geht davon aus, dass die geplanten Maßnahmen im nächsten Monat beschlossen werden. „Dann legen wir so schnell es geht los.“

Die brüchigen Zeugnisse der Vergangenheit werden die Stadt wohl auch künftig beschäftigen. „Da die Stollen in den nächsten Jahrzehnten weiteren Verwitterungsprozessen unterliegen, muss der Zustand überwacht werden, um künftig Veränderungen frühzeitig erkennen zu können“, heißt es in der Magistratsvorlage. Das Vermessungsamt will zu diesem Zweck regelmäßig auf dem Sportplatz sogenannte Setzungsmessungen vornehmen. Außerdem wurde ein dreidimensionaler Scan der gesamten Stollenanlage gefertigt. Mit den so gewonnenen detaillierten Aufnahmen werden die Kellergewölbe künftig einmal im Jahr mittels Begehung unter die Lupe genommen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare