Fest der Nationen auf Wilhelmsplatz

Hervorragendes Netzwerk

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Sie bildeten den Auftakt des bunten Bühnenprogramms: Die jungen Damen vom Türkisch Islamischen Kulturverein präsentierten einen Volkstanz von der Ägäis.

Offenbach - Nicht nur die Liebe geht durch den Magen. Welche völkerveständigende Kraft Essen und Trinken haben, kann am Samstagabend beim Kulturfest der Nationen beobachtet werden. Von Matthias Dahmer 

21 Vereine bauen in diesem Jahr bei der 27. Auflage des einst als Tag des ausländischen Mitbürgers ins Leben gerufenen Festes ihre Stände auf. Sie locken bis gestern Abend mehrere tausend Besucher auf den Wilhelmsplatz.

Es beginnt gemächlich. Zum angekündigten Start wird an den Ständen noch geschraubt, werden Bänke und Tische zurechtgerückt, wird Holzkohle auf den großen unverzichtbaren Grill verteilt. Allein beim Türkisch Islamischen Kulturverein ist man vorbereitet. Dort dreht sich schon der Döner-Spieß, die ersten Bucher lassen es sich schmecken.

Auf der Bühne versichern wenig später die Offiziellen in Variationen, wie gut das Zusammenleben von 151 Nationen in Offenbach klappt. Man lebe hier in der „Integrations-Hauptstadt Deutschlands“, sagt etwa der ehrenamtliche und für den Ausländerbeirat zuständige SPD-Stadtrat Stefan Färber. Er zitiert mit Stolz die Süddeutsche Zeitung, die einmal an prominenter Stelle beschrieben hat, wie Offenbach sich wohltuend von sozialen Brennpunkten wie Berlin-Neukölln unterscheidet. Färber stimmt die Gäste auf „zwei Tage Musik, Tanz, Gaumenfreuden und das ein oder andere Gespräch“ ein.

16.000 bis 18.000 Muslime in Offenbach

Abdelkader Rafoud, seit 2001 Vorsitzender des Ausländerbeirat und so etwas wie ein Motor der friedlichen Zusammenlebens in der Stadt, nimmt sich Zeit für ein solches. Trotz der zahlreichen weltweiten Krisenherde funktioniere es in Offenbach nicht zuletzt wegen des hervorragenden Netzwerks, das man geknüpft habe. Er verweist dabei etwa auf den islamischen runden Tisch, der seinerzeit vom Ausländerbeirat und der damaligen Bürgermeisterin Birgit Simon initiiert worden sei. Abdelkader Rafoud schätzt, dass derzeit zwischen 16.000 und 18.000 Muslime in Offenbach leben. Ihren Glauben praktizieren sie in 15 Gebetshäusern, fünf davon sind Moscheen, zählt der Vorsitzende des Ausländerbeirats auf.

Im funktionierenden Netzwerk noch nicht richtig verwoben sind jene Menschen aus Südosteuropa, die derzeit an einigen Stellen in der City das Stadtbild prägen und für politischen und sozialen Zündstoff sorgen. An sie komme man mangels Organisationsgrad entsprechender Vereine nicht ran, räumt Rafoud ein. Und: Sie seien einfach in zu kurzer Zeit in zu großer Zahl nach Offenbach gekommen.

Bilder vom Fest der Nationen

Fest der Nationen auf dem Wilhelmsplatz

Konkrete Fälle von Jugendlichen, die von Offenbach aus als Dschihadisten etwa in den Krieg nach Syrien gegangen seien, kann oder will Abdelkader Rafoud nicht bestätigen. Grundsätzlich bestehe das Problem, dass dafür anfällige junge Leute in erste Linie über das Internet kommunizierten. Eltern oder Vereine hätten da kaum Einfluss. Die Haltung Rafouds zum Thema ist unmissverständlich: „Niemand hat etwas gegen den Islam oder Religion. Doch jeder muss respektieren, dass man sich hier nach dem Grundgesetz zu richten hat.“ Das Netzwerk des friedlichen Miteinanders ist ein fragiles, weiß der Ausländerbeiratsvorsitzende: „Wenn hier etwas passieren sollte, wirft das unsere Bemühungen um Jahre zurück.“

Eine Stunde nach Beginn des Kulturfestes sieht es nicht danach aus. An den Ständen stehen die Besucher Schlange, auf der Bühne läuft ein farbenfrohes Programm – es ist offensichtlich der Beginn der zuvor versprochenen zwei Tage Musik, Tanz, Gaumenfreuden und Gespräche.

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