Genussvolles Miteinander

Fest der Vereine lockt die Massen auf den Ostendplatz

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„Portugieser Weißherbst geht immer“: Am Stand des Heimatvereins wurden Liebhaber edler Tropfen mit einer Auswahl erlesener Weine erfreut.

Bieber -  Zwei Abende lang feierten die Bieberer ihr Fest der Vereine, das seit 1992 fester Bestandteil des lokalen Veranstaltungskalenders ist. Erstmals wurden die Stände nach dem Rotationsverfahren vergeben. Von Harald H. Richter

Wo Mühl- und Feuerrädchen auf dem Teller landen und mancher Gartenzwerg in Flüssigform den eben verspeisten deftigen Imbiss abrundet, lassen es sich die Bieberer gut gehen. Einmal im Jahr, stets am letzten Juli-Wochenende, folgen Alt und Jung gern der Einladung der örtlichen Vereine zum traditionellen Fest auf dem Ost-endplatz. „Das ist auch schon mal heftig verblasen worden“, erinnert sich Ilse Hammann, Vorsitzende des Vereins für Freizeitgestaltung Offenbacher 03, des sturmbedingten Abbruchs vor ein paar Jahren. Diesmal freilich bleibt man davon verschont.

Unter den mächtigen Bäumen, deren Schatten spendende Wirkung sehr begehrt ist, lässt es sich an beiden Abenden gut gelaunt und alles in allem ungetrübt feiern, zumal der von Florian Seemann dirigierte Musikverein Eintracht einen stimmungsfördernden Reigen aus volkstümlichen Melodien, Pop und Schlagern anzubieten weiß. Zehn Vereine belegen diesmal den Platz mit ihren Ständen – dem Rotationsverfahren folgend. „Damit kommen wir Wünschen aus den Reihen unserer Mitglieder nach“, sagt Heinz-Josef Lorz, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Bieberer Ortsvereine. Einige wollten nicht jedes Jahr an derselben Stelle stehen, weshalb man sich für das Wechselspiel entschieden hat.

Überall werden Erfrischungen ausgeschenkt und kulinarische Köstlichkeiten bereitgehalten. Dazu zählen die exakt zwischen zwei Brötchenhälften passenden Wurstspezialitäten aus der Mühlheimer Altstadtmetzgerei Schmidt, die auch in Bieber eine Filiale betreibt. „Die Mühlrädchen sind eher mild gewürzt, die feurigen verheißen scharfen Gaumenkitzel“, meint Gisela Maier vom Kleingärtnerverein Ost vergnügt, die zusammen mit Heike Sauer am Eröffnungsabend Standdienst schiebt. Zum Nachspülen empfehlen die Frauen einen Gartenzwerg-Shooter, bestehend aus Wodka, einer mit Meerrettich bestrichenen Scheibe Salami und einer Silberzwiebel obendrauf.

Genussmenschen finden auf der Getränkekarte am Stand des Heimatvereins eine gewohnt süffige Auswahl vor. „Portugieser Weißherbst geht immer“, sagt stellvertretender Vorsitzender Wolfgang Stoppel, der seit vielen Jahren schon Rebensaft vom Weingut Gerharz-Hochthurn aus Gau-Algesheim bezieht. Doch auch Grauer Burgunder und Chardonnay sind bei den Gästen beliebt. Zum Fest der Vereine hat Stoppel insgesamt 400 Flaschen Wein geordert. „Sollte etwas übrig bleiben, bevorraten sich unsere Mitglieder damit.“ Sie blicken bereits erwartungsvoll dem September entgegen, denn da steht ihre Vereinsfahrt nach Amorbach auf dem Programm, für die bereits 70 Teilnehmer zugesagt haben.

Bilder: Fest der Vereine in Bieber

Auch für den Gesangverein Polyhymnia Bieber hält der September Bedeutungsvolles bereit. Der 29. ist ganz dick im Terminkalender angestrichen, denn an diesem Abend findet das große Jubiläumskonzert zum 125-jährigen Vereinsbestehen statt. Bis dahin soll feststehen, wer dem musikalischen Leiter Peter Josef Kunz-von Gymnich am Dirigentenpult nachfolgt. Die Kandidatenfindung geht dem Vernehmen nach in die entscheidende Phase. Das ist am Vereinsstand durchaus ein Thema, aber mehr noch ziehen etliche Mitglieder des Frauenchors die Aufmerksamkeit auf sich, denn sie kommen in feschen Dirndln daher. Mit ihren Outfits stellen sie einen Bezug zu dem her, was auf der Spezialitätenkarte steht: Kiachln, ein in Fett ausgebackener Germteig, der mit Preiselbeermarmelade gefüllt wird und als Tiroler Köstlichkeit gilt.

Im Anschluss an das Heimspiel-Unentschieden ihrer Kickers gegen Elversberg mischen sich etliche OFC-Fans unters vergnügt feiernde Volk, so dass man gemeinsam ein astronomisches Spektakel am Abendhimmel bestaunen kann. Das kommt zwar nicht in Rot und Weiß daher, gleichwohl gelingt es dem Erdtrabanten, der sich auch über dem Ostendplatz erhebt, gewisse Aufmerksamkeit einzufordern. Des Mondes immerhin rötliche Einfärbung ist freilich für manchen Hinaufblickenden von Dunst verdeckt nur verschwommen zu erkennen, was womöglich alkoholbedingter Trübung des Betrachters geschuldet sein mag. Dafür gibt der Himmelskörper am Abend darauf wiederum alles und garantiert den Feiernden einen Nachhauseweg bei klarer Sicht.

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