Finnische Malerin im t-raum

Abstrakte Schönheit

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Der Langener Autor Jan Costin Wagner (links) und seine finnische Frau Niina bei der Vernissage im t-raum-Theater.

Offenbach - Die finnische Malerin Niina Wagner stellt in Offenbachs kleinstem Theater, dem t-raum aus. „Spiegelungen“ heißt das Projekt. Bei der Vernissage las ihr Mann Jan Costin Wagner aus seinem neuen Buch. Von David Heisig 

Land der Seen, melancholische Einwohner und Hard-Rock der Band Lordi: zu Finnland können solche Klischees in den Sinn kommen. Einen anderen Eindruck vermittelt die Malerin Niina Wagner. Geboren in Salo zeichnet sie ein farbenfrohes Bild ihrer Heimat. Vögel, Sonnen, Pflanzen: alles kommt sehr bunt daher. Symbole für Energie, das Leben. „Grundlegende Lebensmotive“ nennt sie das. „Spiegelungen“ heißt die Ausstellung mit elf Bildern, die im Offenbacher t-raum-Theater zu sehen ist – Wagners erste größere Ausstellung.

Frank Geisler vom t-raum ist froh, dass diese Ausstellung durch einen „Zufallskontakt“ zustande gekommen ist. Eine Freundin Wagners kennt den t-raum, hat den Vorschlag gemacht. Die Verbindung von Künsten sei sehr wichtig, erklärt Geisler. Nicht nur Theater oder Seminare, sondern eben auch Malerei soll es zu bestaunen geben. „Wir freuen uns, dass wir drei Ausstellungen im Jahr haben können“, sagt er.

Wagner verpackt ihre Motive abstrakt. Vögel etwa werden als Schwingungen dargestellt. Verpflichtet fühlt sie sich hierbei immer der „Schönheit des Lebens“, wie sie es nennt. „In den Bildern habe ich Themen, die irgendwas spiegeln, was ich erlebt habe“, erklärt sie. Auf Reisen, eigene Gefühle oder eben aus der Heimat. „Der Betrachter, der hier zu Besuch ist, hat seine eigene Welt, wie er die Bilder dann sieht“ erklärt sie. So entstehe die Verbindung. Die Spiegelung.

Herkunft als Quelle der Inspiration

Ihre nordische Herkunft ist für die Malerin eine wichtige Quelle der Inspiration. Etwa wenn sie sich der Motive des Kalevala-Epos bedient. Dieser stammt aus Ostfinnland, ist rund 200 Jahre alt. Geschichten der Menschen in der Region, aus der auch ihr Vater kommt, sind hierin gesammelt. Als Beispiel nennt sie das Werk „Himbeerfeld“, das sie mit der Region verbinde. Dennoch sollen ihre Bilder universell gesehen werden. Die Szenen können in Finnland, aber auch an jedem anderen Ort spielen. Wagner lebt seit 14 Jahren in Deutschland, nachdem sie mit ihrem heutigen Mann über acht Jahre erst eine Fernbeziehung geführt hat.

Weitere Informationen gibt es im Internet.

Eine zweite Heimat sei Finnland auch für ihn, erzählt Jan Costin Wagner. Mehrmals im Jahr reist die Familie nach Skandinavien. Seine Romane spielen dort. Zur Vernissage liest er aus seinem neuen Buch „Tage des letzten Schnees“, das kürzlich erschienen ist und den fünften Teil einer Serie bildet. Es geht vordergründig um Kimmo Joentaa, der Kriminalfälle in Turku löst. Aber vor allem legt der Autor Wert auf die Zeichnung persönlicher Geschichten und Lebensschicksale. Vor allem vom Helden selbst, der zu Beginn der Reihe seine große Liebe verliert und die Trauer bewältigen muss. Diesen „grundlegenden Fragen“ könne er sich am besten über die Sprache seiner Bücher nähern. Wichtig sei immer die Zeichnung der Romanfiguren, die Innensicht der Charaktere. Jeden anderen beschäftige das auch. Diese Erkenntnis prägt den Schriftsteller.

Impressionen der Dürer-Ausstellung im Städel

Impressionen von der Dürer-Ausstellung im Städel

Alle fünf Bücher stehen in einer Reihe, wenn man Kimmos Entwicklung miterleben möchte, so der Autor. Die Romane können aber auch als einzelne Geschichten gelesen werden. Ob seine Werke als „schwere Kost“ beim Lesen ein Päckchen Taschentücher nebenbei erfordern, lässt er schmunzelnd offen. Das komme auf den einzelnen Leser an. In ein paar Jahren will er die Figur forterzählen.

Offenbachs t-raum (Wilhelmstraße 13) bezeichnet sich als „echtes Zimmertheater“, das vielleicht „kleinste Theater Deutschlands“. Bis zu 38 Personen können pro Veranstaltung Theater hautnah erleben. Wagners Ausstellung läuft bis in den Spätsommer. Die Bilder können während der Aufführungen oder nach telefonischer Anmeldung angeschaut werden.

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