Fachkräftemangel

Firmen pochen auf mehr Zuwanderung

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Offenbach - Hessen wird als Einwanderungsland immer beliebter. Wirtschaftsvertreter fordern jetzt, diese Chance in einer alternden Gesellschaft und mit Blick auf den Fachkräftemangel besser zu nutzen. Von Peter Schulte-Holtey 

Die Meldung sorgt auch für Zündstoff in Rhein-Main: Deutschland ist inzwischen zum weltweit beliebtesten Einwanderungsland nach den USA aufgerückt. Arbeits- und Migrationsforscher Herbert Brücker rechnet damit, dass die Zahl noch einmal leicht steigt. Dafür nennt er im Gespräch mit der Deutschen-Presseagentur drei Gründe: das wirtschaftliche Gefälle innerhalb der Eurozone, die steigende Zuwanderung von Flüchtlingen aus verschiedenen Krisenregionen der Welt und das Ende der Job-Schranken für Rumänen und Bulgaren in Deutschland seit Jahresbeginn. „Die Arbeitnehmerfreizügigkeit hat einen sehr, sehr erfreulichen Effekt“, betont Brücker. Zahlen belegten: „Rumänen und Bulgaren, die schon in Deutschland gelebt haben, kommen in Beschäftigung, und die Neuzuwanderer werden nahezu vollständig in den Arbeitsmarkt integriert.“

Markus Weinbrenner von der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Offenbach bestätigt: „Inzwischen hat jeder zweite Existenzgründer aus Stadt und Kreis Offenbach einen Migrationshintergrund.“ Die bevorzugten Branchen: Abbrucharbeiten, Trockenbau, Bauhelfer und Hausmeisterdienste. „Um den wachsenden Fachkräftebedarf der Unternehmen zu decken, ist das zu wenig“, so Weinbrenner.

Stadt Langen sei positives Beispiel

Nach seinen Angaben fehlen in der Region Offenbach 2014 durchschnittlich 8300 Fachkräfte. Die Betriebe müssten verstärkt selbst in den benötigten Berufen ausbilden, fordert er. Ohne Zuwanderung werde es auch nicht klappen, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Alle Kommunen müssten ihre Anstrengungen intensivieren, um als Standort attraktiv zu sein. Ein positives Beispiel ist Weinbrenner zufolge die Stadt Langen, die jetzt von der IHK als erste Kommune in der Region den Titel ,Ausgezeichneter Wohnort für Fach- und Führungskräfte’ verliehen bekommen hat.

Werner Scherer, Geschäftsführer bei der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU), gibt zu bedenken, dass viele Zuwanderer aus Mittel-, Ost- und Südeuropa kommen - aus Ländern, „die vor denselben demografischen Herausforderungen wie wir stehen“; je nach Entwicklung der dortigen Arbeitsmärkte sei schon ab 2016 wieder mit einem Rückgang der Zuwanderungszahlen zu rechnen. Scherer: „Deshalb müssen wir weiterhin alle Anstrengungen unternehmen, verstärkt aus dem außereuropäischen Ausland qualifizierte Fachkräfte für ein Leben und Arbeiten in Deutschland zu gewinnen.“ Die Mindestverdienstanforderungen für Hochqualifizierte und weitere Hürden müssten ersatzlos gestrichen werden.

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