„Wir verlieren viel Grün“

Erschreckende Zahlen: Hunderte Bäume müssen gefällt werden

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Sattes Grün im sogenannten Baumsaal, im gesperrten Schlosspark ein vertrockneter Spitzahorn.

Baumsterben aufgrund dauerhafter Trockenheit in Offenbach. Die Zahlen sind erschreckend.

Offenbach – Die dramatische Situation lässt sich an Zahlen festmachen: In den vergangenen Jahren sind im Rumpenheimer Schlosspark durchschnittlich 25 Bäume, meist wegen altersbedingter Faulstellen, gefällt worden. Allein in diesem Frühjahr vollzog die Kettensäge 82 Mal einen finalen Schnitt. Jetzt folgen 228 weitere Bäume – bei einem Bestand von rund 1500. Für die Fachleute aus Umwelt- und Stadtplanungsamt steht fest: Der bisherige Baumbestand kommt mit den veränderten klimatischen Bedingungen nicht klar – nicht in Rumpenheim, nicht in Offenbach, nicht im Rest der Republik.

Gestern, 13 Uhr, Pressekonferenz in Rumpenheim. Die Stadt und der Stadtservice informieren über anstehende Baumfällungen. Nicht, dass es allein den Schlosspark träfe. Aber gerade an dieser „sensiblen Stelle“, so Bürgermeister Peter Freier, wolle man besonders ausführlich auf kommendes Ungemach hinweisen. Verständlich, da der denkmalgeschützte englische Landschaftsgarten und seine Pflege seit Jahrzehnten heftige Streitpunkte sind. Gleichwohl hätten die Verantwortlichen jeden anderen begrünten Ort in der Stadt wählen können.

Offenbach: Baumsterben nicht auf Schlosspark beschränkt

Denn das Baumsterben aufgrund dauerhafter Trockenheit ist nicht allein auf den ehemals landgräflichen Besitz beschränkt. Die nüchternen Zahlen: Auf den städtischen Friedhöfen werden 150 tote Bäume gefällt (Bestand: 2 640), im Dreieichpark sind 11 Bäume abgestorben (Bestand: 560), im Büsingpark sind bereits fünf Bäume gefallen (Bestand: 90), an Straßen und Parkplätzen stehen weitere 50 tote Bäume, die gefällt werden müssen, ungefähr die gleiche Anzahl ist bereits weg (Bestand: etwa 10.800). In den meisten Fällen ist das Grün schlicht und ergreifend vertrocknet, das Grundwasser ist zu tief für die Wurzeln.

An verschiedenen Stellen im Stadtgebiet (eine flächendeckende, systematische Erfassung gibt es noch nicht) ergeben die Messstellen ein erschreckendes Bild – seit 2017 ist der Grundwasserpegel im Schnitt um 1,20 Meter gesunken. Während Experten bundesweit weiter nach einem passenden Terminus suchen – von Klimawandel bis Klimaanpassung –, wählt Umweltamtsleiterin Heike Hollerbach klare Worte für die Stadt Offenbach: „Wir verlieren viel Grün.“

Offenbach: Baumsterben kein lokales Phänomen

Mit etwa 40 Kollegen in anderen Kommunen steht die Amtsleiterin in regem Kontakt, setzt auf deren Erfahrungen. Die Frage, die alle gegenwärtig umtreibt: Welche Bäume können den klimatischen Veränderungen besser widerstehen? „Wir können nicht 30 Jahre warten, bis der eigene Baum angegangen ist.“ Auch das wird bei dem Termin in Rumpenheim deutlich: Den Fachleuten ist klar, dass es kein lokales Phänomen ist, sondern zumindest ein nationales. Und: Es gibt bislang kein Patentrezept.

Daher tut sich Johannes Irgel, zuständiger Abteilungsleiter des Stadtservice, an diesem Mittag schwer, eine Alternative etwa für den Spitzahorn zu benennen, der sich im Schlosspark ausgebreitet hat und dem nun die Rußrindenkrankheit den Garaus macht. „Wir müssen das austesten – Gattung, Art, Sorte.“ Und es gibt noch weitere Parameter, die selbst in einer Stadt recht unterschiedlich sein können: Bodenbeschaffenheit, Temperatur, Niederschlagsmenge...

Offenbach: Wassermangel kann nicht ausgeglichen werden

Ein weiteres Problem, das es zu lösen gilt: Mit der bisherigen Vorgehensweise ist der Wassermangel nicht auszugleichen. „Da braucht es ein neues Konzept“, so Irgel, der gerade die Neuanpflanzungen im Blick hat, die anfangs – das wisse jeder Gartenbesitzer – regelmäßig und viel Wasser benötigten. Auch das könnte im Schlosspark ebenso Berücksichtigung finden wie eine angestrebte neue Artenvielfalt bei den Nachpflanzungen. 

Wenn der Hauptweg 2020 saniert wird (so die bisherigen Planungen), empfiehlt es sich, eine Wasserleitung mit zu verlegen. So könnte der Stadtservice auf den bislang obligatorischen Tankwagen verzichten, um die Bäume mit ausreichend Nass zu versorgen. Und die Finanzierung? „Das werden wir in den Haushaltsberatungen berücksichtigen“, sagt Peter Freier in seiner Funktion als Kämmerer.

VON MARTIN KUHN

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