Klinikstandort

Geplante Sana-Erweiterung: Fragen und Antworten

Das alte Bettenhaus kann laut Planung frühestens in fünf Jahren abgerissen werden. Foto: Sommer
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Das alte Bettenhaus kann laut Planung frühestens in fünf Jahren abgerissen werden

Zwischen 80 und 100 Millionen Euro will der Sana-Konzern in den Ausbau des Klinikstandorts Offenbach investieren. In einer Bürgerversammlung stellten sich die Planer den Fragen der Anwohner.

Offenbach – Vor fast auf den Tag genau einem Jahr haben Stadt und Sana-Klinikum die Pläne für die Erweiterung des Krankenhauses vorgestellt, seit Ende Januar gilt ein Aufstellungsbeschluss für einen Bauplan. Diesen haben die Stadt, Klinik-Leitung und die verantwortlichen Planungsbüros am Mittwochabend im Zuge der frühzeitigen Bürgerbeteiligung vorgestellt.

Mit knapp 20 Besuchern hält sich das Interesse der Bürger jedoch in arg überschaubaren Grenzen – die anwesenden Anwohner hatten dafür umso mehr Fragen zu den Plänen.

Wie berichtet, soll anstelle des alten, weitgehend leer stehenden Bettenhauses eine „Grüne Mitte“ entstehen und der 2010 eröffnete Neubau zwei Anbauten erhalten, die bis zur Beethovenstraße reichen. Außerdem soll im Norden am Starkenburgring ein üppiger Grünzug entstehen, der die Lücke im Anlagenring schließt. Dafür werden, das wird im Lauf der Veranstaltung bekannt, auch ein Teil der Parkplätze am Starkenburgring wegfallen. Durch eine neue Kreuzung in Höhe des EVO-Anlage am Starkenburgring soll der Rettungs- und Anlieferverkehr abgewickelt werden, der Besucherverkehr soll über die Sprendlinger Landstraße erfolgen. Eine neue Nord-Süd-Achse durch das Gelände wird Fußgängern und Radfahrern vorbehalten sein.

Offenbach: Aussicht auf weitere Bauarbeiten

Den Anwohnern der Lortzingstraße bereitet vor allem die Aussicht auf die weiteren Bauarbeiten Sorge: Schon jetzt, erklärt ein Anwohner, „wackelt alles im Haus, wenn ein LKW vorbeifährt“. Ob die Stadt wenigstens vor Beginn der Arbeiten für den Psychiatrie-Neubau die Straße ertüchtige, kann Juliane Frieling von der Stadtplanung nicht beantworten. Der Vorschlag werde aber notiert, verspricht sie.

Auch die Geschosshöhen der neuen Gebäude sorgen für Nachfragen. Diese seien so festgelegt, dass sie von außen nach innen zum Hauptgebäude hin ansteigen würden, sagt Stefan Läufer vom Freiburger Büro FSP Stadtplanung. Im Süden zur Beethovenstraße sei eine mögliche Wohnbebauung zweigeschossig plus Dachgeschoss möglich, der Psychiatrie-Neubau sei zwar viergeschossig möglich, jedoch sollen nur drei Geschosse realisiert werden. Klinik-Geschäftsführer Sascha John betonte, dass es in den kommenden Jahren vorrangig um die Erweiterung des Hauptgebäudes gehe, die übrigen vorgestellten Gebäude seien Optionen zu Erweiterungszwecken.

Offenbach: Fragen zum geplanten Sana-Ausbau

Ausweichend antworten John und Grünflächenplaner Thomas Hahn vom Büro Faktor Grün auf die Frage nach der „Grünen Mitte“: Man solle sich keinen Kurpark darunter vorstellen, auch für einen Park zu Erholungszwecken der Patienten sei die Aufenthaltszeit im Klinikum zu gering. Auch sei noch nicht entschieden, ob wirklich so viele Bäume neu gepflanzt würden, wie in den Plänen verzeichnet. Manche könnten auch durch Ausgleichszahlungen kompensiert werden, heißt es. Auf erneute Nachfrage sagt Hahn, dass laut Plan rund 150 neue Bäume vorgesehen seien.

Weshalb die Psychiatrie gegenüber der Beethovenschule gebaut werde, will eine Besucherin wissen. John betont, dass es sich nicht um eine forensische Einrichtung handle und es eher so sei, dass schon jetzt die Patienten vor so manchen Eltern geschützt werden müssten. „Die laufen, um abzukürzen, durch unsere Rettungswege, das ist sehr viel problematischer“, sagt er.

Mit viel Wohlwollen wird von den Anwohnern aufgenommen, dass nach Beendigung der Erweiterung es keinen Autoverkehr mehr im Süden des Geländes geben soll. Allein im Osten sei für Dialyse-Patienten eine kleine Anfahrt eingeplant, sagen die Planer.

Offenbach: Unverständnis für Zeitplan

Unverständnis schlägt den Planern dagegen beim Zeitplan für den Abriss des alten Bettenhauses entgegen. Läufer und John betonen, dass dieses „frühestens in fünf Jahren“ abgerissen werden könne. Da sich im Untergeschoss des Hauses das Lager und die Apotheke befinden, könne der Abriss erst nach dem Bau neuer Räume angegangen werden. „Das Gebäude ist uns auch ein Dorn im Auge“, sagt John, ein Abriss der oberen Stockwerke im laufenden Betrieb sei nicht wirtschaftlich. „Wir planen seit sechs Jahren und anders ist es nicht machbar“, betont er.

Die frühzeitige Bürgerbeteiligung ist noch bis 20. Dezember angesetzt. Stadtrat Paul-Gerhard Weiß (FDP) hofft, dass das Stadtparlament gegen Ende 2020 über den Bebauungsplan entscheiden wird.

VON FRANK SOMMER

Die Stadt Offenbach hat neue Entwürfe zum Umbau des Marktplatzes vorgestellt. Das Projekt wird teurer, obwohl die Bieberer Straße aus den Plänen herausfällt.

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