Sozialwohnungen im Senefelder-Quartier

„Ein Quantensprung für die Zusammenarbeit“

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Offenbach - Offenbach und Frankfurt arbeiten zusammen: Heute setzten die beiden Oberbürgermeister der Städte den Spatenstich für das Senefelder-Quartier.

Rund um das Senefelder-Quartier besteht ein temporäres Halteverbot – auch auf den Seitenstreifen und den Gehwegen. Großer Bahnhof für Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann, der zum gemeinsamen Spatenstechen in den Offenbacher Süden kommt? Mitnichten. Es sind letzte Bohrungen zur Erkundung von Altlasten am ehemaligen Industriestandort. Gleichzeitig wird auf dem Areal, von dem einst Offenbacher Druckmaschinen in die ganze Welt gingen, zwar kein Kriegsbeil vergraben, aber eine vor wenigen Jahren nicht möglich gehaltene „interkommunale Zusammenarbeit“ zementiert; auch wenn es gestern zunächst eine symbolische Schippe Sand ist.

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Äußere Umstände zwingen geradezu zum ungewohnten mainischen Schulterschluss: Immer mehr Menschen drängen in die Rhein-Main-Region, wo (bezahlbarer) Wohnraum längst Mangelware ist. Beim Bau der 172 Wohnungen im Passivhaus-Standard stets ein Thema: 50 Sozialwohnungen, die von Frankfurt, Offenbach sowie dem Land öffentlich gefördert und von beiden Kommunen zu belegen sind. Dass der Nachbar 32 Wohnungen an der Chrtistian-Pleß-Straße finanziert und Offenbach nur 18, begründet Horst Schneider ganz schnell: „Frankfurt hat einfach mehr Kohle.“ Er erkennt im Senefelder-Areal ein „durchdachtes Projekt, das die Stadt nach vorn bringt“.

Als Bereicherung fürs weitere Quartier erachtet der Verwaltungschef den etwa einen Hektar großen Stadtpark. In der „letzten Phase der Genehmigung“ sei, was unter den geschützten Sheddächern entsteht – unter anderem ein Vollsortimenter mit maximal 2000 Quadratmetern Verkaufsfläche. Und die Parzelle, auf dem das MAN-Verwaltungsgebäude stand, habe einen Eigentümer. „Somit ist der Weg frei für Kita und weitere Wohnungen“, freut sich Schneider, ehe er mit Feldmann zum Spaten greift. Der SPD-Politiker lobte die zunehmende Zusammenarbeit der Kommunen, die sich bei diesem „nicht alltäglichen Projekt“ erfolgreich fortsetze. Auch mit dem Umbau des Kaiserlei, dem Projekt Hafenviertel und der Kooperation der Stadtbüchereien werde deutlich, dass Frankfurt und Offenbach gemeinsam Vorhaben angingen. „Wir werden nie aufhören, übereinander Witze zu machen“, sagt Feldmann und erntet eifriges Nicken von Schneider für den Zusatz: „Wir werden aber auch nicht aufhören, miteinander zu arbeiten.“ Aber wie ist das mit der Belegung der Frankfurter Sozialwohnungen im Offenbacher Süden? „Die 32 Frankfurter werden hier kein Ghetto auslösen“, verspricht Feldmann.

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Schneider hofft, dass die „unglückliche Debatte“ endlich ein Ende hat, und betont, dass öffentlich geförderte Wohnungen es etwa einer Krankenschwester oder einer Verkäuferin mit Familie ermögliche, in der prosperierenden Metropolregion bezahlbaren Wohnraum zu finden. „Diese Menschen sind existentiell auf solche Wohnungen angewiesen.“ Der Mietpreis werde bei ungefähr 5,20 Euro/m² liegen. „Konsequent verfolgen wir auch in Offenbach unser Leitmotiv, Wohnen für alle zu schaffen“, betont Frank Junker, Geschäftsführer der ABG Frankfurt Holding: „Wir kümmern uns um die richtige Mischung und wollen eine ausgewogene Sozialstruktur schaffen.“ In diesem Zusammenhang hebt Junker nochmals hervor, dass die Frankfurter Wohnungen nicht mit Empfängern von Leistungen des Sozialgesetzbuchs II belegt werden sollen.

Feldmann nutzt das Medieninteresse für einen Appell an die Landesregierung: „Schuldenbremse hin oder her; was hier passiert, wird in der Geldanlage als ,Beton-Gold’ bezeichnet.“ Mit solchen Bauvorhaben vermehre jede Kommune ihr Tafelsilber, findet Feldmann und fragt: „Eine der besten Anlagen, die eine Kommune machen kann. Warum sollen wir das allein privaten Investoren überlassen?

mk

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