Frau berichtet

Frau will Versicherungsbetrug anzeigen - Polizei blockt dreimal ab

Auffahrunfälle werden – wenn sich der Schaden in Grenzen hält – oft ohne Polizei geregelt. Wenn der Unfallgegner im Nachhinein tricksen will, gar der Verdacht des Versicherungsbetrugs besteht, kann es kompliziert werden.
+
Auffahrunfälle werden – wenn sich der Schaden in Grenzen hält – oft ohne Polizei geregelt. Wenn der Unfallgegner im Nachhinein tricksen will, gar der Verdacht des Versicherungsbetrugs besteht, kann es kompliziert werden.

Eine Frau in Offenbach will einen Versicherungsbetrug bei der Polizei anzeigen  und scheitert gleich bei drei Revieren. Der Ärger ist groß.

  • Frau in Offenbach hat nach einem Unfall einen schlimmen Verdacht
  • Ist sie Opfer eines Versicherungsbetrugs?
  • Versuche einer Anzeige blocken drei Polizeireviere ab

Offenbach – Zu den nicht unwichtigen Aufgaben der Polizei gehört es, Strafanzeigen aufzunehmen.  In der Diskussion um die künftige Präsenz der Ordnungshüter in der Innenstadt hat ein Polizeisprecher die Anzeigenaufnahme als eine der Tätigkeiten in einer gemeinsamen Stadtwache ausdrücklich erwähnt.

Soweit die Theorie. Die Praxis sieht mitunter anders aus, wie Gabriele P. erfahren musste. Obwohl die Polizei verpflichtet ist, Anzeigen aufzunehmen, ist die junge Frau aus Offenbach mit ihrem Anliegen gescheitert, einen möglichen Versicherungsbetrug zu melden. Und das bei gleich drei Revieren.

Offenbach: Gabriele P. fährt auf ihren Vordermann auf - doch das war erst der Anfang

Die Vorgeschichte: Gabriele P. ist am Mittag des 3. Januar auf der Waldstraße Richtung Innenstadt unterwegs. Einen Moment ist sie an der Kreuzung Odenwaldring unaufmerksam und fährt auf ihren Vordermann auf. Es entsteht Blechschaden, die nötigen Daten werden ausgetauscht, der Geschädigte macht Fotos, und man einigt sich darauf, nicht die Polizei zu rufen. Das Verfahren nimmt seinen Lauf, P. teilt ihrer Versicherung den Sachverhalt mit, räumt ein, dass sie am Unfall schuld war.

Rund zwei Wochen später erhält Gabriele P. erneut Post von der Versicherung. Inhalt: die Frage, ob sie auch den Schaden an der Front des gegnerischen Fahrzeugs verursacht habe, dazu zwei Fotos des Unfallgegners, die den vorne beschädigten Wagen bei Dunkelheit zeigen, im Hintergrund ist eine Straßenbahn zu sehen.

Foto beweist: Offenbach kann nicht der Unfallort gewesen sein

Weil das nicht der Unfallort in Offenbach sein kann, zudem die Tagesszeit nicht passt, kann P. die Frage der Versicherung schnell verneinen. Mittlerweile ist geklärt, dass sie nur für den Heckschaden gerade stehen muss.

Doch Gabriele P. lässt der Fall nicht ruhen, zumal es stark nach versuchtem Versicherungsbetrug aussieht. Am 23. Januar entschließt sie sich, Anzeige zu erstatten. Erste Anlaufstelle ist für sie gegen 16 Uhr die Polizeistation in Heusenstamm. Dort wird ihr geraten, die Anzeige in Offenbach aufzugeben, weil dort ja auch der Unfall passiert sei. „Das war nachvollziehbar, weshalb ich dem Rat auch gleich gefolgt bin“, sagt sie.

Gegen 17 Uhr spricht sie beim 2. Revier in der Berliner Straße in Offenbach vor. Nach der Schilderung ihres Falles bekommt sie zu hören: Das mit der Anzeige sei doch nicht nötig, sie könne es gut sein lassen und nach Hause gehen. Verärgert ruft Gabriele P. einen Bekannten an, berichtet ihm davon, wie es ihr auf der Wache ergangen ist. Der ehemalige Strafrichter weist sie darauf hin, die Polizei müsse ihre Anzeige aufnehmen, sie solle nicht locker lassen.

Offenbach: Auch der dritte Versuch einer Anzeige scheitert

P. unternimmt einen dritten Versuch. Diesmal beim 1. Revier am Mathildenplatz in Offenbach. Dort kommt sie gegen 18 Uhr nicht mal rein. Als sie über die Gegensprechanlage ihr Anliegen vorbringt, kommt eine Beamtin an die Tür, reagiert ähnlich wie die Kollegen auf dem 2. Revier. „Ich war erschüttert“, resümiert Gabriele P. „Eigentlich soll die Polizei doch helfen. Mir hat keiner geholfen.“

Die mit den Schilderungen von Gabriele P. konfrontierte Polizei-Pressestelle kann das Verhalten der Beamten weder bestätigen noch dementieren. „Wir konnten das letztlich nicht mehr klären, die Schilderungen der Befragten waren unterschiedlich“, heißt es. Grundsätzlich sei man natürlich verpflichtet, Anzeigen aufzunehmen. Zugleich wird darauf hingewiesen, bei solchen Unfällen sei drei Monate Zeit, sie noch bei der Polizei zu melden.

Weil die Sache für Gabriele P. so unbefriedigend gelaufen ist, machen ihr die Ordnungshüter ein Angebot: Sie könne sich ja nochmals bei der Polizei melden, eine Streife werde zu ihr kommen und die Anzeige aufnehmen.

VON MATTHIAS DAHMER

Ein Mann (19) aus Egelsbach soll eine Familie aus Offenbach erpresst haben. Der Erpresser stellte sich bei der Tat wenig geschickt an, wie die Polizei in Offenbach zu berichten weiß.

Mit stattlichen sechs Jahren Verspätung bekommt Offenbach sein neues Polizeipräsidium am Spessartring

Eine Betrügerin ergaunerte von Rentnern 1,5 Millionen Euro. Nun musste sie sich vor dem Landgericht Darmstadt verantworten.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare