Verteilung von Geldern

Sport-Opfer für Schulhof?

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Offenbach - Aufregung im Offenbacher Süden um einen öffentlich gemachten Entwurf: Müssen die Rosenhöhe-Fußballer für die Beethoven-Anlieger zurückstecken? „Nein“, betonen die SPD und Grünen unisono.  Von Martin Kuhn 

Nationaltrainer Joachim Löw sagte nach der Rückkehr aus Brasilien: „Dieser Titel wird uns noch einmal einen Schub geben.“ Das hoffen auch die Fußballer der SG Rosenhöhe. Im Sportzentrum heißt es: „Die  WM hat sicher nicht unserem Anliegen geschadet.“ Um die Ausbildung junger Talente zu intensivieren sowie ein gutes Stück Sozial- und Integrationsarbeit weiterhin zu leisten, wünscht sich die SGR lieber heute als morgen einen Kunstrasenplatz.

Da sorgt kurz vor der Sommerpause der Stadtverordneten (letzte Sitzung: Donnerstag, 24. Juli) ein Koalitionspapier von Sozialdemokraten, Grünen und Freien Wählern für einige Aufregung im Offenbacher Süden. Der Antragsentwurf, der der Redaktion vorliegt, lässt sich so zusammenfassen: 100.000 Euro werden für  „Kampfmittelbeseitigung und Herrichtung“ an der Beethovenschule bereitgestellt, parallel zu reduzieren sind kommunale Kosten für die „Sportanlage Rosenhöhe, Kunstrasenplatz“. Auch mit dem Zusatz, die bauliche Umsetzung beider Vorhaben zeitgleich zu starten, bleibt der Eindruck, dass damit die Interessen zweier Gruppen gegeneinander aufgerechnet werden.

Projekt Kunstrasen im Investitionsprogramm

„Nein, nein, nein“, wehrt Grünen-Fraktionsvorsitzende Susanne Schmitt ab. „Das Papier diente lediglich als Diskussionsgrundlage,  in dieser Form kommt es nicht ins Parlament.“ Und es bedeutet nicht das Aus der Kunstrasen-Träume auf der Rosenhöhe? „Im Gegenteil“, betont Schmitt, „das Projekt steht im Investitionsprogramm.“ Nach Gesprächen mit SGR-Fußballern sehen die Grünen „die Notwendigkeit, dort etwas zu bewegen“.

Zuversichtlich äußert sich auch im Rathaus der große Koalitionspartner. „Es sieht gut aus“, heißt es aus Reihen der Genossen. Etwas deutlicher wird SPD-Fraktionschef Andreas Schneider. Als „absurd“ bezeichnet er die Einschätzung, dass vorgesehene Gelder aus dem Kunstrasen-Projekt in die Herrichtung einer weiteren Fläche des Beethovenareals fließen. „Beides steht und bleibt im Investitionsprogramm.“

Mittel für Beethovengebiet wurden „vergessen“

Dass ein solcher Entwurf überhaupt notwendig wurde, liegt wohl an einem redaktionellen Fehler. Offenbar wurden die Mittel für das Beethovengebiet „vergessen“ – in welcher Form auch immer. Bevor jetzt die Sektkorken sowohl im Musikerviertel als auch auf der Rosenhöhe knallen: Das Regierungspräsidium Darmstadt wird als Wächter der klammen Stadtkasse wohl jedes einzelne Projekt auf die Waagschale legen. Ob Andreas Schneider beim RP da gehört wird? „Die Frage ist doch: Wie hält man den Wagen überhaupt in Fahrt?“

Dabei wären die Rosenhöhe-Fußballer liebend gern auf der Überholspur. Abteilungsvorstand Patrick Ihlefeld bereits schon Anfang  2013: „Wir wollen keinen Luxus, wir benötigen mehr Kapazität.“ In Zahlen: Bei der Sportgemeinschaft, mit gut 1200 Mitgliedern einer der größten Vereine, sind etwa 600 Fußballer aktiv – davon allein 400 Jugendliche, der überwiegende Teil aus Offenbach, in mehr als ein Dutzend Jugendteams.

Liebäugeln mit Kunstrasen

Einigkeit besteht in einem Punkt: Hände weg von der Tenne. Es wäre kein Gewinn, diesen umzubauen; im Winter stünde weiterhin nur ein Platz für Training und Spiel bereit. Sie liebäugeln mit einem Kunstrasen auf dem Rasenhauptfeld mit Laufbahn. Der Deutsche Fußball-Bund stützt das 2006 in „Empfehlungen für Kunststoffrasenplätze“. Die Studie listet potentiell mögliche Nutzungsstunden pro Jahr auf. Naturrasen: 400 bis 800 Stunden, Tennenflächen: 1000 bis 1500 Stunden, Kunststoffrasen: 2000 bis 2500 Stunden. Und das gelte für alle Bauweisen und Systeme.

Kickers-Kunstrasenplatz am Sportzentrum Wiener Ring

Arbeiten am Kunstrasen abgeschlossen

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