Farbenfrohe Veränderung

Garten als Experimentierfeld für Taglilien

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Ursula Merbach ist eine Gartenliebhaberin, die sich mit dem „Virus Taglilie“ angesteckt hat und nicht mehr davon loskommt. Dabei setzt sie jedes Jahre auch auf eigene Kreuzungen. Sie verschenkt, was sie nicht unterbringen kann oder was farblich nicht in ihren Garten passt.

Offenbach - Ein Mammutbaum und eine Blutpflaume weisen den Weg. Aber etwas versteckt liegt er schon, der Gartentraum von Ursula und Klaus Merbach. Dabei hat die Hausherrin den sprichwörtlichen grünen Daumen. Den legt sie im Buchraingebiet vor allem an ihre Taglilien an. Von Martin Kuhn

Die ersten erfreuen sie bereits. Bei den Wetterprognosen folgen schnell die nächsten. „Es ist es soweit“, teilt Ursula Merbach kurz in der Redaktion mit, „die Taglilien öffnen ihre Blüten...“ Da schwingt freudige Erwartung mit. Die wird verständlich, wenn man sich ein wenig mit Taglilien (botanisch: Hemerocallis) beschäftigt. Es sind Stauden, deren Blüten nur einen Tag blühen. Hört sich nach kurzer Freude an, ist es allerdings nicht – glücklicherweise: „Da diese Spezies viel Blütenstängel und Knospen besitzt, erstreckt sich die Blüte doch über mehrere Wochen.“ Wer einmal in Merbachs Gartenidylle treten darf, erkennt schnell, dass hier jemand mit Hingabe vorgeht. Viele kennen Taglilien nur in ihrer Urform, also orangeblühend. Hingegen ist bei Ursula Merbach farbenpracht angesagt – kräftiges Lilagrün, dezentes Roségelb, schwaches Zitronengelb, knalliges Feuerrot. „Ich kreuze und pflanze dann die schönsten der Taglilien-Sämlinge aus, die natürlich farblich in den Garten passen müssen“, sagt sie.

Die Blütengröße wird erheblich durch gute Wasserversorgung während der Blütezeit gesteigert

Das ganze erfolgt auf (hoher) semiprofessioneller Basis. Ursula Merbach ist Mitglied der Gesellschaft der Staudenfreunde (GdS) und der Fachgruppe Hemerocallis (Taglilien). Dabei handelt es sich um einen eingetragener Verein mit gut 4500 Mitgliedern, der überwiegende Teil aus Deutschland. Die haben ein reiches Betätigungsfeld, wie beispielsweise die (aktuell geschlossene Rubrik) Samentausch verrät. „Die hohe Zahl der etwa 7500 registrierten Taglilien-Sorten bietet ein großes Spektrum zur Auswahl für den professionellen und privaten Gartengestalter. Auch besonders ausgefallene Züchtungen finden unter den Mitgliedern ihre Liebhaber“, heißt es da. Obwohl sich Ursula Merbach in der Hochblüte an ungefähr hundert unterschiedlichen Sorten erfreuen kann, macht es lediglich einen kleinen Teil der Artenvielfalt aus. Überaus reizvoll ist indes die eigene Zucht. „Man kreuzt bestimmte Pflanzen, in der Hoffnung, dass die Sämlinge die besten Eigenschaften der Eltern aufweisen“, gibt Merbach einen kleinen Einblick. Im folgenden Jahr wartet sie dann neugierig, ob ihre Sämlinge (Kreuzungen) blühen und wie sie aussehen. „Das weiß man nicht im voraus.“ Zudem ist viel Geduld notwendig: „man muss mindestens zwei Jahre warten, bis sie die ersten Blüten zeigen.“

Leserin zeigt ihre Taglilien: Bilder

Das Ergebnis wird sicher dokumentiert? „Ja“, lacht Ursula Merbach, „mit dem Fotoapparat“. Da kann es schon mal passieren, dass sie im satten Sommerregen hinaus eilt, um den entscheidenden Moment nicht zu verpassen. Mehr wird nicht festgehalten: „Meine Kreuzungen habe ich noch nicht registrieren lassen, werde es wahrscheinlich auch nie tun. Ich will sie ja nicht verkaufen.“ Mithin unterscheidet sich ihr Pachtgarten von den üblichen Parzellen, in denen meist Tulpen und Dahlien gedeihen. Und es ist erst recht kein Hausgarten mit gepflegtem Rasen oder sauber geschnittenen Hecken. Der Rasen ist im Grunde eine Klee- und Gänseblümchenwiese. Sämtliche Wege und Beetkanten haben Merbachs aus Bruchsteinen, alten Backsteinen und Wegplatten selbst gestaltet. Die Hütte ist uralt und wurde von einem Großvater der Familie in den 1920er Jahren gebaut. Ursula Merbach bearbeitet und formt den Garten, der vorher mit zwei Reihen Obstbäumen bestückt war und als Gemüsegarten diente, seit nunmehr 47 Jahren. In dieser langen Zeit allmählich verändert vom reinen Gemüse- zum Staudengarten.

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Es ist ein nahezu geschlossener Kreis. Denn Taglilienblüten kann man essen. „Was aber eigentlich viel zu schade ist“, findet Merbach. Weitere Infos: www.gds-staudenfreunde.de

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