Ungeprüfte Alternative

Offenbach (mad) - Die bei Ostwind geplante Bündelung abfliegender Flugzeuge über Offenbach veranlasst selbst einen eher zurückhaltenden Charakter wie Offenbachs Flughafendezernenten Paul-Gerhard Weiß zu deutlichen Worten. 

„Eine Umverteilung von Flugverkehr von Frankfurt nach Offenbach wird die Stadt Offenbach nicht hinnehmen“, sagt Weiß als Reaktion auf die in den vergangenen Tagen bekannt gewordenen Überlegungen des Flughafenbetreibers Fraport.

Diese Pläne sehen vor, bei Startverkehr Richtung Osten künftig weniger über die Route „Nord-Kurz“ (07 kurz) – diese biegt unmittelbar nach dem Start nach Norden über Frankfurt ab – und stattdessen über die Route „Nord-Lang“ (07 lang) zu fliegen – diese beeinträchtigt stark Neu-Isenburg, Oberrad und das Offenbacher West- sowie Nordend.

Noch keine Prüfung

Solche Änderungen, so Paul-Gerhard Weiß, dürften, und dies sei Konsens in der Region, nicht hinter verschlossenen Türen durchgesetzt werden. Das sei nicht akzeptabel. „In der Fluglärmkommission und allen anderen Gremien bestand und besteht Einigkeit darüber, eine Veränderung von Flugrouten oder eine andere Verkehrsaufteilung auf bestehenden Routen nur zuzulassen, wenn sie zu einer wirksamen Lärmentlastung führen“, erinnert der Flughafendezernent, der auch stellvertretender Vorsitzender der Fluglärmkommission ist.

Eine solche Prüfung, für die das Expertengremium Aktiver Schallschutz beim Forum Flughafen Rhein-Main (FFR) zuständig ist, habe bisher nicht stattgefunden. Es lägen weder Ergebnisse noch Empfehlungen vor. Diese müssten zunächst dem Plenum des FFR vorgestellt werden, in dem auch die Stadt Offenbach vertreten sei.

Entlastungswirkung werde nicht bejaht

Nach Informationen von Weiß wird die Maßnahme von den Experten kritisch gesehen. Eine Entlastungswirkung werde nicht bejaht. „Auf jeden Fall müssen die Ergebnisse anschließend zur Beratung der Fluglärmkommission vorgelegt werden, die dann Beschlüsse fasst.“

Das sieht auch Thomas Jühe so. Der Chef der Fluglärmkommission betont, jede vorgeschlagene Maßnahme werde „sorgfältigst“ von den Gremien auf ihren Lärmminderungseffekt hin geprüft. Aber selbst wenn ein solcher festgestellt werde, gebe es keinen Automatismus. So müsse etwa die Zahl der möglichen Entlasteten auf der einen Seite der Anzahl der schutzwürdigen Einrichtungen auf der anderen Seite gegenübergestellt werden.

„Eine politische Beruhigungspille für die Frankfurter“

Jühe, der zugleich Bürgemeister von Raunheim ist, zeigt sich irritiert darüber, dass die Verlagerung, eine von mehreren Vorschlägen im Ende Februar vorgelegten Maßnahmenkatalog der Landesregierung, die bislang nicht geprüft worden sei, nun zur Diskussion stehe. Seine Vermutung: „Eine politische Beruhigungspille für die Frankfurter.“

In ähnliche Richtung argumentiert Paul-Gerhard Weiß: „Zum Zeitpunkt der Vorstellung des Papiers war diese Alternative eher politisch motiviert“, verweist er auf den damals laufenden OB-Wahlkampf in Frankfurt.

Grünen fordern einen unabhängigen Schlichter

Ursprünglich, sagt Weiß, habe es bei der Ausbauplanung die Absicht gegeben, die Route Nord-Kurz abzuschaffen und den Verkehr komplett auf die Route Nord-Lang zu verlagern. „Das hat Offenbach verhindert, weil es mit seinen Argumenten überzeugen konnte. Jetzt sollen Fakten durch die Hintertür geschaffen werden. Dagegen werden wir uns wehren.“

Unterdessen fordert die Landtagsfraktion der Grünen im Streit um den Fluglärm, einen unabhängigen Schlichter zu installieren. Die Landesregierung, die jeden Vertrauensvorschuss verspielt habe, sei in der Pflicht, verloren gegangenes Vertrauen in die Politik zurückzugewinnen. Die Fluglärm-Schlichtung soll sich unter anderem mit der unabhängigen Prüfung aller Vorschläge zur Reduzierung des Fluglärms beschäftigen, besonders mit einer Ausdehnung des Nachtflugverbots.

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Rubriklistenbild: © Liane Groß / pixelio.de

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