Gerissene Stadthof-Platten sind keine Baumängel

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Offenbach - Die gute Nachricht: Nach gut zweijähriger Sanierung ist der Stadthof weitgehend freigegeben. Die schlechte: Die gerissenen Platten stellen keinen Baumangel dar, sind so zu erwarten gewesen, weitere können folgen.

Das könnte den einen oder anderen, wie bereits geschehen, zu der Einschätzung gelangen lassen, dass auf dem Stadthof gepfuscht wurde. Dem ist offenbar nicht so. Die Experten begründen das detailliert. Es handele sich bei den Rissen „um eine optische Beeinträchtigung, nicht um einen funktionalen Mangel“. Das betrifft 25 von gut 4600 Betonplatten. „Die Risse waren aufgrund des gewählten Aufbaus zu erwarten“, sagt Sigrid Pietzsch. Angesichts der „schwierigen Ausgangsbedingungen“ hatte das Bauamt einen Sachverständigen in die Planung eingeschaltet.

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Der bestätigte, dass Risse in Folge eines gebundenen Aufbaus eher die Regel als die Ausnahme sind. „Dieses Phänomen findet sich in vielen Städten. Sie entstehen unabhängig vom Format oder der Dicke der Platten und sind letztlich dem starren Aufbau geschuldet.“ Weitere Risse seien nicht auszuschließen. Es war angeblich der einzig gangbare Weg: „Die Anforderungen des Tiefgaragenbaus zwangen zu technischen Besonderheiten“, sagt Pietzsch. Seinerzeit habe man einen ungebundenen Aufbau gewählt; diesen könne man jedoch nicht mehr fachgerecht herstellen, ohne die Tiefgaragendecke zu schädigen, deren Schutz oberste Priorität hatte.

Daher ein gebundener Aufbau. Anders als bei einer ungebundenen Bauweise sind die Platten fest mit dem Aufbau verklebt, unkontrollierte Rissbildungen dadurch nicht ganz zu vermeiden. „Der übliche ungebundene Aufbau war aufgrund der stellenweise gerade mal 40 Zentimeter starken Aufbauhöhe – einschließlich der 14 Zentimeter dicken Platten – über der Tiefgaragendecke und der zulässigen Maximallast von zwölf Tonnen unmöglich“, betont Pietzsch. Also wurde Aufbau mit Dränbeton und Verdrängungskörpern zur Gewichtsreduzierung gewählt.

Bierfest auf dem alten Stadthof

Bierfest auf dem Stadthof

Alternativen kamen nicht in Frage: Schotter für einen ungebundenen Aufbau etwa hätte beim maschinellen Verdichten Vibrationen zur Folge gehabt, deren Erschütterungen Risse in der Tiefgaragendecke zur Folge hätten haben können. Auch die Verwendung einer „glasschaumgebundenen Tragschicht“ schied aus technischen Gründen aus: Das Material wäre bei nur 20 Zentimetern Aufbaustärke nicht verdichtungsfähig, die zum Einbau erforderliche Walze für die Tragfähigkeit der Garagendecke zu schwer gewesen.

Die Stadt will nun nach dem Winter die Situation neu prüfen und dann punktuell die optischen Mängel beseitigen – gegebenenfalls durch Austausch einzelner Platten und Anbringen zusätzlicher Bewegungsfugen an diesen Stellen.

mk

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