Positiver Corona-Test

Offenbach: Gesamte Schulklasse muss nach Schulstart in Quarantäne

Am Frankfurter Flughafen können sich Rückkehrer aus Risiko- wie Nichtrisikogebieten testen lassen.
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Am Frankfurter Flughafen können sich Rückkehrer aus Risiko- wie Nichtrisikogebieten testen lassen.

Nachdem ein Schüler positiv aus dem Urlaub gekommen war, muss eine Schulklasse in Offenbach in Quarantäne. Dabei war der Schüler nicht mal in einem Risikogebiet.

  • Ein Schüler der August-Bebel-Schule Offenbach wurde nach Schulbeginn positiv auf das Corona-Virus getestet.
  • Sein Kurs sowie die Lehrkräfte befinden sich in Quarantäne.
  • Die Stadt Offenbach weist erneut auf die Testpflicht nach Reiserückkehr hin.

Offenbach - Wer von der Party-Reise aus der Türkei zurückkehrt, muss sich testen lassen. Schließlich zählt die Türkei zum Corona-Risikogebiet. Doch wer seine Ferien in EU-Ländern, etwa in Österreich oder Portugal, verbrachte, der fiel bisher nicht unter die Testpflicht. Aber auch wer sich freiwillig testen lässt, kann dennoch zum unfreiwilligen Covid-19-Überträger werden – wenn eben das Testergebnis auf sich warten lässt.

Ein solcher Fall ist nun am Mittwoch bekannt geworden: Ein Schüler der August-Bebel-Schule hat sich nach seiner Rückkehr am Sonntag freiwillig untersuchen lassen. Doch da dem Stadtgesundheitsamt erst am Dienstagnachmittag das positive Ergebnis übermittelt wurde, besuchte der Schüler bereits zwei Tage die Schule.

Offenbach: Schüler und Lehrkräfte eines Kurses kommen in Quarantäne

„Noch am Dienstagnachmittag hat das Stadtgesundheitsamt alle Schüler sowie Lehrkräfte desselben Kurses, insgesamt 22 Personen, unter Quarantäne gestellt“, sagt Gesundheitsdezernentin Sabine Groß. Während Schüler, die aus einem Risikogebiet kamen und zu Schulbeginn keinen negativen Corona-Test vorlegen konnten, vom Unterricht ausgeschlossen waren, durfte der genannte Schüler am Unterricht teilnehmen. „Da er aus einem Nichtrisikogebiet kam, war er nicht von der Schulpflicht befreit“, sagt Groß, „das ist die Crux an der Sache“. Dennoch ist sie froh, dass der junge Mann sich habe testen lassen: „Er wäre sonst durch alle Raster gerutscht und die Infektion erst sehr viel später bekannt geworden.“

Schüler aus Offenbach: Positiv getestet aus Portugal zurück

Da die August-Bebel-Schule eine berufliche Schule des Kreises ist, sind durch die Quarantäne auch hauptsächlich Jugendliche aus dem Kreisgebiet betroffen. Lediglich zwei der in Quarantäne befindlichen Schüler stammen aus Offenbach. Nach wie vor ist die Corona-Lage in Offenbach angespannt: Der Wert der Neuinfektionen innerhalb von sieben Tagen pro 100 000 Einwohner ist erneut gestiegen und lag am Mittwoch bei 32,6 Fällen – ab 35 gilt die dritte Warnstufe des Pandemie-Konzeptes des Landes.

Da die Infektionsgefahr in Schulen hoch ist, wollte die Stadt gerade zu Schulbeginn durch verschiedene Maßnahmen dafür sorgen, dass möglichst keine mit Covid-19 infizierten Schüler am Unterricht teilnehmen: Vergangene Woche mussten die Klassenlehrer die Eltern ihrer Schüler am Telefon über die Testpflicht nach einem Aufenthalt im Risikogebiet aufklären, zu Schuljahresbeginn am Montagmorgen wurden mehrsprachige Infobriefe für Eltern verteilt.

August-Bebel-Schule Offenbach: Maskenpflicht am ersten Schultag

Um die Ansteckungsgefahr weiter zu minimieren, hatte die Stadt außerdem eine Maskenpflicht während des Unterrichts angeordnet – allerdings nur für den ersten Schultag. Nach Angaben des Staatlichen Schulamts sind „etliche Schüler“ am Montag vor Unterrichtsbeginn heimgeschickt worden, da sie nach einem Aufenthalt in einem Risikogebiet kein negatives Testergebnis vorlegen konnten.

Die Stadt erinnert daran, dass alle Reiserückkehrer sich kostenlos auf Covid-19 testen lassen können. Die meisten positiv getesteten Reiserückkehrer haben sich zuvor im Kosovo, in der Türkei, Kroatien, Bulgarien, Bosnien und Herzegowina, Spanien und Serbien aufgehalten. Das drittplatzierte Kroatien ist jedoch nicht als Risikogebiet eingestuft – für Oberbürgermeister Felix Schwenke und Gesundheitsdezernentin Sabine Groß ein Beleg dafür, wie wichtig es ist, dass sich auch Rückkehrer aus vermeintlich sicheren Ländern freiwillig testen lassen sollten. „Wer jetzt sagt, er habe keine Angst vor dem Virus oder er sei nicht erkrankt, verhält sich extrem egoistisch und gefährdet im Extremfall das Leben anderer“, betont Schwenke.

Kostenlose Corona-Tests nach Auslandsreisen

Zu einem Corona-Test, einer Meldung beim Stadtgesundheitsamt und einer 14-tägigen Quarantäne sind alle verpflichtet, die aus einem vom Robert-Koch-Institut (RKI) bezeichneten Risikogebiet zurückkehren. Der Test muss innerhalb von 72 Stunden nach Einreise erfolgen, andernfalls droht eine Geldstrafe von bis zu 25 000 Euro.

Die Untersuchung ist kostenlos und kann bei der Einreise am Frankfurter Flughafen, am Frankfurter Hauptbahnhof sowie in den beiden Testzentren der Kassenärztlichen Vereinigung in Frankfurt (Uniklinikum und Bürgerhospital) vorgenommen werden. Unter www.offenbach.de/reiseinfo gibt es eine Liste mit Arztpraxen, die ebenfalls den geforderten Covid-19-Test anbieten. Im Falle eines negativen Testergebnisses wird die Quarantäne beendet.

Seit 1. August steht der kostenfreie Test für alle Reiserückkehrer zur Verfügung: Es können sich auch Rückkehrer aus Ländern, die nicht als Corona-Risikogebiet eingestuft sind, freiwillig testen lassen.

Beim Stadtgesundheitsamt ist die Anzahl derer, die sich nach dem Urlaub melden, unverändert hoch: so meldeten sich am Sonntag rund 300 Personen. Das RKI veröffentlicht jeden Dienstag in seinem täglichen Corona-Lagebericht eine Rangliste der Länder, aus denen besonders viele Urlauber positiv zurückkehren (www.rki.de). Dort kann man sich informieren, wie groß das Risiko ist, sich am Urlaubsziel infiziert zu haben.

Weitere Informationen zur Meldepflicht und Testangeboten gibt es unter t1p.de/bn35.

Von Frank Sommer

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