Einsam inmitten der Familie

Offenbach - Geschwister von behinderten Kindern werden oft zu wenig beachtet. HfG-Studenten entwarfen Plakate zu diesem Thema. Von Jakob Sänger

Offenbach J Hat eine Familie ein behindertes Kind, kommen dessen Bruder oder Schwester oft zu kurz. Die Stiftung Familien-Bande will auf die Schicksale dieser „vergessenen“ Kinder aufmerksam machen und rief einen Plakatwettbewerb ins Leben. Studenten der Hochschule für Gestaltung (HfG) entwarfen 34 eindrucksvolle Motive.

Mitten auf einer weißen, großen Fläche sitzt teilnahmslos ein junges Mädchen. Neben ihr hockt ein kleiner Teddy. Beide schauen, den Rücken zum Betrachter gewandt, in die Ferne. Weiter unten steht in schwarzer Schrift: Ich bin auch noch da!

Dieses Motiv schmückt eines von 34 Plakaten, die Studenten der Hochschule für Gestaltung (HfG) für einen Wettbewerb der Stiftung Familien-Bande entworfen haben. Es soll Aufmerksamkeit schaffen für Kinder, die sonst keine bekommen.

Mit den Plakaten thematisieren die jungen Künstler die Situation von Kindern, die chronisch kranke oder behinderte Geschwister haben. Denn die gesunden Kinder werden von den Eltern oft vernachlässigt, da der Bruder oder die Schwester durch die Beeinträchtigung im Vordergrund steht.

Entschlossener Junge mit Nudeltopf auf dem Kopf

So zeigt das Gewinner-Plakat der 23-jährigen Julia Pol einen wild entschlossenen Jungen mit einem Nudeltopf auf dem Kopf und einem Papierschwert in der Hand. Denn er muss selbstständiger und erwachsener sein als andere Kinder in seinem Alter. 2500 Euro bekommt die Studentin für den Entwurf. Sie kommt wie alle anderen aus dem Fachbereich Visuelle Kommunikation, der unter Leitung von Professor Klaus Hesse steht.

Der Organisator, die Stiftung Familien-Bande, unterstützt die vernachlässigten Kinder und macht auf ihre Probleme aufmerksam. Bundesweit gibt es etwa 200 Angebote wie Freizeiten zur Begleitung dieser Jugendlichen. 100 Einrichtung der Familien-Bande gibt es mittlerweile, an die sich Betroffene wenden können. Laut der Stiftung sind in Deutschland etwa zwei Millionen Kinder und Jugendliche mit einer solchen Situation innerhalb der Familie konfrontiert.

Auch das Plakat der Zweitplatzierten zeigt, welche Gefühle durch die wenige Beachtung beim Geschwisterkind auftreten können. „Das vernachlässigte Kind empfindet sich nicht nur als außenstehend, es hat regelrecht das Gefühl, als sei der Rest der Familie zu einem großen, nicht zu bezwingendem Monster geworden“, erklärt Isabel Blumenthal ihren Entwurf, für den sie 1500 Euro erhielt.

Rundgang durch die HfG

Rundgang durch die Hochschule für Gestaltung

Zum Nachdenken regen auch die Plakate der drittplatzierten HfG-Studenten Tatjana Prenzel und Martin Dörr an. Bei Letzterem ist das Motiv eine fiktive Aufgabenliste der Mutter zweier Kinder – dem behinderten Max und dem gesunden Tim. Auf der Liste überwiegen die täglichen Aufgaben rund um die Pflege von Max, welche die Eltern so vereinnahmen, dass sie vergessen, Tim von der Schule zu holen. Das Geschwisterkind wird zur übersehbaren Nebensache im Alltag. Erst um 23 Uhr wird die Frage gestellt: „Wo ist Tim?“

Die Kunstwerke sind bereits auf mehreren Kongressen ausgestellt worden und sollen bald in Arztpraxen oder sozialen Einrichtungen auf das Thema aufmerksam machen.

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