5000 Offenbacher auf Betreuung angewiesen

Beratend Lücken schließen

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Serpil Rinke, Olaf Peter und Thomas Ruff (von links) wollen mit ihrem Betreuungsverein bei Problemen und Fragen helfen.

Offenbach - 5.000 Menschen sind in Offenbach auf eine gesetzliche Betreuung angewiesen. Die AWO hat einen Verein gegründet, um Betroffenen und Angehörigen fachkundig beizustehen. Von Sarah Neder und Eva-Maria Lill

In Offenbach fehlt etwas. Dieser Auffassung war der Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt, Thomas Ruff. Er vermisste eine Anlaufstelle, die Betroffene und Angehörige bei der gesetzlichen Betreuung unterstützt. „Als Großstadt brauchen wir einen Betreuungsverein“, sagt Ruff. Denn: „Der Bedarf ist definitiv vorhanden.“ Das Angebot der AWO im Stadtcafé am Büsingpark richtet sich hauptsächlich an ehrenamtliche Betreuer. Also an Familienmitglieder oder Freunde, die als rechtlicher Vertreter des Betroffenen agieren. Ansprechpartner sind in Zukunft der Sozialpädagoge Olaf Peter und die Beraterin Serpil Rinke.

Etwa 5 000 Menschen nehmen momentan in Offenbach eine gesetzliche Betreuung in Anspruch, Tendenz steigend. Grund für wachsende Zahlen ist vor allem der vielbeschworene demografische Wandel. Aber nicht nur Ältere sind betroffen. Jeder, der sein eigenes Recht nicht vertreten kann, braucht einen Betreuer. Gründe können psychische Erkrankungen, aber auch Drogenabhängigkeit oder andere Beeinträchtigungen sein. Das entsprechende Gesetz ist seit Anfang 1992 in Kraft und beerbt die deutlich rigidere Form der Vormundschaft. „Früher konnte die Machtstellung über das Mündel leicht ausgenutzt werden. Heute bestimmt der Betreute weiterhin über das eigene Leben“, erläutert Olaf Peter. Mit der Gesetzesänderung einher gehen komplizierte Amtswege, bei denen der Verein Hilfe bietet. Auch für nicht-deutsche Bürger.

„Viele Migranten haben Scheu“

Serpil Rinke ist gebürtige Türkin, spricht Deutsch und ihre Muttersprache fließend. „Das ist besonders wichtig für Offenbach“, weiß Kollege Peter. Und auch Rinke bestätigt: „Viele Migranten haben Scheu. Das liegt zum einen an der Sprache und zum anderen daran, dass sie sich nicht mit den Gesetzen auskennen.“ Sie wolle in Zukunft helfen, Sprachbarrieren, aber auch kulturelle Hemmnisse abzubauen. Rinke ist selbst Kind türkischer Gastarbeiter und hat viel Bürokratisches für ihre Eltern regeln müssen. Nun möchte sie mit ihrer Arbeit beim Betreuungsverein anderen Betroffenen ihre Selbstständigkeit zurückgeben.

Doch auch die angehörigen Betreuer sollen nach Möglichkeit Entlastung bekommen. Die 43-jährige Rinke sagt: „Viele Angehörige stemmen die Betreuung allein. Oft vergessen sie aber dabei ihr eigenes Leben.“ Um das zu vermeiden, empfiehlt Olaf Peter das Betreuungs-Tandem: „Ein Berufsbetreuer unterstützt den Angehörigen, bis dieser in der Lage ist, alle Angelegenheiten selbst zu klären.“ Der Verein stellt selbst berufliche Betreuer ein, deren Gehälter das Amtsgericht und damit die Staatskasse zahlt. Außerdem bekommt er 20.000 Euro städtischen Zuschuss pro Jahr. Mit diesen Mitteln kann die Beratungsstelle etwa Kosten für Schulungen der ehrenamtlichen Betreuer decken.

Ab dem 30. Oktober lernen Interessenten in neun Modulen rechtliche Grundlagen und Besonderheiten von Krankheiten wie Demenz und Depression. Teilnehmern ist es möglich, ein anerkanntes Zertifikat zu erwerben. Zusätzlich soll es zweimal in der Woche Sprechzeiten geben, jeden ersten Dienstag im Monat ist ein offener Stammtisch im Stadtcafé geplant.

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