Gesundheitsamt unter Dauerbelastung

Steigende Corona-Zahlen: Offenbach benötigt dringende Unterstützung bei Tests

Ohne sie geht’s derzeit nicht: Hausärzte nehmen zusätzlich Abstriche vor.
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Ohne sie geht’s derzeit nicht: Hausärzte nehmen zusätzlich Abstriche vor.

Trotz steigender Corona-Fälle hat die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Offenbach bislang kein eigenes Testzentrum zugestanden. Um dennoch die nötigen Abstriche gewährleisten zu können, bekommt das städtische Gesundheitsamt Hilfe von niedergelassenen Ärzten.

Offenbach - Die Zahlen sind alarmierend: 30 neue Corona-Fälle gibt es seit gestern in Offenbach, bei nur 17 davon ist die Infektionsquelle bekannt. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt somit bei 86,7 Fällen auf 100 000 Einwohner. Um effizient verhindern zu können, dass das Virus sich weiter ausbreitet, sind schnelle und verlässliche Tests nötig. Doch das nächste Testzentrum befindet sich in Frankfurt - und ist mitunter überlastet (wir berichteten).

Steigende Corona-Zahlen: Kinderarzt berichtet

Kinderarzt Dr. Matthias Gründler berichtet beispielsweise: „Am Wochenende haben wir 56 Abstriche in einer Kita gemacht. Das Gesundheitsamt ist auf uns zugekommen, weil wir als niedergelassene Praxis die Möglichkeit haben, das zu machen und auch entsprechend abzurechnen.“ Wenn die Stadt akut unter Zugzwang komme, weil in einer Schulklasse ein Kind positiv getestet worden sei, dann sende sie ihm und einigen seiner Kollegen derzeit hin und wieder die betroffenen Menschen, damit die Mediziner die entsprechenden Abstriche nehmen können.

Aber wann ist so ein Test überhaupt nötig? Stadtsprecher Fabian El Cheikh erklärt die Grundlagen des Systems: „Getestet wird in dem Fall, wo ich Symptome habe, wo ich sichergehen will: Habe ich eine Erkältung oder habe ich Corona? Das macht dann der Hausarzt. Da läuft auch die Abrechnung über die KV. Jetzt gibt es aber Fälle, gerade in Gemeinschaftseinrichtungen wie Altenpflegeheimen, Schulen und Kitas, wo man sagt: Wir möchten Risiken ausschließen.“ Dort könne es also nach einer Abwägung der Risiken auch sein, dass man Menschen nach Kontakt mit einer infizierten Person auch so teste. „Weil es ja sein kann, dass diese Person tagelang unbemerkt infiziert unterwegs war und andere angesteckt haben könnte.“ In solchen Fällen vermittelt das Gesundheitsamt die betroffenen Personen an ein Testzentrum der KV. Die dortigen Tests würden finanziert über den Gesundheitsfonds, so El Cheikh, das laufe nicht über die Krankenkassen. „Der KV kommt daher die wichtige Rolle zu, inwieweit sie Testzentren bereitstellt oder nicht.“

Steigende Corona-Zahlen: Testzentren reichen nicht aus

Und genau hier liegt der Knackpunkt. Wenn die ganze Region hohe Fallzahlen habe und viele Gemeinschaftseinrichtungen betroffen seien, so El Cheikh, werde es schwierig, wenn die Kapazitäten der bereitgestellten Testzentren nicht ausreichen. „Dann vermittelt das Gesundheitsamt über örtliche Ärzte eine Testung.“ Beispielsweise bei Matthias Gründler. Dank der guten Kontakte von Amtsleiter Dr. Bernhard Bornhofen und seiner Stellvertreterin Dr. Christiane Faust zu vielen niedergelassenen Ärzten in Offenbach fänden sich unter diesen bislang immer wieder Mediziner, die bereit seien, die entsprechenden Abstriche zu nehmen und über ihre Testlabors auswerten zu lassen. „Das hat in besonderen Fällen bisher immer funktioniert, ist aber abhängig von der Bereitschaft der niedergelassenen Ärzte. Und es erzeugt einen zusätzlichen Aufwand beim Gesundheitsamt, das zu organisieren.“

Wie viele Offenbacher Ärzte das System auf diese Weise am Laufen halten, kann man im Rathaus derzeit nicht zuverlässig beziffern. Eines ist für die Verwaltung indes klar: Der Bedarf an einem eigenen Testzentrum für Stadt und Kreis Offenbach bleibt bestehen. El Cheikh: „Wir sehen den Bedarf dadurch, dass wir wahrscheinlich in eine Herbst-/Winter-Phase mit einem deutlich höheren Niveau von Fallzahlen hineinlaufen, dass es eine Verringerung der Kapazitäten dadurch gibt, dass das Bürgerhospital nicht mehr Testcenter ist und das Testcenter in der Uni-Klinik bei Fällen, die die ganze Region betreffen, wo also auch die Menschen aus dem ganzen Umland von Frankfurt hingeschickt werden, nicht mehr ausreicht.“

Die Stadt habe das Gespräch mit der KV aufgenommen, um zu überlegen, wie man gemeinsam eine bessere Lösung für Stadt und Kreis Offenbach einrichten könne. Ein eigenes Testzentrum wäre „eine Entlastung für Frankfurt und die ganze Region.“ Die Frage der Finanzierung und Durchführbarkeit eines solchen sei am Ende aber eine Entscheidung des Landes gemeinsam mit der KV. „Wir sind noch immer in Gesprächen, es ist noch nicht zu einem Ergebnis gekommen.“ Bis es eines gibt, müssen weiterhin auch niedergelassene Ärzte ran. (Von Marian Meidel)

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