Moderner Gewerbestandort

Chance für Offenbach: „Das wird noch besser als der Hafen“

36 Hektar Zukunft: Das Allessa-Gelände, das künftig unter „Innovationscampus“ firmiert, soll bis etwa 2030 entwickelt werden.
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36 Hektar Zukunft: Das Allessa-Gelände, das künftig unter „Innovationscampus“ firmiert, soll bis etwa 2030 entwickelt werden.

Mit der Schlüsselübergabe Anfang Juli hat das Unternehmen Clariant ein 36 Hektar großes Gelände an die Stadt Offenbach übereignet. Eine Chance für die Stadt.

  • Das ehemalige Allessa-Gelände in Offenbach wird künftig zum Gewerbegebiet entwickelt.
  • Nach dem Vorzeigeprojekt am Hafen soll nun auch das neue Gewerbegebiet zum Erfolg werden.
  • Am neuen Gewerbestandort in Offenbach sollen öffentliche Bereiche, Grünflächen und Restaurants entstehen.

Offenbach - Der symbolische Akt markierte das Ende von 178 Jahren Industriegeschichte in Offenbach und war zugleich so etwas wie der offizielle Startschuss für die bei den Stadtwerken angesiedelte Innovationscampus Offenbach GmbH & Co. KG (INNO). Sie wird das ehemalige Industrie-Areal im Offenbacher Osten, das als größte zusammenhängende innerstädtische Gewerbefläche in der Region gilt, in den nächsten 10 bis 15 Jahren entwickeln und vermarkten.

Moderner Gewerbestandort: Nach dem Hafen soll auch ein Gewerbegebiet in Offenbach entstehen.

„Das wird noch besser als der Hafen“, ist sich INNO-Chefin Daniela Matha mit dem ihr eigenen Optimismus sicher. Der Erwartungsdruck dürfte immens sein. Im Gegensatz zu der bereits gelungenen, von der Stadtwerke-Tochter OPG gesteuerten Umwandlung des ehemaligen Industriehafens in einen neuen Stadtteil, die zu Beginn auch skeptisch beäugt wurde, steht die Politik diesmal geschlossen hinter dem Projekt, das als einmalige Chance für Offenbach angesehen wird.

„Wir können auf das Know-how aufbauen, das wir im Hafen erworben haben“, sagt Bozica Niermann, die mit Matha und Stadtwerke-Geschäftsführer Peter Walther die neue Gesellschaft lenkt. Allerdings gehe es nun um ein reines Gewerbegebiet, die Aufgaben seien nicht so breit gefächert wie im Hafen.

Die Eckpfeiler dessen, was die INNO am Ende als Erfolg verbuchen soll, stehen schon: „Mehr Arbeitsplätze, mehr Gewerbesteuer, Platzierung als moderner Gewerbestandort“, zählt Daniela Matha auf. Bei der Frage, welche Unternehmen dazu nötig sind, gibt es erst vage Vorstellungen: Es gehe um Firmen, die etwa in Design und Forschung tätig seien, so Matha. Aber auch klassischer Maschinenbau, Mittelständler und Familienunternehmen seien denkbar. Matha verweist dabei auf ein seit drei Jahren laufendes Forschungsprojekt „Designpark Offenbach“, bei dem die Hochschule für Gestaltung und die Stadt die Möglichkeiten ausloten.

Nach Vorzeigeprojekt am Hafen: Offenbach plant ein Gewerbegebiet mit öffentlichen Bereichen und viel Grün.

Sicher ist schon jetzt: Das Filetstück wird kein Gewerbegebiet von der Stange. Es soll öffentliche Bereiche, viel Grün, Restaurants und eventuell Ausstellungskonzepte mit den Firmen geben. Als „Herausforderung“ bei der Planung bezeichnet Bozica Niermann die denkmalgeschützten Gebäude auf dem Gelände. Das Pelletwerk der EVO sei als große bereits genutzte Fläche Fluch und Segen zugleich. „Da müssen wir drumherum planen.“

Änderungen soll es bei der Verkehrsinfrastruktur geben: Im Bereich Mühlheimer Straße/Untere Grenzstraße entsteht einer der Hauptzugänge, von dort wird sich das Areal bis zum Main hin öffnen. Zugleich soll die Mainstraße vor Bürgel gekappt und an den Mainzer Ring angebunden werden.

Bei der Überlegung, möglicherweise städtische Einrichtungen auf dem Gelände anzusiedeln, gibt ich Daniela Matha bewusst zurückhaltend. „Das steht auf der Liste der Dinge, die wir prüfen. Es ist aber fraglich, ob es sinnvoll ist, etwa den ESO dorthin zu verlagern. Besser wäre es, neue Firmen anzulocken.“

Für das Gewerbegebiet in Offenbach könnte eine millionenschwere Altlasten-Beseitigungen anfallen.

Mit der Vermarktung des Geländes soll erst in drei bis vier Jahren gestartet werden. Bis dahin läuft die Sanierung von Boden und Grundwasser, deren Kosten in die Kaufsumme von 6,95 Millionen Euro (rund 20 Euro für den Quadratmeter) eingepreist war. „Wir haben einen guten Überblick darüber, wo genau die Altlasten liegen“, versichert Daniela Matha. Beim Budget für die Sanierung hält sie sich bedeckt. Angesichts eines Kaufpreises, der weit entfernt ist von den ursprünglichen Clariant-Vorstellungen und auch von marktüblichen Dimensionen für Gewerbegebiete in der Region, darf man von einer millionenschweren Altlasten-Beseitigung ausgehen.

Die kulturelle Zwischennutzung im Westen des Areals (Friedhofstraße) werde zunächst beibehalten. Matha: „Später muss man sehen, ob es noch passt.“ Die INNO-Chefin lobt den Mut der Stadt, das „Heft des Handelns“ ergriffen zu haben. „Viele Kommunen engagieren bei einer solchen Größenordnung externe Entwickler.“ (Von Matthias Dahmer)

Weitere Informationen finden Sie hier.

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