Selbstwert-Pop-Propheten

Good Charlotte geben sich in der Stadthalle starr und sinnsuchend

+
Hat nicht so viel Lust auf Bewegung: Joel Madden, Sänger der Pop-Punk-Band Good Charlotte, verbrachte in Offenbach einen Abend ohne Schweiß. Foto: A2Bildagentur

Offenbach – Mit einem Arm um die Schultern, den anderen in die Höhe gestreckt, grölen die beiden Männer das 2003 erschienene „Girls And Boys“ von Good Charlotte. Von Yvonne Fitzenberger

Als der Refrain erklingt, springen sie herum. Dabei bewegen sie sich mehr als Frontmann Joel Madden. Der verbringt einen recht hüftsteifen Abend in der Stadthalle Offenbach, der nach 90 Minuten auch schon wieder vorbei ist.

1996 im US-amerikanischen Waldorf gegründet, musizieren die Brüder Joel (Gesang) und Benjamin Madden (Gitarre) sowie Paul Thomas (Bass) mit William Martin (seit 1998, Gitarre) und Dean Butterworth (seit 2005, Schlagzeug) als Pop-Punk-Formation Good Charlotte. Ihre aktuelle Tour, die nach ihrem siebten Studioalbum „Generation Rx“ (2018) benannt ist, führte sie nach Offenbach. Gleich drei Vorgruppen sollten das Einheizen übernehmen: The Dose, Boston Manor und Sleeping with Sirens.

Und dann Good Charlotte. Die Band hat sich seit der Gründung ziemlich verändert. Vom Punk-Klang des ersten Albums ist kaum etwas übrig. Der Frust des Außenseiterdaseins aus der Jugend ist weg gesungen, zurück bleiben Themen wie psychische Gesundheit und Selbstwert. Das betonen die Brüder in ihren Ansprachen wieder und wieder. Ihre Songs seien von Erlebnissen beeinflusst. Bei „Generation Rx“ habe eben der Tod eines befreundeten Musikers eine große Rolle gespielt. Joel meint den Rapper Lil Peep. Dieser starb 2017 kurz vor einer Tour an einem Drogen- und Medikamentencocktail. Entsprechend düster sei das Album geraten. Good Charlotte sprechen ihrem Publikum vermutlich aus der Seele, wenn sie sagen: „Es geht um den inneren Kampf, die Emotionen, durch die wir alle durch müssen.“ Ohne Musik und Fans, merkt Joel an, hätten Good Charlotte diesen Kampf wohl nicht gewonnen.

Der Wechsel zwischen den Themen Selbstwert („Generation Rx“), Ablehnen der Gesellschaft („Good Charlotte“, 2002) und verschmähter Liebe („The Chronicles Of Life And Death“, 2004) bestimmt das Konzert. Vor allem die Lieder der ersten Platte lösen dabei lautes Mitsingen aus. Während die Eröffnungs-Titel „Generation Rx“ und „Self Help“ den Fans kaum Grölen entlocken, sorgt „The Anthem“ schließlich für großen Jubel.

Die meisten Fans scheinen genau das erwartet zu haben: alte Lieder. „Wer kennt das neue Album?“, fragt Joel in die gut gefüllte Halle. Nur ein kleiner Teil hebt die Hand. Mit dem Chart-Hit „Lifestyles Of The Rich And Famous“ beenden die fünf Musiker dann das Konzert – ohne Zugabe.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare