Verstöße werden teuer

Polizei muss sich bei Maskenpflicht-Kontrollen absurde Ausreden anhören: „Ich bin aus Berlin“

Stadtpolizist schreibt eine Verwarnung
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50 Euro muss zahlen, wer bei der Kontrolle ohne oder mit falsch angelegtem Schutz erwischt wird.

Seit die 7-Tage-Inzidenz der Corona-Infektionen in Offenbach sprunghaft in die Höhe schoss, gelten neue Maßnahmen - und es wird durchgegriffen. Die Stadtpolizei kontrolliert Verstöße gegen das Maskengebot.

  • Offenbach hat mit vielen Corona-Neuinfektionen zu kämpfen
  • Die Stadt hat strengere Regeln eingeführt, um das Virus einzudämmen
  • Die Stadtpolizei kontrolliert jetzt das Tragen von Masken*

Offenbach - Die Zeit der Ermahnungen ist vorbei, Verstöße werden direkt mit einem Bußgeld von 50 Euro geahndet. Am ersten Tag der verstärkten Kontrollen hat die Offenbach-Post die Stadtpolizei bereits durch die S-Bahnstation und Geschäfte begleitet - am Samstag waren wir erneut mit ihr unterwegs, dieses Mal rund um den Wilhelmsplatz.

Die Resonanz auf das harte Durchgreifen gegen nicht ordnungsgemäß angelegte Schutzmasken sei sehr positiv, so Lothar Haack, Abteilungsleiter im Ordnungsamt: „Es liegt viel im Argen, was die Moral diesbezüglich angeht.“ Mit zwei Kollegen der Verkehrsüberwachung, jeweils vier Kollegen der Stadt- und Landespolizei sowie zwei Ehrenamtlichen des freiwilligen Polizeidienstes streift er am Vormittag über den Wochenmarkt.

Corona in Offenbach: Wer die Maske falsch trägt, wird angehalten

Gleich am Eingang werden die ersten Passanten angehalten, die ihre Maske am Kinn tragen oder unter die Nase klemmen - obwohl auf die Tragepflicht auf dem Markt auf zahlreichen Hinweisschildern aufmerksam gemacht wird. Die 50 Euro Bußgeld werden direkt vor Ort einkassiert, das sei „der beste psychologische Effekt“, erklärt Haack. Wer kein Bargeld dabei hat, erhält den Bußgeldbescheid per Post.

„Verstehe ich nicht“, brummt ein älterer Mann im Vorbeigehen, seine Frau pflichtet ihm bei: „Ist doch im Freien!“ Probleme mit der „Tragemoral“ sieht Haack in erster Linie „bei den Jungen und Älteren“, die Menschen mittleren Alters zeigten sich am ehesten gewissenhaft und einsichtig.

Corona in Offenbach: Bußgelder drohen beim Verstoß gegen die Maskenpflicht

Einsichtig sind eine ganze Reihe von Passanten ohne oder mit falsch angelegter Maske, die aber trotz ihres Verständnisses nicht um das Bußgeld herumkommen. Andere Erwischte sind weniger verständig: Ein Herr, der seine Maske im Moment des Ansprechens über die Nase zieht, droht mit seinem Anwalt: „Das ist die größte Frechheit aller Zeiten!“ Das beeindruckt die Polizeibeamten wenig, schließlich sei die Pflicht zum Maskentragen seit fünf Monaten bekannt.

Um Ausreden sind die Ertappten nicht verlegen: „Ich wusste es nicht“ ist eine der häufigsten Aussagen - absurd nach der langen Kampagne, findet Haack. Weitere Kostproben sind: „Sie hat mich nicht verstanden, da habe ich die Maske runtergezogen“, „Wenn ich rede, dann rutscht die runter“ oder auch „Ich bin super und trage immer die Maske“. Die skurrilste Ausrede der letzten Tage, so Haack, sei das wenig schlagkräftige Argument „Ich bin aus Berlin“ gewesen.

Dutzende Verstöße gegen die Maskenpflicht in Offenbach

Auch wenn es immer wieder zu Debatten kommt, ist die Riege der Stadtpolizei am Samstag positiv überrascht: Die Zahl der Verstöße ist geringer und auch Widerstand und Aggression halten sich in Grenzen, größere Zwischenfälle bleiben aus - ganz anders als beispielsweise am Donnerstag, als die Polizisten sich in der S-Bahnstation zahlreichen Angriffen ausgesetzt gesehen haben. Das habe einerseits mit dem anderen Klientel auf dem Wochenmarkt zu tun, erläutert Haack, andererseits haben die Streifen in den letzten beiden Tagen massive mediale Aufmerksamkeit erhalten. Aber dennoch gäbe es „immer noch viel zu viele Verstöße“.

Beim Einsatz auf dem Wochenmarkt werden 27 Verstöße in einer Stunde gezählt, drei darunter von Marktbeschickern. Bei der Kontrolle an der nahen Bushaltestelle gibt es zehn Verstöße in 15 Minuten. Bei der Gaststättenkontrolle gibt es laut Polizeidienststelle verhältnismäßig weniger, hier werden sechs Verwarnungen ausgesprochen. Auch außerhalb dieser groß angelegten Streife wird kontrolliert - am Nachmittag war beispielsweise die Bundespolizei am Mainvorgelände unterwegs.

So manch ein gewissenhafter Maskenträger begrüßt das harte Durchgreifen und spricht der Polizei Sympathiebekundung aus: „Danke, dass Sie sich kümmern.“ (Jan Schuba)

Die Lage in Offenbach ist weiter angespannt: Offenbach hat die höchste 7-Tage-Inzidenz an Neuinfektionen in Hessen. Wie der aktuelle Sachstand ist, erfahren Sie in unserem News-Ticker. *fnp.de und op-online.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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