Offenbach ist Gründerstadt Nummer 1

Offenbach ‐ Autobatterie rechts, Doppelventilator links, Starthilfekabel dazwischen - Energie! Klappt, klappert, macht jede Menge Wind. So ein Versuchsaufbau war bisher dem Physikunterricht in der fünften Klasse vorbehalten oder der Performance eines Aktionskünstlers, der der Welt etwas mitzuteilen versucht. Von Marcus Reinsch

Gestern allerdings fegte das Starthilfe-Lüftchen durch ein Gebäude in Offenbach, Hermann-Steinhäuser-Straße, östliche Innenstadt, Gründercampus Ostpol. Und auch in der bundesweit ziemlich einzigartigen Selbständigen-Schmiede wurde, - garniert mit der Verleihung des „Goldenen Starthilfekabels“ an einige Wegbereiter des Erfolgs durch Ostpol-Sprecher Lars Kissner - etwas zur Schau gestellt: Stolz auf einen Titel, den Offenbach schon im vierten Jahr hintereinander geholt hat - „Gründerstadt Nummer 1“.

Das renommierte Bonner Institut für Mittelstandsforschung (IfM) hat herausgefunden, dass unter je 10.000 erwerbsfähigen Offenbachern mehr Menschen den Schritt in die Selbständigkeit wagen als in jeder anderen kreisfreien Stadt und jedem Landkreis der Republik. 417,8 um genau zu sein, also 4,2 Prozent.

Studie stammt aus dem Jahr 2009

Da können Hamburg (190,7, Platz 74) und der Landkreis München (292,6, Platz 3), wo die erforschte „Gründungsneigung“ erwartungsgemäß üppig ist, nicht mithalten. Und sogar Frankfurt schafft es mit nicht mal 300 Gründern seit nun ebenfalls vier Jahren nicht über Platz 2 hinaus.

Das ging den Offenbachern gestern runter wie Öl, auch wenn es quasi rückwirkender Jubel war. Das Datenfundament für die NUI-Studie (Neue Unternehmerische Initiativen) stammt aus dem Jahr 2009. Wie viele von den damals gegründeten Unternehmen die zwei Haupt-Krisenjahre überlebt haben, das ist nicht erfasst. Alle Karteileichen zu identifizieren, das würde zu viel Arbeitskraft des kleinen Teams der Standortwerber in der städtischen Wirtschaftsförderung kosten, heißt es. Immerhin hat der Ostpol-Sprecher Lars Kissner die Botschaft zu vermelden, dass von den im Gründercampus mit Beratung, Räumen, Krediten an die Hand genommenen Selbständigen nach drei Jahren noch 80 Prozent am Markt seien, während von den Unberatenen jeder zweite scheitere.

Guter Nährboden für unternehmerische Kreativität

Dem NUI-Dokument ist trotzdem nur bedingt zu misstrauen. Dass die anderen Städte und Landkreise (Kreis Offenbach: 237 Gründe pro 10.000 Bewohner, Platz 9) unter den gleichen Vorzeichen arbeiten wie Offenbach, macht nebensächlich, dass es sich um eine quasi unsaubere Studie handelt und um einen, wie Professor Johann Eekhoff vom IfM selbst sagt, „Schnellschuss“. Denn im Gegensatz zu den um Nebenerwerbsbetriebe und Scheinselbständige bereinigten Statistiken habe für die Studie schlicht jeder ausgegebene Gewerbeschein als Existenzgründung gezählt.

Aber eben in allen verglichenen Kommunen. Wobei man in Offenbach momentan vermutlich mehr jener teils obdachlosen Bulgaren mit Gewerbeschein zählen könnte, die sich als von aller Sozialversicherungspflicht befreite „Selbständige“ attraktiv für ausbeuterische Bauunternehmer machen.

So oder so: Oberbürgermeister Horst Schneider - nun neben Gesandten von Industrie- und Handelskammer, Arbeitsagentur, Mainarbeit und anderen im Gründernetzwerk verknüpften Institutionen Besitzer des „Goldenen Starthilfekabels“ - sieht Offenbach als guten Nährboden für unternehmerische Kreativität.

Rubriklistenbild: © Georg

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