Grüne wollen weniger Einschnitte bei ÖPNV

„Dörflicher Nahverkehr“

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Offenbach - Bei den geplanten Einsparungen im Busverkehr begibt sich die Fraktion der Grünen auf Konfrontationskurs zum rot-grün geführten Magistrat. Ihnen geht die vorgesehene Kostenreduzierung um 1,2 Millionen Euro zu weit.

Weshalb sie sich via Änderungsantrag, für den nach ihren Angaben auch die Partner SPD und Freie Wähler gewonnen werden konnten, für eine Abmilderung der Einschnitte einsetzen. Die Finanzierung des Offenbacher Nahverkehrs, insbesondere des Busangebots, das wissen auch die Grünen, steckt in einem gewaltigen Dilemma: Der Busverkehr lebt von der Quersubventionierung durch die Ausschüttungen der Energieversorgung Offenbach (EVO) an die städtischen Betriebe. Stark rückläufige Ausschüttungen einerseits und die erforderliche Ausweitung des Busangebots in die neuen Baugebiete wie An den Eichen, Hafen oder Kaiserlei andererseits lassen eine Finanzierungslücke entstehen. Mit dem Beschluss des Nahverkehrsplans 2013-2017 verknüpften die Stadtverordneten daher den Auftrag an den Magistrat, das Bussystem auf Optimierungen und Einsparungen zu überprüfen. Das Ergebnis der Prüfung steht am nächsten Mittwoch in der Stadtverordnetenversammlung zur Beschlussfassung an.

„Die Defizite des Nahverkehrs von rund acht Millionen Euro und rückläufige Ausschüttungen der EVO von zehn auf sechs Millionen sowie die Schutzschirmvereinbarungen zwingen uns zu Überlegungen, wie der Busverkehr zu optimieren ist“, erläutert Fraktionsvorsitzende Susanne Schmitt. Die Schmerzgrenze sei aber erreicht, wenn neue Firmen und Bürger feststellen müssten, dass sich Offenbach zu einer Großstadt mit dörflichem Nahverkehr entwickle. „Es geht uns zu weit, wenn an den Wochentagen von Montag bis Freitag die Umstellung vom 15-Minuten-Takt auf den 30-Minuten-Takt bereits ab 18.30 Uhr gelten soll. Das können wir uns erst ab 19.30 Uhr vorstellen, wenn mehr Geschäfte und Dienstleister im Zentrum schließen“, so Schmitt.

Nach Meinung der Grünen widerspricht eine frühe Kürzung der Busfrequenz der guten Erreichbarkeit der Innenstadt, erweiterten Ladenöffnungszeiten und den immer mehr bis in die Abendstunden verlängerten Dienstleistungsangeboten. Langfristig könne der Einzelhandel darunter leiden, und die Abhängigkeit vom Auto werde verstärkt.

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Regelmäßige Nutzer des ÖPNV wie Berufstätige und Studenten seien darauf angewiesen, dass sie auch in Randzeiten keine langen und unkomfortablen Wartezeiten hinnehmen müssten. Die Grünen verweisen zudem darauf, dass für viele Beschäftigte, die Monats- und Jobticketinhaber seien, eine Verminderung der Andienungsfrequenz einer erheblichen Leistungskürzung gleich käme, ohne dass dies finanziell ausgeglichen würde. Eine damit einhergehende oder zu erwartende Abwanderung vom ÖPNV zum Auto stehe weiterhin im Widerspruch zum städtischen Klimaschutzkonzept.

mad

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