Ein Ort, der verbindet

Hafen 2 bringt Flüchtlinge und Einheimische zusammen

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Gemeinsam basteln und spielen: Der Hafen 2 will Klein und Groß aus der Einrichtung Beschäftigung bieten.

Offenbach - Der Hafen 2 zieht als vielseitige Kulturstätte Besucher aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet an. Seit Herbst kommen auch viele Flüchtlinge aus dem benachbarten Erstaufnahmelager zu den Veranstaltungen. Von Julia Radgen

Der Trägerverein Suesswasser will das Angebot weiter aufstocken, stößt finanziell aber an seine Grenzen. „Wir wollen den Flüchtlingen am Kaiserlei eine Auszeit vom Campleben ermöglichen“, sagen die Betreiber Andrea Weiß und Alex Braun. Seit die Erstaufnahmeeinrichtung im Kaiserlei eingerichtet wurde, in unmittelbarer Nähe zum Kulturzentrum am Nordring, wollen sie den Bewohnern Freizeitbeschäftigung bieten – und sie mit Offenbachern in Kontakt bringen. „Die Flüchtlinge freuen sich sehr, andere Besucher zu treffen“, stellt Braun fest.

Seit Herbst gilt für die Bewohner der Unterkunft am Kaiserlei: Freier Eintritt zu allen regulären Veranstaltungen wie Hafenkino, Konzerten, Klubnächten und dem monatlichen Kindertheater. Kostenlosen Tee und Geselligkeit gibt’s obendrein. Zudem veranstaltet der Hafen 2 seit Dezember eine Kinoreihe und samstags einen offenen Treff. „Wir separieren bei unserer Kulturarbeit nicht in eine für Flüchtlinge und eine für sonstige Gäste“ , sagt Weiß. Offen für alle will der Hafen 2 sein. Und die ungezwungene Integration kommt gut an: Zwischen 70 und 200 Menschen kommen donnerstags ins Kulturzentrum, um ausgewählte Filme auf Arabisch, Farsi oder Kurdisch mit deutschen oder englischen Untertiteln anzusehen.

Das bisherige Fazit: Es könnten noch mehr deutsche Besucher kommen. Aber Weiß und Braun sind zufrieden. „Alles lief bisher unglaublich geordnet und reibungslos“, sagt Weiß. Seit Beginn des Arrangements sei es bei den Klubnächten „rappelvoll“ gewesen. Bis zu dreistellig ist die Zahl der Campbewohner, die die Disco besuchen – fast ausschließlich sind es Männer. „Die Situation war erstmal ungewohnt für unsere anderen Gäste“, meint Braun. Die Betreiber trafen Vorsichtsmaßnahmen und erhöhten die Mitarbeiterzahl im Hafen 2 an diesen Abenden. Eine im Veranstaltungsraum ausgehängte Zeichnung weist bildlich und in englischer Sprache auf Verhaltenregeln hin. Zu Konflikten oder Belästigungen sei es aber nie gekommen, versichern die Betreiber. „Die Feiern sind friedlich und ausgelassen.“

Damit nicht nur die männlichen Campbewohner den Hafen 2 besuchen, während Frauen und Kinder in der Einrichtung bleiben, setzt das Kulturzentrum auf Angebote für Familien. Im Dezember wurde ein Treff am Samstagnachmittag etabliert: Die Kinder können basteln, malen oder trommeln, während sich die Erwachsenen austauschen. Während der Kinoabende in der Halle können Kinder zudem im Foyer unter Aufsicht spielen und basteln. Für die Betreuung freut sich der Hafen 2 über freiwillige Helfer. „Wir können nur das anbieten, was wir als Einzelpersonen umsetzen können“, sagt Weiß.

Bilder: So helfen Sie Flüchtlingen in der Region

Das gilt auch finanziell; trägt der Suesswasserverein doch fast alle Kosten. 500 Euro erhielt er als einmalige Zuwendung von der Hessischen Staatskanzlei, das vermittelte die städtische Stabsstelle Ehrenamtliche Flüchtlingshilfe. Seit diesem Monat gibt es eine Kooperation mit dem Jugendbildungswerk: Dabei organisieren wechselnde Jugendzentren einmal wöchentlich Programm für die Sechs- bis Zwölfjährigen aus der Einrichtung. Für diese Veranstaltung trägt das Bildungswerk fast alle Kosten. Die Filmabende werden sporadisch durch private Patenschaften in Höhe von 100 Euro unterstützt.

Die Kosten des Vereins decke all das nicht, sagen Weiß und Braun. Finanzielle Förderung von Stadt und Land stehen bisher nicht in Aussicht. „Im besten Fall kommen wir Null auf Null heraus“, sagt Weiß. „Die Ideen sind aber da“, sagen die Hafen-2-Betreiber; so wie weitere Bänke auf dem Gelände fürs Frühjahr und die Umnutzung des Lkw-Anhängers. Auch ein Treff nur für Frauen ist geplant. „Es ist ein Glücksfall für uns alle, dass das Flüchtlingscamp neben uns eingerichtet wurde“, betont Braun. Wenn es auch am Finanziellen mangele, habe man den Raum und die Strukturen, um zu helfen. „Wir können und wollen gar nicht anders.“ Beim Kino (nicht nur) für Flüchtlinge läuft am Donnerstag um 19.30 Uhr „The Boxing Girls of Kabul“. Der offene Treff am Samstag ist von 14 bis 16 Uhr.

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