Ziel ist der Unterricht 2.0

Digitalisierung an Schulen schreitet voran – Kooperation mit Hanauer Schulamt

Unterricht per Tablet: Susanne Meißner vom staatlichen Schulamt und Hamid Maacher , IT-Fachmann des städtischen Schulamts, werben für die Nutzung digitaler Endgeräte im Unterricht. Foto: Sommer
+
Unterricht per Tablet: Susanne Meißner vom staatlichen Schulamt und Hamid Maacher , IT-Fachmann des städtischen Schulamts, werben für die Nutzung digitaler Endgeräte im Unterricht.

Die Digitalisierung ist ein Projekt, das nahezu alle Lebensbereiche umfasst – auch die Schule. In Offenbach sind die Schulämter bereits seit geraumer Zeit dabei, die Digitalisierung voranzutreiben.

Offenbach – So erhielt die Stadt als erste Kommune zu Jahresbeginn den Förderbescheid des Landes für Geld aus dem Digitalpakt. Fest geplant ist auch, dass alle Schüler ein digitales Endgerät zur Verfügung gestellt bekommen, mit dem im Unterricht gearbeitet werden soll.

Bei einem gemeinsamen Termin des staatlichen wie des städtischen Schulamtes mit unserer Zeitung im Frühjahr stellten die Ämter ihre Pläne für die Bereitstellung der benötigten Infrastruktur sowie für pädagogische Konzepte zur sinnvollen Nutzung neuer Medien im Unterricht vor – doch dann kam die Corona-Pandemie. Schulen wurden geschlossen, der Unterricht wurde teils per Internet, per Telefonkonferenz oder per Briefunterlagen weitergeführt. Für weiterführende Schulen wird dieses Konzept trotz der tageweisen Öffnung noch einige Zeit gelten.

Tatsächlich bildet die Art und Weise, wie coronabedingt unterrichtet wird, ab, auf welchem Stand bereits zuvor an den Schulen in Sachen Digitalisierung verfahren wurde. „Es gibt einige sehr engagierte Lehrkräfte, die auf Internetkonferenzen setzen, andere schnüren Unterrichtspakte und versenden diese mit der Post“, sagt Thomas Löhr, Leiter des Stadtschulamtes. Online-Unterricht gibt es nur vereinzelt, ähnlich wie es auch zuvor mit neuen Medien gehandhabt wurde.

„Die Ausstattung der Schüler mit digitalen Endgeräten ist dabei jedoch nur eines der Probleme“, sagt Löhr, „auch die Internetgeschwindigkeit zuhause ist sehr unterschiedlich.“ Selbst wenn also alle Schüler über das von den Schulen gestellte Tablet verfügen würden, wäre noch lange nicht gesichert, dass es von zuhause aus auch für Online-Unterricht genutzt werden kann.

An den Schulen schaut dies wiederum anders aus: Noch in diesem Jahr starten die Arbeiten, dass sämtliche Klassenzimmer an Offenbacher Schulen mit schnellen Internet per Wlan versorgt werden. Rund 4,2 Millionen Euro kostet das insgesamt, da gerade in Altbauten mit dicken Wänden die Ausleuchtung kompliziert ist. „Die Strom- und Datenkabel zu ziehen, ist das teuerste dabei“, sagt Löhr. Wenn alles installiert ist, soll jeder Klassenraum nicht nur über optimale Datengeschwindigkeit, sondern auch über mehrere Schnittstellen für Geräte verfügen.

Etwa für die bereits genannten Tablets. Damit sich die Lehrer mit diesen vertraut machen können, verteilt das Stadtschulamt bereits seit zwei Jahren sogenannte Medienkoffer. Diese enthalten 15 Tablets für Schüler sowie einen mit Administrator-Funktion für Lehrer. Die Lehrer können bestimmen, welche Funktionen den Schülern auf den Geräten zur Verfügung stehen – so soll vermieden werden, dass diese zweckentfremdet genutzt werden.

Digitale Schultafeln – interaktive Whiteboards – können auch zum Einsatz kommen. Allerdings aus Kostengründen nicht in allen Klassenräumen, da ein Gerät bis zu 8 500 Euro kosten kann. Auch der oft gehörte Wunsch nach 3D-Druckern an sämtlichen Schulen sei nicht realisierbar.

„Momentan sind bereits über 3 000 Datenverarbeitungsgeräte an unseren Schulen im Einsatz“, sagt Hamid Maascher vom IT-Support des Stadtschulamtes. Um eine flächendeckende Betreuung zu gewährleisten, musste das Amt personell aufstocken. Zudem musste jede Schule einen IT-Beauftragten stellen.

In Zukunft werden noch mehr digitale Geräte zum Einsatz kommen. Damit nicht jede Schule unterschiedliche Geräte nutzt, plant das Stadtschulamt in Kooperation mit dem Schulamt Hanau eine gemeinsame „Messe“: So werden unterschiedliche Geräte verschiedener Anbieter auf- und vorgestellt, die Schulen können sich dann beraten, welche Geräte angeschafft werden. Eigentlich war die Ausstellung für die erste Jahreshälfte geplant, doch Corona machte dem einen Strich durch die Rechnung. „Die holen wir nach“, sagt Löhr.

Die Kooperation mit Hanau ergibt sich auch deshalb, weil die Leiterin des staatlichen Schulamtes Offenbach, Susanne Meißner, auch für Main-Kinzig zuständig ist. „Durch höhere Bestellmengen lassen sich natürlich auch Preisnachlässe verhandeln, das freut die jeweilige Stadtkasse“, sagt Meißner.

Wenn die technischen Rahmenbedingungen gegeben und die entsprechenden Geräte vor Ort sind, soll ein Mediennutzungskonzept dafür sorgen, dass diese auch sinnvoll genutzt werden. „Es gibt ja bereits gute Beispiele für den Einsatz: An der Wilhelmschule wird etwa zur Leseförderung eine App genutzt oder an der Leibnizschule kommen Tablets im Musikunterricht zum Einsatz“, sagt Ilka Rupp, schulfachliche Dozentin am Schulamt. Außerdem, fügt Meißner an, gehörten Tablets und Smartphones längst zum Lebensalltag der Kinder. Diese im Unterricht zu nutzen und die Schüler auch gleichzeitig zu einer verantwortungsvollen Verwendung anzuleiten, sei daher nur konsequent.

Teils müssten allerdings bei einigen Lehrern Hemmungen zur Nutzung von digitalen Geräten abgebaut werden, sagt Maascher. „Andere sind sehr aufgeschlossen und experimentieren damit in ihrem Unterricht.“ Dabei gehöre die Verwendung von Medien schon immer zum Unterricht, betont Löhr: „Mein Französischlehrer kam damals mit einem Handplattenspieler in den Unterricht – in Zukunft wird es eben ein Tablet sein, das genutzt wird.“

Die Befürchtung, die Kinder würden durch die Tablets das Schreiben verlernen, teilt Meißner nicht: „Wir nehmen niemanden Stift und Papier weg – wir ergänzen nur den bisherigen Unterricht.“ (VON FRANK SOMMER)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare