Großfirmen in Rhein-Main reagieren

Eltern suchen Hilfe wegen Kita-Streik

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Obertshausen: Eltern beschwerten sich bei Bürgermeister Roger Winter über die - ihrer Meinung nach - schlechte Notfallregelung.

Offenbach/Hanau - Seit gestern trifft der bundesweite Streik von Erzieherinnen in kommunalen Kitas und Mitarbeitern in sozialen Diensten auch mit voller Wucht die Region. Für viele Eltern heißt das: Ihr Organisationstalent ist gefordert. Von unseren Redaktionen

Die Kita bleibt zu - und viele Eltern suchen zunehmend verzweifelt nach Alternativen: In Offenbach waren gestern zwar von rund 700 Notdienstplätzen nur etwa 380 besetzt. „Das wird die nächsten Tage aber sicher zunehmen“, vermutet Hermann Dorenburg, Leiter des Eigenbetrieb Kindertagesstätten (EKO). Viele Eltern hätten untereinander selbst Betreuungsmöglichkeiten organisiert, auch das Notfalltelefon habe gut funktioniert. „Wir hatten 22 Anrufe, zwei davon haben ihre Plätze wieder freigegeben, weil Alternativen gefunden wurden“, bilanziert Dorenburg. Ein Großteil der Eltern sei bemüht, die Notdienste so gut es geht zu entlasten. Bislang hat der EKO für zwei Wochen Erzieherstreik geplant. „Die Spielräume der Eltern werden aber enger, je länger der Streik andauert“, so der EKO-Chef.

Im Main-Kinzig Kreis waren nach Angaben der Gewerkschaft Verdi über 70 kommunale Kindereinrichtungen in 21 Städten und Gemeinden des Kreises geschlossen. Die Kita-Beschäftigten waren zusammen mit den Sozialarbeitern und Sozialpädagoginnen der Stadt Hanau und des Main-Kinzig-Kreises sowie den Beschäftigten des Behindertenwerks Main-Kinzig im Streik.

Gestreikt wird auch in der Kreisverwaltung in Dietzenbach: Wegen des Ausstands kann derzeit der Allgemeine Soziale Dienst im Fachdienst Jugend, Familie und Soziales beim Kreis Offenbach nur einen Notdienst anbieten. Man solle nur in wirklich dringenden Fällen vorsprechen, heißt es.

Während des Streiks der Kita-Erzieher bieten viele große Unternehmen in Hessen ihren Mitarbeitern Unterstützung an. So stockten die Commerzbank und der Flughafenbetreiber Fraport die betriebsinterne Kinderbetreuung auf, wie Unternehmenssprecher berichten. Die Lufthansa und der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck setzen unter anderem auf „Eltern-Kind-Büros“, in denen es neben Arbeitsplätzen auch Spielzeug gibt, so dass die Eltern arbeiten und die Kinder spielen können. Opel hat seinen Beschäftigten angeboten, „unbürokratisch und flexibel“ Urlaub, unbezahlten Sonderurlaub, Freischichten oder Home-Office-Tage zu genehmigen. „Das Angebot ist gut angekommen“, sagte ein Sprecher.

Eine Ende der Arbeitskampfmaßnahmen ist nicht abzusehen, denn die Arbeitgeber halten die Forderung nach einer besseren Eingruppierung der Erzieher für nicht bezahlbar. Der kommunale Arbeitgeberverband KAV forderte die Gewerkschaften zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf.

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

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