Stinker ist der Renner

Handkäs erfreut sich bei Offenbachern großer Beliebtheit

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Objekt der Begierde: Warteschlangen sind am Handkäs-Stand von Hans-Jürgen Rühl keine Seltenheit.  

Offenbach - Es ist ein hessisches Nationalgericht: der Handkäs. Auch auf dem Offenbacher Wochenmarkt erfreut sich der „Stinker“ großer Beliebtheit. Von Sebastian Schwarz 

Am Stand von Hans-Jürgen Rühl herrscht Hochbetrieb, vor der Theke hat sich schon eine Schlange gebildet. „Vier mit Kümmel, vier ohne“ möchte ein Kunde von Verkäuferin Yvonne Körner. „Sechs ohne“ will die Dame hinter ihm. Für Auswärtige klingen die Bestellungen ein wenig kryptisch, doch der Ortsansässige weiß sofort Bescheid: Die beiden verlangen Handkäs, den Klassiker der hessischen Küche.

Seit einem Jahr führt Hans-Jürgen Rühl gemeinsam mit seiner Frau Sigrid den Stand auf dem Offenbacher Wochenmarkt. Übernommen hat er ihn damals von der Käserei Weber aus Hüttenberg. Der Landwirt aus dem mittelhessischen Solms verkauft neben dem Handkäs auch Eier, Wurst und Nudeln. „Aber das läuft nur nebenher“, sagt er. Das Hauptgeschäft sei eindeutig der Handkäs. „Offenbach ist einfach eine Handkäs-Gegend“, antwortet er auf die Frage, warum der Käse wohl so beliebt sei.

Zirka 1000 der kleinen, gelben Käsestücke gehen bei Rühl an jedem Markttag über die Theke, jeder davon genau 62,5 Gramm schwer. „Das ist ein altes Maß, in dem man ihn schon seit langer Zeit portioniert“, weiß er. Seinen Handkäs fabriziert er nicht selbst, er bezieht ihn von einer Käserei. „Dort wird er nach klassischem Rezept hergestellt.“ Zahlreiche Stammkunden kommen jede Woche zu ihm, um sich ihre Ration der hessischen Spezialität abzuholen. Aber er hat schon zahlreiche neue Kunden gewonnen, auch jüngere Leute. „Die haben am Anfang zwar erstmal ,Igitt’ gesagt, sind dann aber doch auf den Geschmack gekommen.“

Die Abneigung gegen den „Stinker“ kann er nachvollziehen. „Den muss man mögen“, sagt Rühl. Oder eben nicht. Der kräftige Geschmack ist nicht jedermanns Sache. Der Händler bevorzugt die ganz klassische Variante mit Essig und Öl, den „Handkäs mit Musik“. Zwar hat er schon Varianten ausprobiert, die haben ihn aber nicht so überzeugt wie das Original. Nicht nur die Besucher auf dem Offenbacher Wochenmarkt freuen sich über das geschmacksintensive Milchprodukt. „Ich hatte Kunden, die haben den Handkäs nach Spanien, Italien und sogar in die Vereinigten Staaten verschickt, erzählt Rühl.

Protest mit Handkäs-Schleuder

In den kommenden Wochen und Monaten wird Rühl sich aber auf eine sinkende Nachfrage einstellen müssen. Der Grund: „Im Winter wird deutlich weniger Handkäs verkauft.“ Die Leute würden ihn wohl am liebsten draußen mit „Musik“ und Eppelwoi genießen. „Ich esse ihn aber das ganze Jahr über“, schmunzelt der Landwirt.

Was sich mit dem Sauermilchkäse alles machen lässt, zeigt ein Blick auf die Speisekarte vom Markthaus am Wilhelmsplatz. Handkäs-Tatar, angemacht mit Schmand und Wetterauer Handkässalat mit Sesamöl, Walnüssen, Äpfel und Schlotten gibt es dort für experimentierfreudige Zeitgenossen. Nicht zu vergessen das Handkäs-Schnitzelbrot.

Wer selbst ein wenig herumprobieren möchte, findet zahlreiche Rezepte in Internet. Da gibt es die hessische Spezialität dann als Belag auf der Pizza, auf spanische Art oder als Füllung für die Hähnchenbrust. Interessante Varianten, aber wohl nichts für echte Handkäs-Puristen. Denn die halten es genau wie Käsehändler Hans-Jürgen Rühl und schwören auf das Original.

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