„Ruhestand kann ich nicht“

Monsignore Hans Blamm feiert sein 40-jähriges Priesterjubiläum

Dem Mathildenviertel ist Hans Blamm sein nunmehr fast 30 Jahren treu. Soziales Engagement hat für ihn Priorität.
+
Dem Mathildenviertel ist Hans Blamm sein nunmehr fast 30 Jahren treu. Soziales Engagement hat für ihn Priorität.

Seit 1991 wirkt Hans Blamm in St. Marien und er hat in diesen fast 30 Jahren im Mathildenviertel einiges erlebt. An diesem Sonntag (28.06.2020) kann er sein 40-jähriges Priesterjubiläum feiern. 

Offenbach – Im Flur des Pfarrhauses stehen zwei Kisten, eine mit frischem Obst und eine mit abgepackten Lebensmitteln. Ein Relikt der jüngeren Vergangenheit: Vor Ausbruch der Corona-Pandemie hat die Gemeinde in Zusammenarbeit mit der Offenbacher Tafel drei Mal in der Woche Lebensmittel an Bedürftige verteilt. „Hungrig weggehen muss hier trotzdem niemand, auch wenn die Rationen kleiner sind“, versichert Hans Blamm.

Das Soziale wird in der Gemeinde großgeschrieben. Viermal im Jahr nutzt sie ihre Kollekte für karitative Zwecke. Beispielsweise zahlte sie einem unverschuldet in Not Geratenen die Stromrechnung. Dabei bezeichnet sich Hans Blamm eher als barocken Menschen. Es komme darauf an, die richtigen Akzente zu setzen: „Die Kirche darf nicht zur Not-und-Elend-Institution werden, sondern es muss Freude machen, dort hinzugehen“, erläutert der Geistliche seine Sichtweise aufs Klerikale. „Sie können keine Feier veranstalten und dafür Blechnäpfe verwenden.“

1980 erhält Blamm den vatikanischen Ehrentitel „Monsignore“. Darauf angesprochen, zuckt er lediglich mit den Schultern. „Ich wurde von der Diözese dafür vorgeschlagen – warum, weiß ich nicht. Ich habe doch nur meine Arbeit gemacht.“

Nach der mittleren Reife macht der heute 68-Jährige zunächst eine Ausbildung bei der Firma Schramm in Offenbach und schließt ein Ingenieursstudium an. Mit dem Fachhochschuldiplom kann er an die Universität wechseln und Theologie studieren. Von der Kirche sei er schon immer sehr angetan gewesen, erinnert er sich. Dort habe er die Antworten auf seine Fragen gefunden. In Mühlheim, wo seine Familie wohnt, ist er Messdiener und später in der katholischen Jugend aktiv. Nach seiner Priesterweihe wird er mit einer halben Stelle Religionslehrer in Nidda und Pfarrer in Ranstadt.

Gerne sei er 1991 nicht nach Offenbach gekommen, gibt Hans Blamm unumwunden zu. „Ich war zufrieden mit dem, was ich hatte.“ Erst nach einigem gutem Zureden habe er sich hierher versetzen lassen. Nun ist er seit fast 30 Jahren im Mathildenviertel. Schon damals sei der Offenbacher Osten im Niedergang gewesen, so Blamm. „Ältere, alteingesessene Gemeindemitglieder sind gestorben und Migranten, der günstigen Mieten wegen, in die oft sehr einfachen Wohnungen nachgezogen“, erinnert er sich. Heute sei beispielsweise in der Sternsingergruppe kein Kind mehr ohne Migrationshintergrund. „Durch die Migranten kam eine gewisse Auffrischung ins Gemeindeleben“, resümiert der 68-Jährige, der bis 2010 auch Religionslehrer an der Leibnizschule war. „Ohne den Zuzug von Italienern, Spaniern, Polen und Kroaten wäre katholischer Religionsunterricht nicht mehr machbar“, so Hans Blamm.

Seit vielen Jahren unterhält die Gemeinde eine Patenschaft zur Diözese Khullna in Bangladesch. Als eine junge Frau von dort in St. Marien strandet, für die keine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen war, übernimmt die Gemeinde eine Patenschaft, um ihr eine Ausbildung in ihrer Heimat zu ermöglichen.

„Wenn man irgendwelche Dinge sieht, dann darf man nicht wegschauen“, erklärt Blamm seinen Grundsatz. „Man kann nicht alle Probleme lösen, aber man darf auch nicht die Hände in den Schoß legen.“

Natürlich weiß auch der erfahrene Priester nach fast 30 Jahren im Mathildenviertel, dass nicht jeder, der an die Kirchentür klopft und um Hilfe bittet, dabei auch immer die Wahrheit sagt. Einmal habe er jemandem fünf Euro in die Hand gedrückt und gesagt: „Das ist für die gute Geschichte“, erinnert sich Blamm mit einem Augenzwinkern. Sich deshalb gar nicht mehr zu engagieren, kommt für ihn aber nicht infrage. „Das trifft immer die Falschen.“ Seit 2015 ist er auch für die Gemeinde St. Paul verantwortlich.

Bis zur Kirchenreform 2023 will Hans Blamm als Gemeindepfarrer noch weitermachen, mit seiner eigenen Mischung aus Barmherzigkeit, Konzerten und dem Weihnachtsläuten. Danach wird er, der er ja zuerst gar nicht nach Offenbach ziehen wollte, der Stadt erhalten bleiben. „Hier kenne ich die Leute, an allen anderen Orten wäre ich ja doch nur ein Fremder“, sagt er.

Aber ans Aufhören denkt Pfarrer Hans Blamm ohnehin noch lange nicht. Nach seinem Ende als Gemeindepfarrer wäre er zwar die organisatorischen Dinge los, könne sich aber noch bei Vertretungen oder in Form von Predigten einbringen. „Ruhestand, das kann ich nicht, das ist doch mein Leben“, bilanziert Hans Blamm und lächelt zufrieden. VON PETER KLEIN

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare