Suchthilfe während der Pandemie

Offenbach hat niedrigste Zahl an Jugendlichen mit Alkoholvergiftung

Symbolfoto
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Der Griff zur Flasche kann für Jugendliche mit einer Alkoholvergiftung enden.

Die Zahl ist erschreckend: 920 Kinder und Jugendliche aus Hessen mussten 2019 mit einer Alkoholvergiftung in Kliniken behandelt werden. 15- oder 16-Jährige stellen dabei die größte Gruppe dar, wie es aus dem Jahresbericht 2019 des Landesprogrammes Hart am Limit hervorgeht.

Offenbach - Immerhin, Offenbach belegt laut der Statistik die niedrigste Fallzahl in Hessen: Sechs Kinder und Jugendliche wurden 2019 mit Alkoholvergiftung im Sana-Klinikum behandelt. „Die Zahl ist für Offenbach seit Jahren rückläufig“, sagt Mechthild Rau, Vorstand des Suchthilfezentrums Wildhof. „Für 2020 sind mir nur ganz wenige Fälle bekannt: Ich glaube, es gab nur zwei gemeldete Fälle“, sagt sie. Freilich könne das auch mit der Corona-Pandemie in Zusammenhang stehen. Denn Treffen mit Freunden sind seit vergangenem Jahr nur schwer möglich und laut Studie sind Gruppenzwang oder gemeinschaftliche Rauscherfahrung die häufigsten Gründe, weshalb Kinder und Jugendliche zu harten Alkoholika wie Wodka oder Rum greifen.

Für das vergangene Jahr liegen jedoch noch keine Zahlen zur Suchtentwicklung in Hessen vor. Wie sich die Pandemie oder die Absage von Volksfesten mit Alkoholausschank auf das Verhalten der Jugendlichen ausgewirkt haben, muss noch untersucht werden.

Die Pandemie stellte auch die Suchthilfe- und Präventionsarbeit vor Herausforderungen: Wurde bisher von Stadt und Suchthilfezentrum regelmäßig zu Aktionstagen mit Schülern geladen, so ist dies seit vergangenem Jahr vorerst nicht möglich. Veranstaltungen wie die Offenbacher Jugendfilmtage im Cinemaxx wie 2019 mit hunderten Schülern sind heute angesichts des Infektionsgeschehens undenkbar. Auch dass Studenten die Schulklassen aufsuchen und mit den Jugendlichen über Alkoholerfahrung oder -konsum sprechen, ist nur sehr eingeschränkt möglich.

Dennoch, so betont Rau, die Arbeit des Wildhofs sei nie unterbrochen worden. „Telefonisch sind wir jeden Wochentag erreichbar“, sagt sie, „im ersten Lockdown haben wir etwa in sechs Wochen 1 684 Beratungsgespräche am Telefon geführt.“ Wurde im vergangenen Jahr zu Beginn der Pandemie hauptsächlich auf die telefonische Beratung gesetzt, gibt es seit Mai auch wieder Präsenzangebote – unter strengen Hygieneauflagen.

Präventionsangebote wie der Besuch von Beratern an Schulen oder Workshops seien eben fast nur unter Nicht-Pandemiebedingungen möglich. Für die weiterführende Beratung, aber auch die Betreuung von Suchtkranken, seien aber auch persönliche Treffen wichtig, betont Rau. „Wir setzen dabei auf einen Wechsel aus Telefongespräch, Präsenztreffen oder virtuellen Angeboten“, sagt sie. Letzteres bedeute aber auch eine Herausforderung in Sachen Datensicherheit – wer an einer Online-Veranstaltung teilnehme, müsse sicher sein, dass das, was gesagt wird, auch vertraulich bleibt. „Wir haben da ein geeignetes Format gefunden“, sagt sie.

Für Schulen seien die Online-Angebote aber nicht gedacht: Dort habe zunächst die Organisation des Online-Unterrichts Priorität. Vereinzelt hätten auch Berater im vergangenen Jahr Klassen aufsuchen können, doch das sei eher die Ausnahme. „Wir stehen aber mit dem Schulamt und den Beratungslehrern der Schulen in engem Austausch.“ Die Kooperation mit der Stadt bleibe natürlich bestehen – wenn ein gewisser Grad an Impfungen erreicht sei, müsse neu bewertet werden, welche Projekte wieder in welcher Form aufgenommen werden können.

Das Online-Angebot werde auch für die Zeit nach der Pandemie erhalten bleiben, sagt Rau. „Das digitale Angebot kann die Präsenzberatung aber nicht ersetzen.“ Im vergangenen Jahr nutzten 1644 Einzelpersonen die weiterführende Beratung des Suchthilfezentrums.

Infos zur Beratung: Das Suchthilfezentrum Wildhof ist montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr unter 069 9819530 erreichbar. Weitere Infos zum Angebot gibt es im Internet unter shz-wildhof.de

Von Frank Sommer

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