Wählen ohne sprachliche Hürden

Offenbach hat zur Kommunalwahl eine Information in Leichter Sprache erstellt

Nach den Regeln der Leichten Sprache wird die Kommunalwahl erklärt.
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Nach den Regeln der Leichten Sprache wird die Kommunalwahl erklärt.

Kumulieren und Panaschieren verständlich zu erklären, kann schon kompliziert sein – wie schwer muss es dann erst Menschen mit Beeinträchtigungen fallen, diese Begriffe zu verstehen? Lange Jahre wurden etwa Menschen mit Behinderung oder Leseschwächen faktisch von der Teilhabe am Gemeinwesen ausgeschlossen, denn durch fehlende verständliche Erklärungen wurden unnötige Hürden für sie errichtet.

Offenbach - Eigentlich gilt seit 2009 die UN-Behindertenrechtskonvention, die zur Zugänglichkeit und Barrierefreiheit für alle Lebensbereiche verpflichtet, doch viele Kommunen taten sich sichtbar schwer bei der Umsetzung, auch Offenbach.

Erst seit 2020 gibt es auf der Internetseite der Stadt einen Bereich in Leichter Sprache, im Oktober hat Dominik Schuster sein Amt als Kommunaler Beauftragter für die Belange von Menschen mit Behinderungen angetreten. Zu seinen ersten Handlungen gehörte, eine Broschüre in Leichter Sprache für die Kommunalwahl vorzubereiten. „Als Stadt müssen wir unser Angebot ausweiten und zusätzliche Angebote schaffen, um Teilhabe für alle Menschen hier zu schaffen“, sagt Schuster. Zusammen mit Pia Tassler vom Landesprogramm WIR (Wegweisende Integrationsansätze realisieren) hat er eine 35-seitige Broschüre erarbeitet, die pünktlich zur Kommunal- und Ausländerbeiratswahl zur Verfügung steht.

Das Wahlamt lieferte die die Informationen, Tassler übersetzte diese in Leichte Sprache und ließ sie von Prüfungsgruppen gegenlesen. Denn zum Konzept der Leichten Sprache gehört es, dass Menschen der Zielgruppe die Texte auf Verständlichkeit überprüfen.

Für manchen mag das, was in der Broschüre steht, merkwürdig klingen – doch diese sind nicht die Zielgruppe der Veröffentlichung. „Es wird niemandem etwas weggenommen, sondern wir schaffen ein Zusatzangebot. Wer mit der Alltagssprache zurecht kommt, benötigt die Broschüre nicht“, versichert Dominik Schuster.

Gemäß den Regeln der Leichten Sprache werden Zweck und Ablauf der Wahl in einfach konstruierten Sätzen erklärt, Abbildungen illustrieren das Geschriebene. 12000 Broschüren wurden gedruckt, ein Teil davon an die AWO-Werkstätten oder die Behindertenhilfe verteilt. Auch an der Volkshochschule, für die Teilnehmer der Deutsch- und Integrationskurse sind Broschüren reserviert. „Denn mit Blick auf die Ausländerbeiratswahl gibt es eine weitere Zielgruppe: Menschen, die gerade erst anfangen, Deutsch zu lernen“, sagt Schuster.

In den kommenden Tagen bis zur Wahl soll noch ein Video in Leichter Sprache auf der Internetseite der Stadt veröffentlicht werden. „So kann etwa ein komplizierter Begriff wie panaschieren noch einmal vorgestellt werden, das erleichtert das Verständnis“, sagt er.

Die sprachliche Barrierefreiheit soll laut Schuster auf der Seite der Stadt weiter ausgebaut werden, so sind etwa Seiten denkbar, auf denen erklärt wird, wie man einen Personalausweis verlängert „Generell müssen wir das Angebot schrittweise ausbauen: Das ist ein Weg der kleinen Schritte, aber der Veränderungsprozess ist eingeleitet.“ Denn Informationen zu übersetzen, ist durchaus aufwendig, außerdem müssen etwa bei Hilfen zu Formularen auch rechtliche Fragen geklärt werden. „Grundsätzlich müssen wir die Belange von Menschen mit Behinderung stärker wahrnehmen und ihnen helfen, am öffentlichen Leben teilzunehmen.“

Die Broschüre liegt kostenlos im Rathaus, Stadthaus und der Volkshochschule aus und ist im Internet abrufbar. Wir berichten zudem im Liveticker zur Kommunalwahl in Offenbach sowie ebenfalls im Ticker zu den Kommunalwahl-Ergebnissen in Hessen.

Von Frank Sommer

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