Behutsam aufgewertet

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Die Fassade seines Hauses Engelsgässchen 10 in Bürgel ließ Anton Demmer mit Naturschiefer versehen. Er hat aber schon Pläne für die weitere Rekonstruktion des einst bäuerlichen Anwesens.

Offenbach - Im verwinkelten Engelsgässchen halten Vorübergehende seit Kurzem interessiert vor der ansehnlichen Schieferfassade des Hauses Nummer 10 inne. Vormals im Besitz der alteingesessenen Familie Ohlig, hat der gebürtige Bürgeler Anton Demmer das aus dem späten 17. Von Harald H. Richter

Jahrhundert stammende Objekt 2010 erworben und jetzt grundlegend sanieren lassen. „Innen wie außen ist eine Menge getan worden, wobei mir sehr daran gelegen war, dass historische Strukturen und viel Substanz bewahrt blieben“, sagt der 55-Jährige. Er hat das zweigeschossige Gebäude an eine Familie mit mehreren Kindern vermietet.

Unter anderem wurden alte Türen freigelegt, die Innenseiten der Wände bekamen feinen Lehmverputz, hinter denen sich die Dämmung aus Schilfrohrmatten und lehmgetränkten Holzschnitzeln verbirgt. Bei der Fassadenrestaurierung zeigte sich jedoch, dass der an der Stirnseite vorhandene Wandschiefer nicht mehr zu retten war. „Doch woher neuen nehmen?“ fragte sich Demmer. Er wurde schließlich im Mainfränkischen fündig. Das Geroldsgrüner Schieferwerk Lotharheil erwies sich als bewährter Produzent.

Raumklima optimal

Die Verwendung des robusten, langlebigen, pflegeleichten und vor allem natürlichen Baustoffs erfüllt sämtliche Anforderungen moderner Bauphysik. In Kombination mit der gewählten Dämmung bietet die vorgehängte, hinterlüftete Schieferfassade eine Reihe von Vorteilen, ist Demmer überzeugt: optimalen Kälte- und Feuchtigkeitsschutz, regenabweisend, kaum anfällig für Verschmutzung, schafft ein optimales Raumklima auf 120 Quadratmetern Wohnfläche.

Doch auch optisch gibt die neu gestaltete Fassade an der Wetterseite einiges her. Die verschiedenfarbigen Schieferplatten bilden mehrere Motive ab mit einem Baum und seitlich austreibenden Wurzeln als Mittelpunkt sowie der Darstellung zweier Personen links und rechts davon. Die Erneuerung der stilgetreuen schmalen Fenster übernahm der Mühlheimer Fachbetrieb Noll. Für Demmer ein Glücksfall, denn es gibt nicht mehr viele Firmen, die solche individuelle Formate herstellen können.

Restaurierung längst nicht abgeschlossen

Zu dem etwa 430 Quadratmeter großen, einst bäuerlichen Anwesen gehören ein wieder geöffneter kleiner Brunnen und der ebenfalls neu gepflasterte Hof sowie Stallungen und eine Scheune. „Damit habe ich noch einiges vor“, legt Demmer dar, dass die Restaurierung längst nicht abgeschlossen ist. Er möchte dort ein Atelier einrichten. Seine Vorliebe für die Bewahrung schöner Dinge kommt nicht von ungefähr, betreibt der gelernte Raumausstatter doch ein Antiquitätengeschäft in Obertshausen.

Dem hehren Schönen zugetan ist auch der Privateigentümer des im Offenbacher Westend gelegenen Jugendstil-Reihenhauses Körnerstraße 32, dem zweiten preiswürdigen Objekt. „Es stammt von 1905 und ist umfassend saniert worden“, erläutert Architekt Heinz-Günter Sowart. Die Hausteinfassade weist reich verzierte Giebel auf. An der Frontseite des relativ schmalen Gebäudes, das auf 270 Quadratmetern „größtmögliches Wohnen auf kleinster Fläche“ ermöglicht, befindet sich neben dem Portal ein zweiter Zugang. Früher von Personal und Lieferanten genutzt, soll er ähnlicher Zweckbestimmung auch fortan dienlich sein, da sich darüber sowohl der Vorratskeller erreichen lässt als auch praktischerweise die Küche. Den Blicken Neugieriger verborgen bleibt hingegen ein kleiner Brunnen auf der Rückseite des Anwesens.

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Beiden Initiatoren wird bescheinigt, dass mit notwendigem Verständnis für Ästhetik und Historie eines denkmalgeschützten Bauwerks an die Sanierung herangegangen wurde. Gleichzeitig soll der Beitrag für die Entwicklung der Stadt gewürdigt werden. Seit 2008 stellt der Rotary-Club Offenbach das Preisgeld von 3000 Euro bereit.

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