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WOCHENMARKT Andrea Frank hat sich zur Gewürzsommelière ausbilden lassen

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Marktbeschickerin Andrea Frank hat ihre Expertise über Monate hinweg erweitert.

In ganz Deutschland gibt es 105 Gewürzsommeliers. Davon leben fünf in Hessen, von denen wiederum zwei Gewürzhändler sind. Eine dieser beiden ist Andrea Frank. Für regelmäßige Besucher des Offenbacher Wochenmarktes ist ihr knallgelber Stand ein vertrauter Anblick. 

Offenbach – Seit 2007 gehört sie zu den Marktbeschickern. Tee und Heilkräuter miteingerechnet, hat sie fast 1 000 unterschiedliche Produkte im Sortiment. Dass die 48-Jährige aus dem ost-hessischen Schöneck unlängst ihre Weiterbildung zur Sommelière abgeschlossen hat, wird sich auch bald für ihre Kunden bemerkbar machen.

„Ich wurde geprüft, dass ich verschiedene Gewürze an Geruch, Farbe und Form erkennen kann“, berichtet sie. Um sich diese Fähigkeiten anzueignen, hat sie sich bei der „Genussakademie“ in Bayern, die entsprechende Ausbildungen anbietet, beworben. Nur 20 Leute werden dort pro Jahr angenommen. Für Frank klappte es beim zweiten Anlauf.

„Der Kurs hat im Januar angefangen und sich über fünf Monate gezogen, insgesamt waren es 14 Unterrichtstage.“ Diese gestalteten sich nicht nur informativ, sondern auch interaktiv. „Es wurden verschiedene Pfeffersorten vorgestellt, über Vanille wurde referiert – immer mit Verkostungen verbunden. Köche waren da, sodass wir mit den Gewürzen auch selbst gekocht haben – da bekommt man gleich einen ganz anderen Blickwinkel.“ Am Ende folgten eine schriftliche und eine mündliche Prüfung, bei der sie auch über lateinische Pflanzennamen, Wildkräuter, Herkunftsländer und die Geschichte bestimmter Aspekte des Gewürzhandels abgefragt wurde. Natürlich hat die versierte Marktbeschickerin bestanden – und darf sich nun Sommelière nennen.

Andrea Frank gibt eine Kostprobe ihres neuen Wissens: „Bei der Vanille gibt es beispielsweise verschiedene Sorten. Die Bourbon-Vanille riecht sehr intensiv, die kann man auch für ein Bratengericht verwenden. Die Tahiti-Vanille ist hingegen sehr blumig im Duft und sollte nur für Süßspeisen verwendet werden, da sie ein Fleischgericht nur erschlagen würde.“

Fast 1000 unterschiedliche Gewürze und Teesorten sind an dem knallgelben Stand der Fachfrau aus Schöneck zu bekommen. Fotos:

Was fängt Frank nun mit ihrer Expertise an? „Für mich war es wichtig, dass ich mehr Qualitätsmanagement in mein Geschäft legen kann“, erklärt sie, „dass ich ein paar Dinge besser hinterfragen kann und auch mehr Hintergrundwissen für meine Kunden habe.“ Für Letztgenannte bedeutet ihre Weiterbildung also in erster Linie einen umfangreicheren Service. „Wir stellen mittlerweile auch selbst Gewürzmischungen her. Einmal in der Woche gibt es am Stand etwas Neues, darauf weise ich meine Kunden dann immer hin. Mittlerweile erwarten sie das schon fast“, sagt Frank mit einem zufriedenen Lächeln. Als erstes habe sie sich an einer nordindischen Garam-Masala-Mischung versucht. „Da hat mir am Anfang auch ein indischer Koch geholfen, den ich durch den Kurs kennengelernt habe.“ Danach folgte eine Barbeque- und jetzt aktuell eine Rotkraut-Gewürzmischung.

Einen größten Verkaufsschlager kann die Sommelière nicht benennen. „Es ist immer ein bisschen saisonal bedingt. Im Winter wird natürlich mehr gekocht. Im Sommer gehen dementsprechend mehr die Dips, im Winter die herzhafteren Gewürzmischungen.“

Dass Kräuter und Gewürze zu einem so zentralen Bestandteil von Franks Leben geworden sind, ist im Grunde dem Zufall geschuldet. Begonnen haben sie und ihr Mann nämlich als Obst- und Gemüsehändler. Bis ein Markt-Kollege ihnen vor zwölf Jahren anvertraute, dass er seinen Gewürzstand aufzugeben plane und sich freuen würde, ihn in kompetente Hände zu übergeben. Da konnte Andrea Frank nicht widerstehen. „Das Obst- und Gemüsegeschäft macht seitdem mein Mann weiter, wir haben uns sozusagen geschäftlich getrennt“, sagt sie schmunzelnd.

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