Besser als Ruf 

RMV-Automaten aus der Region im Test: Das Ergebnis überrascht 

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RMV-Kunde Christian W. scheiterte mit dem Versuch, mit Scheckkarte ein Wochenticket am RMV-Automaten zu erwerben.

Der Fahrscheinautomat des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV) bockt hartnäckig. Alle Versuche, die verklemmte Scheckkarte durch energisches Rütteln oder mit spitzen Fingern aus dem Schacht zu zupfen, scheitern. Die Zeit drängt. 

Offenbach - Vier Minuten bleiben bis zur Abfahrt der S-Bahn. Christian W. wollte die Wartezeit auf dem Bahnsteig in Mühlheim eigentlich für den Erwerb einer Wochenkarte nutzen. Der Pendler, ein RMV-Profi, sucht nützliche Hilfe via Hotline. Nach kurzer telefonischer Beratung und erneutem Intervall-Schütteln entlässt die Ticketmaschine das Plastikgeld aus der Geiselhaft. Zeit genug, um am Apparat gegenüber das Ticket per EC-Karte zu ziehen.

Mehrere Automaten des RMV im Test 

Wie nutzerfreundlich sind die Fahrscheinautomaten an den S-Bahnhöfen in Offenbach, Heusenstamm, Obertshausen und Mühlheim hinsichtlich der Bezahlmöglichkeiten? Wir haben während der Sommerferien 27 Verkaufsmaschinen getestet. Jedes Objekt wurde mindestens dreimal zu unterschiedlichen Zeiten kontrolliert. Das Ergebnis vorab: Die Geräte sind besser als ihr Ruf. Die Zahl von einem Komplettversagen lässt sich bei über hundert Versuchen an einer Hand abzählen. Nur ein türkisgrüner Kasten in der benachbarten Mühlenstadt entpuppte sich bei allen Prüfungen als Problembär.

Noch vor einem Jahr wurden die Kinderkrankheiten der neu angeschafften Automaten heftig kritisiert: So verweigerten einige Maschinen beispielsweise das Wechselgeld oder verschluckten Euroscheine ohne Gegenleistung in Form einer Fahrkarte. Anfangsprobleme, vornehmlich bei der Bargeldversorgung, seien das gewesen, sagt Maximilian Meyer von der Pressestelle des RMV. Inzwischen aber funktionierten die Ticketdrucker zuverlässig. Die Verfügbarkeit für die Kunden liege höher als bei der Vorgängergeneration.

Nicht alle Geldscheine werden akzeptiert 

Dennoch, so unsere Testerfahrung, kann sich niemand darauf verlassen, mit einer Zwanzig-Euro-Note oder gar einem Fünfziger zu jeder Zeit seinen Fahrausweis bezahlen zu können. So akzeptierten beim Test zu später Stunde drei von vier Automaten an der Station Ledermuseum nur Scheine bis zu einem Wert von zehn Euro. In Heusenstamm, so eine schimpfende Kundin ohne Scheckkarte und Münzen in der Handtasche, verweigere der Apparat das Papiergeld regelmäßig. 

Sein Pedant auf dem gegenüberliegenden Bahnsteig funktioniere zwar immer tadellos, aber es sei nicht zumutbar. Zweimal mit Gepäck treppab, treppauf durch den Tunnel zu hetzen. Problematisch auch, wenn der türkisgrüne Kasten, wie jüngst in Mühlheim beobachtet, einen Fünfeuroschein schluckt, ohne ein Ticket auszudrucken. Generell ist aber hervorzuheben, dass bei der Hälfte der Versuche selbst mit einem Hunderter nicht nur eine Wochenkarte, sondern auch ein Drei-Euro-Ticket erworben werden konnte. 

EC-Karte empfohlen 

Gemäß den Beförderungsbedingungen bestehe, so der RMV-Sprecher, aber kein Anspruch auf alternative Zahlungsmittel. Übersetzt bedeutet diese Aussage: Es empfiehlt sich zur Sicherheit immer, auch einige Münzen oder eine EC-Karte ins Portemonnaie zu stecken, um bei mangelnder Akzeptanz von Banknoten Diskussionen mit einem Kontrolleur zu vermeiden. 

Die Position des RMV ist durchaus nachvollziehbar. Auch beim Bäcker wird das Wechselgeld bald knapp, wenn die ersten Brötchen-Kunden nur große Scheine über die Theke reichen. Positiv zu vermerken ist, dass die Automaten, anders als ihr Vorgänger, auch zerknitterte Geldnoten mit hoher Wahrscheinlichkeit erkennen.

Ein großer Vorteil der neuen Automatengeneration ist laut RMV-Pressestelle die Fernüberwachung der Funktionstüchtigkeit und der Wechselgeldbestände. So könne bei Störungen schnell reagiert werden. Es kämen nur noch wenige Beschwerden wegen kaputter Anlagen.

Bei einer anfangs heftig kritisierten Schwäche hat das Verkehrsunternehmen nachgebessert, ohne aber das Problem zufriedenstellend zu lösen: Für den Erwerb von Fernverkehr-Tickets sind die Automaten weiterhin „nur bedingt einsatzbereit“.

Wechsel zwischen RMV und DB 

Noch im Frühjahr 2019 mokierten sich Passagiere über extrem lange Ladezeiten beim Kauf eines Fahrscheins mit einem Ziel außerhalb des Verkehrsverbunds. Auch der „Hauptbahnhof Offenbach“ wurde als negatives Beispiel erwähnt. Der Wechsel auf die Software der Deutschen Bahn AG (DB) dauerte zu jener Zeit mindestens zwei Minuten. Häufig führte das Zappen zwischen RMV und DB zu einem kompletten und dauerhaften Systemabsturz. Hinter verzweifelten Nutzern bildeten sich dann Warteschlangen. Fahrgäste, die dringend ihren Zug erreichen wollten.

Im Offenbacher Hauptbahnhof betreibt die Bahn nicht wie in Frankfurt oder Hanau eigene Automaten. Andere Verkehrsträger setzen Geräte ein, die zwischen DB- und Verbundfahrscheinen in Sekundenschnelle umschalten können. Als Nahverkehrsanbieter, so Meyer, umfasste die Vertriebsausschreibung des RMV für die Maschinen aus rechtlichen Gründen nicht den DB-Fernverkehr. 

Man konnte allerdings in späteren Verhandlungen eine Kooperation zwischen Apparatebetreuer Transdev und DB erreichen. Durch IT-Optimierung reduziert sich nach Einschätzung des RMV mittlerweile die Zeitspanne beim Wechsel zwischen den Tarifen auf 15 bis 30 Sekunden. An einzelnen Standorten könne es wegen einer schwachen mobilen Datenversorgung zu längeren Ladezeiten kommen.

Fehler in Kaiserlei 

Trotz Updates und neuer Chips dauert der Wechsel zwischen RMV- und DB-Tarif gelegentlich dennoch zwei und mehr Minuten. Im Durchschnitt beträgt der Übergang bis zur Funktionsfähigkeit des DB-Programms bei den überprüften Objekten etwa 45 Sekunden. In etwa zehn Prozent meldete der Bildschirm „Fernverkehr nicht erreichbar“, oder die Eieruhr verabschiedete sich nach sechs Minuten ohne einen Bahnfahrschein anzubieten. Zweimal wurden anschließend auch RMV-Tickets verweigert.

Eine solche Störung kann nicht einzelnen Bahnhöfen oder Automaten zugeordnet werden. An der Station Kaiserlei zeigten an einem Abend drei von vier Ticketmaschinen Fehlfunktionen beim DB-Fahrscheinverkauf an. Am nächsten Mittag war es hier wieder möglich, in 30 Sekunden zwischen RMV- und dem DB-Programm zu wechseln. 

Dafür weigerten sich zwei von drei Automaten an der Station Offenbach Ost, die am Abend zuvor einwandfrei arbeiteten, Bahnkarten auszudrucken.

In Offenbach sollten sich Fernreisende besser nicht auf RMV-Apparate verlassen, sondern ihr Ticket vorab am Schalter an der Station Marktplatz oder im Internet erwerben. Als letzter Ausweg bleibt eine Fahrt nach Hanau oder Frankfurt, um dort eine DB-Karte für die Weiterfahrt zu ziehen. 

Das ist aber mit Mehrkosten verbunden. Der Testsieger steht übrigens in Bieber-Waldhof. Bei allen drei Proben schwächelte die Maschine nicht ein einziges Mal auch nur minimal.   Von Matthias Müller

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