Keine Fischerhütten geplant

CDU bekommt Konzept zur Aufwertung des historischen Stadtkerns

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Ganz so historisch soll es nicht mehr werden: Der Fotograf fand seinerzeit sein Motiv in der Borngasse.

Für das von der CDU als „historischer Stadtkern“ definierte Areal zwischen Berliner und Mainstraße in Offenbach wird die Verwaltung nun ein Entwicklungskonzept erstellen. Das beschloss das Stadtparlament mit den Stimmen der Tansania-Koalition. SPD und Linke lehnten das Vorhaben ab.

Offenbach – Dem Beschluss im Stadtparlament von Offenbach war eine kontroverse Debatte vorausgegangen, die CDU-Stadtverordneter Dominik Mangelmann, federführender Initiator des Vorhabens, mit einer ausführlichen Begründung eröffnete. Es gelte, ein Konzept für das Areal zu entwickeln, um auf anstehende Veränderungen, wie etwa den Wegzug der HfG in den Hafen reagieren zu können. Mangelmann schwebt ein „urbanes Gebiet“ vor, in dem – orientiert an der historischen Bebauung – Wohnen und Arbeiten verbunden werden. „Niemand will aus der Sandgasse einen Themenpark machen“, versicherte Mangelmann.

Zugleich trat er der Vermutung entgegen, die CDU wolle mit dem Konzept den geplanten Neubau der Mevlana-Moschee in der Sandgasse verhindern. Am jetzigen Standort der Gemeinde in der Sandgasse 45 habe es einst einen evangelischen Gemeindesaal gegeben. Die Planungen entsprächen grundsätzlich also der Zielsetzung des Entwicklungskonzepts. Mangelmann: „Es wird hier niemand vertrieben. Im Gegenteil.“

Offenbach: Heftige Kritik von der SPD

Heftige Kritik an dem Projekt kam vom SPD-Stadtverordneten Holger Hinkel. Das Entwicklungskonzept brauche die Stadt derzeit so nötig wie einen Kropf. Wer sich „Fachwerkromantik“ widmen wolle, könne dies im Rahmen des Ortskernprogramms für Bürgel und Bieber tun, so Hinkel. Wer vom Wiederaufbau der Offenbacher Altstadt schwadroniere, baue Luftschlösser und wolle davon ablenken, dass er mit seinen Pflichtaufgaben nicht zu Rande komme.

In den vergangenen 70 Jahren, so Hinkel weiter, habe sich im vorgesehenen Areal ein intaktes Stadtquartier entwickelt. Wer dort historisierend zurückbauen wolle, müsse auch sagen, wohin er die Nutzungen verlagern wolle. Die bedeutendste Entwicklung in dem Gebiet werde in den kommenden fünf bis zehn Jahren der Wegzug der HfG sein. Bevor es kein Konzept für die Nachnutzung von Schloss und Hochschulgebäude gebe, sei jedwedes Entwicklungskonzept für das Quartier Makulatur.

Altstadt in Offenbach: „Unser Ziel ist kein Disneyland“ 

„Beschäftigen wir uns doch mit unserer sozialen Infrastruktur. Offenbach braucht Zukunft und weniger Altstadt“, befand Elke Kreiss, Fraktionsvorsitzende der Linken. Unklar sei, welche aktuellen Probleme der Stadt man mit diesem Vorhaben angehen wolle und wer sich überhaupt mit dieser Altstadt identifiziere.

„Unser Ziel ist kein Disneyland“, beteuerte Dominik Schwagereit (FDP) für die Koalition. Es gehe um einen Maßnahmenkatalog; der Beschluss bilde den Auftakt für einen Entwicklungsprozess. CDU-Fraktionschef Roland Walter wunderte sich indes, was man gegen die Initiative der Union haben könne. Ausgangspunkt der Überlegungen sei der Umstand gewesen, dass die zentrale Innenstadt nicht beplant sei. „Wir beschließen heute weder Fischerhütten, noch flächendeckende Rekonstruktion, noch einen Bebauungsplan“, so Walter. Man wolle durch eine planerische Neuordnung eine langfristige Aufwertung des Gebietes erreichen. Offenbach brauche einen innenstädtischen Bereich, der identitätsstiftend sei, bei dem der Bürger nicht erst überlegen müsse, in welcher Stadt er sich befinde, weil alle Neubauten inzwischen gleich aussähen.

Die CDU plant Rundgänge durch das Gebiet rund um die Sandgasse, bei denen Dominik Mangelmann die hinter dem Antrag stehende Idee erläutert. Wer an einem solchen Rundgang Interesse hat, kann sich vormerken lassen und wird dann informiert. Anmeldungen per Mail an: cdu-fraktion@offenbach.de

VON MATTHIAS DAHMER

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