Von der Bohne zum Brühgetränk

Besuch beim Kaffee-Seminar in der „Cafébar am Wochenmarkt“

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Besuch beim Kaffee-Seminar in der „Cafébar am Wochenmarkt“

Kaffee kochen kann heutzutage doch jeder. Spätestens seit der Erfindung von Kaffeepads, Kapseln und Co. Doch wer wirklich guten Kaffee trinken will, muss auf die Qualität achten.

Offenbach – Dass die spezielle Röstung der Bohnen und unterschiedliche Zubereitungsarten sich zu einer wahren Gaumenfreude entwickeln können, lernen die Teilnehmer bei einem Kaffeeseminar von Jutta Baisch. Ihre „Cafébar am Wochenmarkt“ in der Bieberer Straße 12 ist neben der alteingesessenen Offenbacher Kaffeerösterei Laier angesiedelt, die in diesem Jahr 150-jähriges Bestehen feiert.

Beim regelmäßig stattfindenden Seminar weiht Jutta Baisch ihre Gäste in die Geheimnisse des liebsten Heißgetränks der Deutschen ein. Dabei vermittelt die 60-Jährige Wissenswertes rund um die Kaffeepflanze, demonstriert den Röstprozess an der Maschine und bietet eine Kostprobe an.

18.30 Uhr. Die ersten Teilnehmer versammeln sich rund um die kleinen Holztische. Nach und nach treffen auch die letzten Gäste ein. Die Begrüßung ist herzlich: Ein Küsschen rechts, ein Küsschen links. „Das ist unser Samstagsstammtisch“, kommentiert Brigitte Dörr das Szenario und lacht. Gemeinsam mit ihrem Mann besucht sie jeden Samstag das kleine Café am Wilhelmsplatz. Mit Jutta ist die Stammkundin mittlerweile befreundet. Im heutigen Seminar möchte sie lernen, welchen Weg ihr geliebter Espresso hinter sich hat, bevor er im Tässchen landet: von der Bohne bis zum Endprodukt. „Mich interessiert, wie das gemacht wird“, sagt sie.

Gabriele Schmidt ist mit ihrem Mann Klaus aus Mühlheim gekommen. Von Baisch möchte sie das Handwerk lernen. Nachdem sie zweieinhalb Jahre lang hinter der Theke in einer Bäckerei stand, eröffnet sie nun ihr eigenes Café in Lämmerspiel. „Das hat mir immer so viel Spaß gemacht.“ Viel Schimmer, Kronleuchter – es soll edel werden im „Café Goldkännchen“. Für den Schritt in die Selbstständigkeit hat Baisch ein paar Tipps parat: „Denken Sie nicht groß und verlieren Sie sich nicht in Details.“ Nach ihrer eigenen Erfahrung ist jedoch der Spaß an der Sache das Wichtigste. „Leidenschaft sind schon 80 Prozent.“

Bevor die an der Siebträgermaschine ausgelebt werden kann, ist jedoch zunächst etwas Theorie gefragt. Jutta Baisch nimmt ihre Seminarteilnehmer bei einem lebendigen Vortrag mit auf die Reise der Kaffeebohne von Äthiopien bis Europa. Im Anschluss klärt die selbstständige Unternehmerin über gängige Mythen auf. Eines überrascht die Teilnehmer besonders: Espresso stammt nicht aus Italien, sondern aus Frankreich. Das freut besonders die gebürtige Französin Marie Libon.

„Hab ich’s dir doch gesagt!“, ruft sie ihrem Mann zu. Den interessiert besonders eine Frage: Wie viel Tassen am Tag sind verträglich? „Bis zu 25 Espressi oder vier Tassen Kaffee“, verrät die Expertin. Erleichtertes Aufatmen der anwesenden Kaffeeliebhaber.

Für die geht es weiter zur Röstmaschine, die Baisch gemeinsam mit Annette Laier benutzt. Die „Cafébar am Wochenmarkt“ ist jedoch ein eigenständiges Geschäft, betont deren Besitzerin. Vor genau vier Jahren hat Jutta Baisch den kleinen Laden übernommen. Gemeinsam mit Annette Laier veredelt sie regelmäßig Rohbohnen und verkauft ihre Eigenkreationen in ihrem Laden.

In der Kaffeerösterei hinter Laiers Geschäft stapeln sich Kaffeesäcke aus Jute. Brigitte Dörr nimmt eine Hand voll grüner Bohnen heraus. „Die riechen nach Gras“, stellt sie nach einer Schnupperprobe fest. „Ob die Kaffeebohne trocken ist, hört man am Klang“, erläutert Jutta Baisch der neugierigen Runde. Die Bohnen werden langsam und schonend 15 bis 20 Minuten lang geröstet. Durch diesen Vorgang wird Kohlendioxid freigesetzt, der ein Knacken auslöst: der sogenannte First Crack. Ist ein zweites Knacken zu hören, sind die Bohnen fertig und müssen schnell abkühlen. „So werden sie versiegelt, ähnlich wie die Kruste auf dem Brot“, sagt Baisch.

Zurück in der Cafébar steht eine Kostprobe an. Jutta Baisch demonstriert anhand vier verschiedener Zubereitungsmethoden – Filter, French Press, Chemex und Siebträgermaschine – wie unterschiedlich dieselbe Sorte Kaffee schmecken kann. Dabei ist auch die Temperatur des Wassers entscheidend. „Ein guter Kaffee entwickelt seine Geschmacksgewalt wenn er kühler ist“, weiß die Seminarleiterin. Das Fazit der Teilnehmer nach dem zweistündigen Kurs: Kaffee ist nicht nur ein Genuss, es ist eine Wissenschaft für sich.

VON TAMARA SCHEMPP

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