Beseitigung von Unstimmigkeiten

Erste Elektrobusse in Offenbach: Verwirrung um Ausschreibung

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Stromer im Test: Im März 2016 rollte ein Bus des niederländischen Herstellers VDL Bus & Coach probeweise durch Offenbach. Derzeit läuft die Ausschreibung für die ersten sieben Elektrobusse.

Erstaunlich schwer tun sich Stadtwerke und Verkehrsdezernentin bei der Beseitigung von Unstimmigkeiten im Zuge des Ausschreibungsverfahrens für die ersten Elektrobusse.

Offenbach – Noch am Dienstag, beim Startschuss für die Elektrifizierung der Busflotte, hatte OVB-Chefin Anja Georgi versichert, das Ausschreibungsverfahren laufe und werde vermutlich bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Dem steht eine Mail entgegen, welche der niederländische Bushersteller Ebusco am 8. August von der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) erhalten hat, die ausweislich des Schreibens das Vergabeverfahren für die OVB betreibt. Unter dem Betreff „VGF-EU 164/18 - Lieferung und Inbetriebnahme von 7 Elektrobussen sowie kompatibler Ladeinfrastruktur“ heißt es: „Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass das oben genannte Verfahren zurückgezogen wurde. Die Ausschreibung wird aufgehoben, weil kein Angebot eingegangen ist, das den Bedingungen der Vergabe entspricht.“

Zur Klärung des Widerspruchs wollen gestern zunächst weder die OVB noch die zuständige Dezernentin beitragen. Während OVB-Geschäftsführerin Anja Georgi gänzlich abtaucht, beteuert die grüne Stadträtin Sabine Groß, die Ausschreibung bestehe weiter, Details könne sie wegen des laufenden Verfahrens aber nicht nennen. Immerhin räumt die Dezernentin ein: Das Ganze sei derzeit für Außenstehende nicht nachvollziehbar.

Elektrobusse in Offenbach: Widersprechende Aussagen

Auch Wolfgang Hackauf, Ebusco-Verkaufsleiter für Deutschland, kann sich keinen Reim auf die sich widersprechenden Aussagen machen. Zumal ihm schon im Februar mitgeteilt wurde, sein Unternehmen werde nicht zum Zuge kommen. „Dass die Auftraggeber im Vorfeld aussieben, ist üblich“, nimmt es Hackauf gelassen, dass Ebusco schon früh aus dem Rennen war. Dass er nun Anfang August noch mal eine Mitteilung zum Stand des Ausschreibungsverfahren erhielt, erklärt er damit, dass er als ursprünglicher Mitbieter noch im Verteiler sei.

Am Nachmittag dann liefert SOH-Sprecherin Regina Preis doch noch eine Erklärung nach: „Aufhebung eines Verfahrens“ bedeute nicht, dass die Ausschreibung beendet sei. Der Beschaffungs-Prozess laufe weiterhin in Form einer angepassten Ausschreibung und sei erst mit dem Zuschlag abgeschlossen, der für dieses Jahr vorgesehen sei. Die Abwicklung des Verfahrens durch die Verkehrgesellschaft Frankfurt erklärt die SOH-Sprecherin damit, dass man schon seit Jahren für Vergabeverfahren das Know-how der VGF nutze. „Dieses Vorgehen hat den Vorteil, dass für die notwendigen sehr fach- und marktspezifischen Kenntnisse und Fähigkeiten keine eigenen Mitarbeiter vorgehalten werden müssen“, so Preis. Die Zusammenarbeit resultiere auch aus einer ehemaligen gemeinsamen Unternehmensbeteiligung.

„Erstklassiger Testlauf“ in Offenbacher Innenstadt

Für Ebusco hat sich das Elektro-Engagement in Offenbach erledigt. Sein Unternehmen, das in Offenbach mit seinen Bussen einen „erstklassigen Testlauf“ absolviert habe, sei auftragsmäßig ohnehin gut ausgelastet, sagt Wolfgang Hackauf. „Wir hätten aber mit unseren Bussen durch den Bieberer Schlupf gepasst“, kann sich der Verkaufsleiter lächelnd eine Bemerkung nicht verkneifen. Er vermutet, dass man bei den OVB nun auf die großen Hersteller setzt.

VON MATTHIAS DAHMER

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