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Erstes internationales Straßentheaterfest in Offenbach begeistert

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Als wortwörtliches „Rat Pack“ trat die Gruppe PasParTouT auf.
Als wortwörtliches „Rat Pack“ trat die Gruppe PasParTouT auf. © Richter/Georg

Das erste Straßentheaterfest verwandelte am Samstag die Offenbacher Innenstadt in eine weitläufige interaktive Bühne. Auf ihr traten nicht nur Künstler unterschiedlicher Genres mit familientauglichen Programmen auf, auch das Publikum wurde in die Shows eingebunden.

Offenbach – Die Fläche unter den schattenspendenden Bäumen neben der evangelischen Stadtkirche wird zur kunstvollen Oase mitten in der Stadt. Sanfte Geräusche eines fließenden Baches und singender Vögel umfangen die Gäste in Torsten Blunks und Hanna Lindes Café „Schönes Wasser“. Das Publikum ist eingeladen, an diesem heiter entschleunigten Ort ein Glas Wasser zu trinken und die Einzigartigkeit ihrer bespielten Installation zu genießen. In den Café-Liegen können die Gäste über Kopfhörer Unterwassergeräusche aus dem Ozean in sich aufnehmen und noch tiefer entspannen, während ihnen aus einer Vielzahl Karaffen Wasser aus aller Herren Länder kredenzt wird. Serviert wie der teuerste Champagner wird so der Wert bewusst, den frisches, klares Wasser hat. Die stille, feine und amüsante Art, mit der die beiden Schauspieler aus Frankfurt ihr Wassercafé betreiben, lässt dies spürbar werden. „Unsere Gäste trinken ein wunderbar weiches Wasser, das durch eine Umkehrosmose-Anlage hochgereinigt und energetisiert wird“, erläutert Blunk.

Fußläufig nicht allzu weit entfernt ist es an diesem Samstagnachmittag allerdings vorbei mit Ruhe und Beschaulichkeit, denn im Stadthof am Rathaus tobt ein Rap-und-Breakdance-Wettstreit, während bei der Skulpturengruppe „Krieh die Kränk, Offenbach“ das Figurentheater PasParTouT eine knallige Nagercombo aufbietet. Die fünfköpfige Rattengang erobert die Welt jenseits der Kanalisation mit animalischer Blasmusik, Jazz-Klassikern und Eigenkompositionen. Das Publikum spendet Zwischenapplaus und wirft so manchen Euro in den Spendengeigenkasten.

Fantasievolle Kostüme und ganz viel Interaktion prägen die Darbietungen des Festivals in der Innenstadt. Diese reichen von anmutiger Akrobatik über pantomimische Wasserverkostung bis hin zu Begegnungen mit Urzeit-Frauen auf dem Stadthof.
Fantasievolle Kostüme und ganz viel Interaktion prägen die Darbietungen des Festivals in der Innenstadt. Diese reichen von anmutiger Akrobatik über pantomimische Wasserverkostung bis hin zu Begegnungen mit Urzeit-Frauen auf dem Stadthof. © Richter/Georg

Die Organisatoren des ersten Internationalen Straßentheaterfests in Offenbachs Innenstadt gehen ein Wagnis ein, noch dazu mitten in der Ferienzeit, jedoch besteht das Event seine Bewährungsprobe mit Bravour. Der Zuspruch ist groß, die Resonanz positiv. „Eine tolle Mischung, die dem Publikum jeden Alters etwas bietet, noch dazu zum Nulltarif“, sind Gerlinde und Manfred Euler aus Norddeutschland des Lobes voll. Sie besuchen Freunde in Offenbach und begeistern sich sehr für das, was bis zum Abend zwischen Stadthof und KOMM Center, sowie auf der Frankfurter Straße geboten wird. Britt Baumann vom veranstaltenden Amt für Kultur- und Sportmanagement hört das Lob gern. „Man kann ja nicht sicher sein, dass die Premiere gelingt und das Programm gefällt.“ In den vergangenen Monaten hat sie mit ihrem Team die nun verpflichteten Acts auf Künstlermessen beäugt, aber auch heimische Kulturschaffende ins Festivalprogramm eingebaut.

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© Richter/Georg

Ulrike Happel und Sabine Scholz vom Theateratelier Bleichstraße 14H etwa sind als „Ur-Tanten“ aus dem Neandertal dabei, die in der Fußgängerzone mit den Lebensräumen der Konsumgesellschaft und deren Verhaltensweisen konfrontiert werden. Die Kindergruppe des Theaterclubs Elmar gibt sich unterdessen im KOMM-Center experimentierfreudig. Zwölf junge Mimen mit Helfersyndrom stellen Alltagssituationen dar und lösen Probleme. Ohne Handmikrofon freilich sind die meisten Dialoge zwischen den Rolltreppen kaum zu verstehen. Kindlich verspielt geht es auf dem Aliceplatz rings ums Jugendkunstschulmobil zu. Dort führt Tim Dutzki Klein und Groß mit Bällen und Diabolos trickreich in die Kunst des Jonglierens ein, lässt seine Probanden Teller balancieren und Tücher schwingen.

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© Richter/Georg

Ganz in der Tradition der Straßenkunst verhaftet, präsentiert der Schweizer This Maag sein neuestes Programm. Auf vielen Festivals in Europa zu Hause, verbindet er bei seinem Auftritt in Offenbach eidgenössischen Wortwitz mit wahnwitzigen Klangerlebnissen, etwa durch den Einsatz seines Alphorns 2.0, und bindet das Publikum immer wieder in seine Show ein, der er den beziehungsreichen Titel „Das ist der Gipfel“ gegeben hat. An gleicher Stelle inszenieren später Jorga Lok und Edwin Schulte aus dem niederländischen Utrecht als Duo Fabuloka die Performance „Contra“ und erzählen mimisch-akrobatisch die Suche nach ihren Schatten.

Ebenfalls aus dem Land der Klompen und Windmolen sind Tenor Tiny van den Eijnden und Wilbert Kivits als mehrfach ausgezeichnetes Duo Stenzel & Kivits nach Offenbach gekommen – mit viel virtuosem Wahnwitz im Gepäck. Das Publikum belohnt ihr intensives „Impossible Concert“, das weit über eine klassische Musikaufführung hinausgeht, mit tosendem Applaus.

Harald H. Richter

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