„Das Center läuft hervorragend“

Fachmarktzentrum am Odenwaldring wird 20 Jahre alt

Bis zu 60 000 Kunden besuchen pro Woche das Center.
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Bis zu 60 000 Kunden besuchen pro Woche das Center.

Tanzen, wo sonst Lebensmittel, Elektrogeräte, Schuhe oder Sportartikel gekauft werden, das ist Ende der Woche im Ring-Center möglich. Der Grund: Das Center feiert seinen 20. Geburtstag.

Offenbach – Streng genommen gehört das Geburtstagsfest eher an das Ende denn den Anfang des Monats, schließlich wurde es seinerzeit am 28. Oktober 1999 eröffnet, doch wer möchte es schon so genau nehmen?.

„Die Schnäppchenjagd begann im Riesenstau“, titelte unsere Zeitung damals, denn der gewaltige Besucherandrang am Eröffnungstag brachte den Verkehr rings um den Odenwaldring zum Erliegen. Mehr als 10 000 Besucher drängten sich den Tag über in das für damals 110 Millionen Mark (rund 55 Millionen Euro) errichtete Fachmarktzentrum mit 27 Geschäften.

Inzwischen sind es weit über 30 Geschäfte, die das Fachmarktzentrum beherbergt. Geblieben ist die hohe Nachfrage: Über vier Millionen Besucher verzeichnet das Center das Jahr über, zwischen 55 000 und 60 000 Kunden erledigen dort pro Woche den Einkauf. „Das Center läuft hervorragend“, sagt Gernot Falk, Geschäftsführer der Münchner ILG Centermanagement GmbH. Mit der Kundenfrequenzentwicklung sei er überaus zufrieden, über 60 Prozent der Kunden sind Stammkunden, die mehr als zweimal pro Woche im Center einkaufen. Auch die Vermarktungssituation sei in Offenbach sehr gut. Der Sportfachmarkt Decathlon etwa habe in Offenbach eine Fläche bezogen, die wesentlicher kleiner sei als sonst üblich, halte aber unvermindert am Standort fest. Auch Hauptmieter Rewe habe erst kürzlich seinen Mietvertrag verlängert. „Es gibt eine lange Warteliste von Händlern, die gern in das Ring-Center möchten – aber momentan sind wir zu 100 Prozent ausgelastet, es gibt keinen Leerstand“, sagt Falk.

Das war nicht immer so, mancher Offenbacher erinnert sich noch an das Jahr 2013, als der Elektronikanbieter Pro-Markt geschlossen wurde – erst ein gutes Jahr später schloss sich die Lücke durch den Elektronikmarkt Saturn, der dafür aber seine Filiale in der Innenstadt aufgab.

Offenbach: Fachmarktzentrum am Odenwaldring wird 20 Jahre alt

Damit hatte sich aber auch eine Befürchtung so mancher Innenstadthändler bewahrheitet, die 1999 die Sogwirkung des Centers und eine Abwanderung der Kunden fürchteten. Überhaupt war 1999 ein prägendes Jahr für Offenbach: Nach dem Karstadt-Aus bezogen die Märkte Saturn und Adler das Kaufhaus-Gebäude in der Fußgängerzone, die Sparkasse errichtete ihren markanten Neubau am Marktplatz, das Cinemaxx-Kinocenter wurde an der Berliner Straße gebaut, das Hassia-Gelände umstrukturiert oder die Fußgängerzone saniert.

Dennoch, vor dem Ring-Center mit seinen 1200 kostenlosen Parkplätzen war bei manchem Händler die Furcht groß: Als die ersten Pläne für die Bebauung des nahezu 70 000 Quadratmeter großen Areals des ehemaligen Unternehmens Stahlbau Lavis bekannt wurden, „schlugen die Wellen der Empörung hoch“, wie unsere Zeitung damals schrieb. Händler protestierten beim Oberbürgermeister, manche sagten eine Verödung der Innenstadt voraus. Stadt und Bauherr, seinerzeit der Rewe-Konzern, mussten daher genau regeln, welches Sortiment im Center angeboten werden durfte.

Die kostenlosen Parkplätze sind auch heute noch ein Pfund, mit dem das Center wuchern kann. „Zu Spitzenzeiten, also freitagabends oder samstags, ist der Parkplatz komplett ausgelastet“, sagt Falk. Bei größeren Veranstaltungen werde zudem mit Parkplatzanweisern gearbeitet.

Bereits vor zwei Jahren hat die ILG in die Modernisierung des Centers investiert, so wurden Eingänge und Logos neu gestaltet, außerdem wurde die Wegführung auf dem Parkplatz geändert. Einige Wege wurden zu Einbahnstraßen erklärt, eine neue Zufahrt zur Entlastung des Kreisels eingerichtet. „Seitdem gibt es keine Unfälle mehr und die Parksituation ist viel entspannter“, sagt Falk.

Auch der monatliche Trödelmarkt auf dem Parkplatz sei inzwischen etabliert. Allerdings, räumt Falk ein, gebe es weiter Beschwerden von Anwohnern. Daran wird sich auch künftig kaum etwas ändern, denn das Center-Management will an dem Basar, der in den Straßen ringsum für ein erhebliches Verkehrsaufkommen sorgt, festhalten.

Fast 400 Menschen haben einen Arbeitsplatz im Ring-Center, das damit auch als Arbeitsstandort für die Stadt sehr relevant ist. Kein Leerstand, eine lange Warteliste für Händler – in der Stadt ist es ein offenes Geheimnis, dass das Center gern erweitern würde. Zuletzt wurde 2012 auf dem östlichen Teil des Geländes ein zweistöckiger Erweiterungsbau mit etwa 6000 Quadratmetern Fläche errichtet.

Mehr Erweiterungsflächen gebe es aber nicht, außer durch Erwerb von Nachbargrundstücken. Da aber hat auch die Stadt mitzureden, die natürlich die verbliebenen Innenstadt-Händler schützen muss.

VON FRANK SOMMER

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