Einmal pro Woche geht’s raus

Inklusive Wildbachschule offiziell eröffnet

+
Eine Torte, welche die Silhouette der Wildbachschule ziert, hatte Architekt Karl Heusel mitgebracht. Das pädagogische Team mit Leiterin Silke Klaußner, Stellvertreterin Barbara Ding und Förderschullehrerin Judith Schneider (von rechts) nahm sie entgegen. Foto:

Am Tag vor Aufnahme des regulären Unterrichtsbetriebs ist die inklusive Wildbachschule offiziell eröffnet worden. Die Grundschule im Hainbachtal entstand mit einem Investitionsaufwand von 5,4 Millionen Euro. Träger ist der AWO-Kreisverband Offenbach.

Offenbach – Die eigentlichen Nutzer kommen erst heute, doch auch gestern schon ist Offenbachs neueste Grundschule von Leben erfüllt – zunächst durch überwiegend ernst dreinschauende erwachsene Eröffnungsgäste. Aber im Laufe der Eröffnungsfeier, die von der Band „Irre Typen“ musikalisch gestaltet wird, erfüllen gut zwei Dutzend Mädchen und Jungen aus der benachbarten Kita Fuchsbau die Aula der inklusiven Wildbachschule im Hainbachtal mit ein paar fröhlichen Liedern und kindlichem Lachen.

Die Sophie-Scholl-Schule des Vereins Lebenshilfe in Gießen dient ihr als bauliches Vorbild. Der Inklusionsgedanke ist prägend im pädagogischen Konzept der in privater Trägerschaft durch den Kreisverband Offenbach der Arbeiterwohlfahrt betriebenen Einrichtung, die in einer naturnahen Umgebung ihren Platz in Offenbachs schulischer Bildungslandschaft gefunden hat. Darauf weist AWO-Vorsitzender Kurt Herrmann in seiner Begrüßungsansprache hin.

Nach zweijähriger Projektentwicklung ist der zweigeschossige Baukörper zwar fertig und mit der notwendigen Ausstattung versehen worden, an den Außenanlagen wird aber noch gearbeitet. Auch die 300 Quadratmeter große Bewegungshalle braucht noch eine Weile, bevor die zunächst einzügig beschulten Erstklässler dort körperlich aktiv werden können. Trotzdem lässt sich dem Bewegungsdrang der Kleinen vom ersten Tag an entsprechen. „Wir sind eine Draußen-Schule, die erste ihrer Art in der Region, und bieten den gebundenen Ganztag an“, hebt Leiterin Silke Klaußner hervor. „Das bedeutet zum einen, der Unterricht der Grundschulkinder findet unabhängig von Witterung und Jahreszeit für einen Tag in der Woche außerhalb des Klassenzimmers statt.“ Dazu bieten sich nicht nur der nahe gelegene Wald an, sondern auch Offenbacher Bildungs- und Erlebnisstätten wie Museen, Wetterpark oder Kletterpark. Die Idee der Draußen-Schule passe zur Vorstellung von ganzheitlichem und fächerübergreifendem geistigen Arbeiten, so die Leiterin. Nach der Kita Fuchsbau, die 2015 ihre Pforten öffnete, ist die Grundschule die zweite Kindereinrichtung in Trägerschaft des AWO-Kreisverbandes im Hainbachtal.

Kinder der benachbarten Kita Fuchsbau bereicherten mit ihrem Auftritt die offizielle Eröffnungsfeier für die Wildbachschule.

Als Generalunternehmer errichtete die in Erbach verortete Energiegenossenschaft Odenwald ein Gebäude von 1900 Quadratmeter Nutzfläche, das acht Klassenzimmer sowie mehrere Funktionsräume vorsieht, darunter Bücherei, Schülerküche und Therapiewerkstatt. Auch einen Musik- und Entspannungsraum gibt es. „Alles ist barrierefrei“, unterstreicht Architekt und Planer Karl Heusel (Erbach). Er hat als Überraschung eine Torte mitgebracht, die in der Backstube von Konditor-Weltmeister Bernd Siefert (Michelstadt) entstand und die Silhouette der Wildbachschule ziert. „Wir werden sie heute nicht anschneiden, sondern halten sie über Nacht kühl, und überlassen das morgen den Gästen unserer Einschulungsfeier“, entscheidet Thomas Ruff, der mit Frank Hofmann das Geschäftsführer-Tandem der Hainbachtal Bildungs GmbH bildet. Den Eröffnungsgästen, unter ihnen Schuldezernent Paul-Gerhard Weiß sowie Mitglieder des Magistrats, wird dennoch eine Stärkung gereicht.

Zuvor muss das Band durchschnitten und damit offiziell die Eröffnung der Wildbachschule als ein gemeinsamer Ort des Lernens von Kindern mit und ohne Handicap zum Ausdruck gebracht werden. Danach gibt es Führungen durch das Gebäude, bei denen Leiterin Silke Klaußner und Stellvertreterin Barbara Ding mit Förderschullehrerin Judith Schneider auch über das Konzept informieren. Es stellt die Betreuung der Kinder von 7.30 bis 16.30 Uhr sicher. „Nach dem Mittagessen gibt es ein lerngruppenübergreifendes Angebot an Arbeitsgemeinschaften, etwa Psychosomatik, Handwerken und fremde Sprachen“, erläutert Klaußner. „In einer weiteren Lernphase haben neben dem Fachunterricht auch Förder- und Therapiemaßnahmen ihren Platz.“ Zwar wird zunächst nur eine erste Klasse beschult, vorgesehen ist aber ein zweizügiger Aufbau.

VON HARALD H. RICHTER

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare