Niedrige Kaufkraft

Die Offenbacher Innenstadt hat nichts vom Boom

+
Ein Zukunftskonzept soll die Innenstadt von Offenbach wieder beleben.

Ein Zukunftskonzept soll die Innenstadt von Offenbach wieder beleben. Die Passantenfrequenz stieg 2018 das erste Mal seit Jahren wieder an.

Offenbach - Offenbach gilt seit einigen Jahren als Boomtown der Region: Die Einwohnerzahl wächst kräftig, Mieten und Immobilienpreise steigen auch. „Die Innenstadt ist von dieser Dynamik aber entkoppelt“, stellt Sven Lohmeyer fest.

Der Stadtplaner des Hamburger Büros „urbanista“ hat mit seinem Team im Auftrag der Stadt und des IHK-nahen Vereins „Offenbach offensiv“ ein Zukunftskonzept erarbeitet, das die Innenstadt rund um die Einkaufsmeile Frankfurter Straße nachhaltig beleben soll. Im Kern setzen sie auf vier Lösungen: Mehr Wohnraum, mehr (Büro-)Arbeitsplätze, mehr Kulturangebote und eine höhere Aufenthaltsqualität durch mehr Grün, neue Spielplätze, Leuchten und Bänke, sollen künftig die Innenstadt beleben.

Offenbach: Innenstadt soll mit Zukunftskonzept belebt werden

Damit verbunden ist die Hoffnung, dass eine solche Entwicklung auch dem vom Strukturwandel gebeutelten Einzelhandel auf die Beine hilft. Denn der Istzustand ist ernüchternd: Im Komm-Einkaufszentrum etwa, das bei der Eröffnung vor zehn Jahren als Hoffnungsträger für die Innenstadt galt, stehen große Flächen leer: Sogar Ketten wie Tedi, McPaper und Starbucks haben dem Einkaufszentrum den Rücken gekehrt. 

Die Anzahl der Passantinnen und Passanten in der Fußgängerzone ist von 2014 bis 2017 um ein sattes Viertel gesunken – 2018 aber das erste Mal seit Jahren wieder angestiegen.

Offenbach: Anhaltend niedrige Kaufkraft schreckt ab

Ein Grund für diese Entwicklung ist die mit 21.638 Euro im regionalen Vergleich anhaltend niedrige Kaufkraft der Offenbacher. Zum Vergleich: In Frankfurt liegt die Kaufkraft bei rund 27.000 Euro pro Kopf. Auch in Städten wie Hanau oder Dietzenbach ist der Wert höher. Ein weiterer Grund für die Probleme des Einzelhandels in der Offenbacher Innenstadt ist der „Trading-down-Effekt“: Der besagt, dass Leerstand oder die Präsenz von Billigläden einen negativen Einfluss auf den umliegenden Einzelhandel haben.

In Offenbach sei dieses Phänomen mitten auf der Frankfurter Straße zu beobachten, sagt der Leiter der städtischen Wirtschaftsförderung, Jürgen Amberger. Der jahrelange Leerstand einer Einkaufspassage und die anschließende Baustelle dort hätten „Auswirkungen auf den Ladenbesatz in der ganzen Umgebung gehabt“. Der Offenbacher Immobilienmakler Michael John schätzt, dass die Ladenmieten in dieser eigentlich guten Lage heute nur noch bei 25 bis 40 Euro pro Quadratmeter liegen.

Offenbach: Rathaus-Plaza soll helfen

Groß sind die Hoffnungen bei der Stadt aber angesichts des Einkaufszentrums, das bis 2020 anstelle von besagter Leerstandspassage entsteht: Das „Rathaus-Plaza“ ist zu über 70 Prozent vermietet und erhält auf den oberen Stockwerken flexibel einteilbare Büroflächen. In der Gesamtschau nehme er mit Blick auf die Innenstadt derzeit „eine verhaltene Aufbruchstimmung“ wahr, sagt Amberger. Auch wegen des Zukunftskonzepts, über dessen ganz konkrete Ausgestaltung sich die lokale Politik noch abstimmt.

Diese Artikel auf fr.de* könnten Sie auch interessieren:

Of fenbach: Preisexplosion beim Bauland

Grundstücke für den Geschosswohnungsbau kosten durchschnittlich 1480 Euro je Quadratmeter.

Stadt Offenbach sperrt Schlosspark

Die lange Trockenheit begünstigt Baumkrankheiten - jetzt hat das für den Offenbacher Schlosspark Rumpenheim traurige Konsequenzen.

Wütende Bürger protestieren gegen Baugebiet in Offenbach

Beim Infoabend zum neuen Quartier „Waldhof-West“ herrscht extrem schlechte Stimmung. Einbringen können sich Anwohner nur noch für kurze Zeit. „Ein Armutszeugnis“, finden sie.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare